Das Künstlerduo Stefanie Kock und Alexander Kerbst, bekannt aus Schauspiel und Musical, beantwortet Fragen zu den Anforderungen einer allabendlichen Aufführungspraxis. Im Interview erzählen beide von der Bereitschaft zum Risiko und vom Über-Bord-Werfen antrainierter Verhaltensweisen. Was ist das Geheimnis von Bühnenpräsenz? Was nehmen Kock und Kerbst mit, wenn der Vorhang sich am Ende der Vorstellung senkt? Hier die Antworten.

"Manche geh'n zum Lachen in den Keller, andere hab'n den Schalk im Nacken": Humor – bisweilen entlarvend und unruhestiftend, dann wieder auflockernd und besänftigend. Der Internationale Tag des Witzes steht an. Grund genug zu fragen: Was ist, kann, will Humor? Das Hörpublikum erfährt, warum Lachen nicht immer harmlos ist und Humor auch melancholisch eingefärbt sein kann. Einfach reinhören!
Sprecher/in: Alexander Kerbst, Martina Pfeiffer
Text: Martina Pfeiffer

Hintergrund und Inter­views

Sophie „ich habe das“

„Ich selbst mag es, Gedichten auf die Spur zu kommen, sie wie Sherlock Holmes zu entschlüsseln und dem Ganzen auf den Grund zu kommen.“

Sophie Stroux ist 1995 in München geboren. Um ihren Master in Kulturpoetik zu erwerben, zog sie nach Münster. Sie befasst sich u.a. mit Zirkuswissenschaften und Performancetheorien. Im Rahmen der open poems hat sie zwei Jahre von Uljana Wolf gelernt, die 2022 einen Preis der Leipziger Buchmesse erhalten hat. Das computergestützt von Sophie selbst eingespielte Soundgedicht „ich habe das“ hinterfragt die Möglichkeiten des rein Sprachlichen: „Mit Soundpoesie kann ich nochmal mehr formen und finalisieren, was ich in meinen Gedanken sehe und höre.“ (S.S.)

Gedicht zum lesen

ich habe das sagen hier wende worte
gegen richtung halte sie ins gegenlicht
sie geben nichts beim wort genommen
wachsen mir hände halten die vers-
brecher im wendekreis und still
die rede die stille ein raum gelassen
sprache post-wendend gefunden
in diesen räumen atmet es sich
so schlecht geht es doch nicht
als fremde in der fremde in der
stille in diesen räumen hier
atme ich habe das sagen
nicht die wendungen in
ungehörten räumen und ich
bin fremd in dieser sprache
hier greifen hände nach stille
die rede die stille ein raum
die stille mit händen nicht zu
fallen gelassen ich fasse wände
verwandle worte zu körper in
dieser sprache fallen räume
und heute stehe ich mit diesen
händen und stehe zum wort fremd
(Sophie Stroux)

Şafak „Hygienekonzept“

„Nirgends sonst ist Sprache derart konzentriert und im Schwung von Klang, Symbol und Gehalt wie in der Lyrik.“

Şafak Sariçiçek, 1992 in Istanbul geboren, hat Biowissenschaften in  Heidelberg und Jura in Heidelberg und Kopenhagen studiert. Er ist Gründer des Literaturkollektivs Echolot. 2021 erhielt er den Preis der Heidelberger AutorInnen. Im gleichen Jahr war er Stadtschreiber von Nanjing, China. Aktuelle Publikation: Im Sandmoor ein Android, Quintus Verlag. Şafak trägt im Podcast sein Gedicht „Hygienekonzept“ vor. „Hygienekonzept skizziert vielleicht, was in einer völlig automatischen Welt geschieht, der auch die Empfindungen für ein Du untergeordnet werden.“ (S.S.)

Gedicht zum lesen

Hygienekonzept

wir schaffen uns ein hygienekonzept zur steten revision
gesetzt aus schweigen
und schweigend schweben wir
in folgeverfahren
hab dich nachrangig berücksichtigt
im nachrang sichtest du mich nicht
unsere sichtungen verblassen
lassen nach mit jeder stoßlüftung
personal von fremdfirmen
einige monate lang
der name unseres zuteilungsraums
heißt nun schweigen

Konstantin „ein drängen du denkst ein drängen“

„Mir scheint wichtig, sich der Welt nicht zu verschließen. In-Worte-Fassen ist ein Konfrontieren, ein Stellungbeziehen. Und weit mehr, weit Stärkeres noch. Es kann ein Aufbauen sein.“

Konstantin Schmidtbauer, 1996 geboren und aufgewachsen im Burgenland, studierte deutsche Philologie an der Universtität Wien, belegte 2014 und 2015 den ersten Platz in der Kategorie Literatur beim burgenländischen Landesjugendkulturpreis und den zweiten Platz in der Gesamtbewertung. Das Gedicht „ein drängen du denkst ein drängen“ ist eingelegt in Großstadtgeräusche, Sprachfetzen, Verkehrslärm und Gesang. Das Stilmittel der interpunktionslosen Zeilen bewirkt „ein Stocken, ein Öffnen, ein Fragen, ein Sehen, dass es geht. Ein Drängen, ein Denken.“ (K.S.)

