Das Projekt startete im Februar 2024 mit Street Artist Sébastien Nayener aus Frankreich, gefolgt u.a. von der gebürtigen Heidelbergerin Lotte Günther, die sich auf dem Gebiet der Farbfeldmalerei einen Namen gemacht hat; außerdem von der Malerin und Waldtherapeutin Dagna Gmitrovicz aus Polen. Insbesondere Michael Lederer, der US-amerikanische Autor, Gründer und künstlerische Leiter des Dubrovnik Shakespeare Festivals, wird 2024 dabei sein. Als Gesprächspartner für 2024 vorgesehen sind ebenfalls der Konzeptkünstler Markus Feiler aus Rotenburg, der Schriftsteller Axel Lawaczeck aus Göttingen sowie die gebürtige Sizilianerin Valentina Murabito, deren experimentelle Analogfotografie ein beachtliches Medienecho hervorruft und ab 01. November 2024 in einer Einzelausstellung in der ausgewiesenen Berliner Galerie Kornfeld zu sehen ist. Im Verlauf des Kulturring-Projekts folgen weitere Interviews – teils als Podcasts, teils in abgedruckter Form.

Programm 2025

Januar: Die bei "Hanns Eisler" ausgebildete Sopranistin Andrea Chudak erzählt mit Vorliebe und Raffinesse Musikeranekdoten. Ihr Mann Stefan Kelber aus Brasilien ist der Leiter der Musikschule Treptow-Köpenick, des Jugendsymphonieorchesters Schwerin und überdies ein Könner an der Bratsche.

Januar: Cristina Wiedebusch (Bonadonna). Die gebürtige Italienerin ist Direktorin und Kuratorin der KORNFELD Galerie Berlin und leitet auch die "68projects by Kornfeld" – ein Format, das seit 10 Jahren internationale junge Kunstschaffende und Künstlerresidenzen fördert.

Februar: Barbara Haag und Kaj Holmberg. Der Regisseur und Produzent aus Stockholm, bekannt durch den Politthriller "Baltic Storm" mit Donald Sutherland, Greta Scacchi, Jürgen Prochnow hat in Berlin eine Filmbiographie über die Malerin aus Stuttgart gedreht, die als Journalistin in Moskau recherchierte.

Februar: Rolf Behm. In Karlsruhe Malerschüler von Markus Lüpertz. Lernt in Berlin die "Moritz-Boys" kennen und mischt kräftig in der Kunstszene mit. Seinerzeit Stammgast in "Fofi's Bar" und im "Zwiebelfisch". Kellnerte in der "Paris Bar". Ausstellungen in New York und Belo Horizonte.

Februar:Nicole Weißbrodt. Märchenerzählerin. Gebürtig aus Fürth und aufgewachsen in Dänemark. Absolvierte ihre Ausbildung an Berlins Schauspielschule "Ernst Busch". Sie gründete das Berliner Theater LaKritz und macht Puppetry Slam. Mit der Figur der renitenten betagten Dame Clarissa spricht N.W. zudem das Publikumssegment jenseits der Kinderschuhe an. Podcastlesung zum Erzähl-ein-Märchen-Tag.

März: Praveen Sankar. Der Maler ist Deutscher mit indischen Wurzeln. Er verwahrt sich gegen die Zurechnung entweder ins figurative oder ins abstrakte "Lager". Die Kunstrichtung, deren Künstler ihm viel bedeuten und in der er sich besonders gut auskennt: der Impressionismus.

April: In Anna Faroqhis Graphic Novel "Andersdenkerinnen" lernen wir Robin kennen, einen kurdischen Jungen aus der Türkei;  Chioma, eine Deutsch-Ghanaerin mit nigerianischen Wurzeln und Irit, Israelin mit deutschen Wurzeln. Die Heroinen der drei Jugendlichen aus Berlin  sind die Bibliothekarin Helene Nathan, die Schriftstellerin Anna Seghers und die Philosophin Hannah Arendt. Begleitet von einem Essay zum Thema “Heldentum” von Martina Pfeiffer.

Mai: Coco Bergholm. Fotografie, Street Art, Malerei. Aus Brilon im Hochsauerland. Fotografierte für die Ausstellung "Glitches" im Künstlerhaus Bethanien Hauseingänge in Kreuzberg. Was ihr Kunstschaffen mit Friedensreich Hundertwasser verbindet, wird im Interview transparent.

Mai: Pierre Testard. Der französische Romanschriftsteller ist zugleich Übersetzer. Er erläutert die Tücken des Übersetzens. Außer in Berlin hat er länger in England, Italien und Griechenland gelebt. Interview in Englisch und Deutsch. Mit einem thematischen Streiflicht von Martina Pfeiffer.

Mai: Im Nebel ist der Titel der 2024 erschienenen Novelle von Tobias Schwartz, in der er eine dystopische Endzeitstimmung evoziert (Buchvorstellung: M. Pfeiffer und Podcastlesung). Der in Osnabrück geborene Autor lebt seit 1997 in Berlin. Als Dramatiker hat er mit der Volksbühne am Rosa Luxemburg-Platz, mit dem Theater unterm Dach und mit dem Gorki-Theater zusammengearbeitet. Im Interview spricht er über seine Theaterarbeit und die vorangegangenen Romane, über sein Interesse für die legendäre Bloomsbury-Group und die Schriftstellerinnen Aphra Behn und Shelagh Delaney.

Juni: Der Autor Niq Mhlongo  aus Johannisburg beantwortet Fragen zu seinem Schaffen und würdigt im Jubiläumsjahr von Thomas Mann den Lübecker Literaturnobelpreisträger. Interview in Englisch und Deutsch.

Juni: Bela Chekurishvili. Lyrikerin aus Georgien, Mitherausgeberin des Buches "Säe den Weizen, Ukraine: Lyrik zum Krieg aus der Ukraine und Georgien". Lyrik von B.C. auch in "Der Osten leuchtet". Im Band "Unterwegs" ist sie ebenfalls vertreten. Bela Chekurishvili liest zum Welttag des Flüchtlings 2025 ihr Gedicht "Der Nagel" (Podcast).

Juni: Justyna Michniuk. Die polnische Wissenschaftlerin und Publizistin forscht über die Sorben/Wenden und hat einiges zum Thema "Ethnische Minderheiten/Multikulturalität" zu sagen. Ihre Gesprächsoffenheit zeigt sie auch im Verlauf ihrer Führungen im Wendischen Museum Cottbus.

Juli:Jinran Kim. Malerei, Installation, Objektkunst, Aktionskunst. Kam 26jährig von Seoul nach Berlin und erfuhr einen Kulturschock, den sie über ihre Kunst verarbeiten konnte. Nach dem "culture-clash" findet sie zunehmend Parallelen zwischen beiden Kulturen. Interview in Englisch und Deutsch.

Juli: Kerstin Hensel, 1961 in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) geboren, hat 2024 den Roman Die Glückshaut vorgelegt, der im Erzgebirge spielt, und von dem sie ausdrücklich sagt, er sei "kein Heimatroman, sondern eine Welterzählung". Der Roman durchmischt die Ebenen von Traum und Wirklichkeit, spielt mit unseren Auffassungen von "Glück" und düpiert Erwartungen, wie ein "gutes" Leben zu sein habe. Aus diesem Buch liest sie im Kulturring-Podcast. Für ihr umfangreiches Schaffen erhielt sie renommierte Würdigungen und Preise. Im Interviewabspann findet sich mehr dazu. Ihr Kommentar zu diesen Ehrungen: "Sie haben mich gefreut, doch nicht verändert. Für mich war und ist Schreiben keine olympische Disziplin, sondern überlebensnotwendig." (K.H. im Interview)

Juli: Nach einem Studium der Biologie war Matthias Nawrat,  1979 in Opole (Polen) geboren,  als freier Wissenschaftsjournalist tätig.  Er studierte Literarisches Schreiben am Schweizerischen Literaturinstitut. Seine zahlreichen Auszeichnungen als Schriftsteller sind im Interview verzeichnet. 2024 erschien Über allem ein weiter Himmel:Nachrichten aus Europa. Hier geht es zu seiner Podcastlesung aus dem Kapitel "Budapest". Sein Buch kombiniert die Gattungen Reisetagebuch/Reisebericht und Essay. Es  präsentiert Erfahrungen von Reisen "in die Zentren und an die Ränder des postkommunistischen Raumes" (Klappentext).  Wie der Autor im Interview erklärt, versuche er  "Erfahrungsräume, historische Zusammenhänge und biographische Verstrickungen zugänglich zu machen, die im westlichen Diskurs ansonsten ungesehen bleiben oder gar absichtlich ignoriert werden."

August: John von Düffels Schrift „Das Wenige und das Wesentliche. Ein Stundenbuch“ zeichnet das Bild vom „Asketen der Zukunft“, der bewusst auf das Überflüssige verzichtet und doch immer lebenszugewandt bleibt. Sein „Stundenbuch“ zeigt Wege auf, wie in der Beschränkung auf das als wesentlich erkannte „Weniger“ ein Genuss liegen kann, der mit dem Konsumverhalten und seinen Abhängigkeiten nichts gemein hat. Es kündet von einer neuen Freiheit, die sich in der auf das rechte Maß bedachten Fähigkeit ausdrückt, „Genug“ zu sagen und diese Haltung lebenspraktisch einzuüben. Mehr dazu im Interview mit John von Düffel. Von 2009 bis 2023 war von Düffel Dramaturg am Deutschen Theater Berlin. Seit 2009 lehrt er Szenisches Schreiben an der Universität der Künste (UdK) Berlin. John von Düffel ist Autor von zahlreichen Theaterstücken, Hörspielen und Bühnenbearbeitungen von Romanen, eigenen Romanen und Essayistik. Das Schaffen des in Potsdam lebenden, gebürtigen Göttingers wurde mit renommierten Preisen gewürdigt, nachlesbar im Interview.       

Oktober/November: Jürgen Grözinger. Musiker (Schlagzeug/Perkussion) aus Ulm. Betrommelte schon früh alles in seiner Reichweite, studierte später klassisches Schlagzeug. Auftritte u.a. mit den Berliner Philharmonikern. Er musiziert zusätzlich im Kontext des west-östlichen Dialogs.

Oktober: Das Stück „Tod eines Handlungsreisenden“ von Arthur Miller wurde 1949 uraufgeführt und erhielt den Pulitzerpreis. Was sagt es uns über die heutige Gesellschaft? Ich besuchte den stückebegleitenden Workshop und die Aufführung. Regisseur Max Lindemann, gebürtig aus dem Ruhrgebiet,  hat mit seiner Inszenierung im BE bewusst an den ursprünglichen Titel „The Inside of his Head“ und daran angeknüpft, was der Amerikanische Traum (Beitrag von Martina Pfeiffer: Von der Lumpenexistenz zum gemachten Mann. Der Amerikanische Traum: Ein Erfolgsmythos literarisch ausgeleuchtet) in Salesman Willy Lomans Psyche angerichtet hat. Mit der Lebenslüge des alternden Handlungsreisenden: „Ich bin erfolgreich, beliebt und unersetzlich“ hat Lindemann ein Thema aufgegriffen, das Menschen unabhängig von Zeit und Ort betrifft. Im Workshop spielten wir Kurzszenen nach lockerer Vorgabe von Workshop-Leiter Manuel Kern. Die theaterpädagogischen Übungen schärfen die Aufmerksamkeit für das Bühnengeschehen in der Aufführung. Mehr dazu im Gespräch mit der leitenden Theaterpädagogin Mona Wahba, gebürtige Wienerin. Max Lindemann hat Regie bei „Ernst Busch“ studiert. Er erzählt, welche markante Erfahrung dieses Regiestudium für ihn mit sich gebracht hat. Das Berliner Ensemble wurde 1949 von Bertolt Brecht und Helene Weigel gegründet und ist eine der führenden deutschsprachigen Bühnen. Bisherige Intendanten waren u.a.: Helene Weigel, Ruth Berghaus, Peter Zadek, Heiner Müller, Martin Wuttke, Claus Peymann. Seit 2017:  Oliver Reese.

Oktober: 
Maria Mohr, 1974 in Mainz geboren, hat sich seit über zwei Jahrzehnten als Filmemacherin und Filmlehrende einen Namen gemacht. 2005 schloss sie ihr Studium der Experimentellen Mediengestaltung (Klasse Narrativer Film) bei Jutta Brückner und Heinz Emigholz an der UdK Berlin ab. Ihre Abschlussarbeit, der Film „Cousin Cousine“, bringt Dokumentarisches und Fiktionales experimentell zusammen. Er handelt von Maria Mohrs Kindheit in den 70ern und der komplexen Gefühlslage Jugendlicher. Bei den 6. Kurzfilmtagen in Flensburg wurde diese Arbeit zum Besten Kurzfilm gekürt. Sie erhielt zudem den Deutschen Kurzfilmpreis in Silber und den 3-sat Förderpreis. ZDF und 3-sat strahlten den Film 2006 aus. Weitere Filme folgen, u.a.  2010 der Langfilm „Bruder Schwester“. Der Film setzt als Dokumentation auf die Authentizität des Berichteten, gleichzeitig ist er weite Strecken poetisch-impressionistisch angelegt. 2021/22 dreht die Filmemacherin als Auftragsarbeit des DAAD den experimentellen Kurzfilm „Spatzen und Spaziergänge“. Es geht um das Tagebuch von Marko Pogacar, einem in Berlin lebenden kroatischen Dichter. Der Film wurde beim ZEBRA Poesie Filmfestival Berlin gezeigt. Seit 2023 ist Maria Mohr Professorin an der Merz Akademie Stuttgart im Bereich Film und Video. Ihr filmisches Portfolio reicht von Kurzfilmen und Fernsehproduktionen bis zu langen Kinodokumentarfilmen. Maria Mohr lebt seit 1998 in Berlin. 

November: 2026 ist das 50. Todesjahr von Karl Schmidt-Rottluff. Hören Sie das Interview zu diesem in punkto Selbstvermarktung eher zurückhaltenden, bedeutenden „Brücke“-Künstler. Meine Gesprächspartnerin ist Christiane Remm. Christiane Remm ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Karl und Emy Schmidt-Rottluff-Stiftung und zugleich Sammlungskuratorin am Brücke-Museum. Die gebürtige Erfurterin studierte Kunstgeschichte an der TU Dresden. Im Brücke-Museum ist sie seit 2003 tätig. Die Eröffnung des Brücke-Museums in Berlin Dahlem erfolgte im Jahr 1967. Initiiert war die Gründung durch eine Schenkung - zunächst 75 Bilder - von Karl Schmidt-Rottluff an das Land Berlin. Das Brücke-Museum beherbergt die weltweit größte Sammlung von Werken des deutschen Expressionismus unter besonderer Berücksichtigung der Künstlergruppe „Die Brücke“.