Gedicht zum lesen

ein drängen du denkst ein drängen die
nacht blendet deine augen es riecht
nach haarspray keine nachricht auf
deinem handy hast du empfang ein
drängen niemand verschwindet drängen
die nacht blendet deine augen menschen
du denkst menschen gehen vorbei was
dreht sich lichter die nacht
blendet deine augen menschen drücken
sich vorbei menschen drücken sich vor
bei die nacht blendet deine augen die
menschen ein drängen du denkst drängen
die menschen gehen hin in die nacht

Lea „Nachts wird das Atmen schwer“

„Lyrik ist ein Stück gelebte Utopie; sie macht deutlich, wie viele Facetten in einer einzigen Perspektive liegen können […]“

Lea Wahode, geb. 1997 in Regensburg, studierte Psychologie in Münster, Santiago de Chile und Heidelberg. Viele ihrer Texte verarbeiten Graffiti, Demosprüche und Gesprächsfragmente. „Nachts wird das Atmen schwer“ ist Teil ihres Gedichtzyklus aus 30 Jahren September. Die Sequenz dokumentiert die 2019 in Chile einsetzenden Proteste für soziale Gerechtigkeit. Den Aktivist*innen wurde mit massiver polizeilicher Repression begegnet.  „Der Text versucht, diese Zeit des Umbruchs, der Utopien; aber auch der Gewalt und Rauheit tröpfchenweise aufzufangen, sichtbar zu machen.“ (L.W.)

Gedicht zum lesen

0
nachts wird das atmen :|| schwer
unter den schlägen der Helikopter wir spüren:
unsere körper imprägniert, gefühle abgepackt in tränendichte Körperorte
wir schlafen um nicht zu fühlen
wir schlafen nicht
fühlen nicht schlafen wie schlaf fühlen
wir schlafen
wir fühlen schlaf nicht
wir schlafen und reden uns ein: Energie sammeln
run and jump, herzchen steigern für übermorgen, den Sommer

unsere hashtags verbrennen Netze, Gebäude, Pappkartons.

I
wir schieben grenzen
tragen Gewalt als Halstuch & Uhr
                        Mama, nach den Schüssen gehe ich ins Bett
& Wut in Gießkannen, mit Sprühaufsatz
                        Benutz’ keine Sonnencreme
wir gießen mit aufgelöstem Backpulver die angst
                        Fass dein Gesicht nicht an auf keinen Fall
die angst von den augen
lösen uns auf im laufen
zwischen zischenden Kugeln blassen Palos in weinender Luft

eine Zitrone tröstet die Schleimhäute
& wir verstehen ihre Chemie nicht

mit getränkten verschenkten Tüchern ertränken wir die furcht
vor unseren Mündern:
Baumwolle Backpulver [bicarbonato bicarbonato] und limón für die Tiere in den Straßenknöcheln:
Guanaco: spuckt fließende Stadt, gepfeffert mit Tränen
zorrillo: seine dämpfe vertreiben mit Töpfen und Handschuhen der Gärtner*innen
            aus Grünflächen Wohlstandsquadraten barrio alto

das Rezept: geerbt aus WW1, kommerzialisiert, beworben mit Schmerzskala & Tränenradius
schickt Körperkrämpfe aus 30 Jahren September

II
nachts wird das atmen schwer
unter den schlägen der Helikopter ihr blättern in luft ständiges wachseinbleiben wachschlafen
wir spüren: die Zellen imprägniert, Emotionen abgepackt in tränendichte Körperorte
wir schlafen um nicht zu fühlen
wir schlafen nicht wir fühlen
schlaf nicht
& reden uns ein energie zu sammeln für über morgen den sommer das schaukeln durch eintage

III

unsere hashtags, Plakate verbrennen netze straßenschilder Pappkartons einen rücken.

Maxim Gorki: Der Feuerländer - zum Welttag des Buches 2022

 

 

Im Gegensatz zu den Männern müssen sich literarisch ambitionierte Frauen laut Virginia Woolf oftmals damit begnügen, "die Augen aus den Kartoffeln herauszuschneiden". Mit ihrem Roman Orlando (1928) setzt sich die Britin andererseits über traditionelle Geschlechterfixierungen leichtfüßig hinweg. Ihre gedanklich durchgeprobten Szenarien machen herkömmliche Rollenzuweisungen durchlässig.

Textfassung: Martina Pfeiffer
Schnitt/Sound: Katrin Rönicke, https://hauseins.fm

Hajo Blanks Fotokunst zeigt, was sich hinter der Oberfläche des vermeintlich Sichtbaren verbirgt. Seine Arbeiten verrücken die Parameter einer liebgewonnenen Normalität, denn der Künstler unterläuft gängige Sichtweisen und überschreitet sie zugleich. Die präsentierte Kunst macht neugierig und mutig, sich auf diese Schau-Abenteuer einzulassen.

Hajo Blanks Fotokunst und der Mut zur Utopie

Axel Barners Erzählungen vom Losziehen in die Fremde lassen sich als Angebot lesen. Als Einladung, für Erfahrungsräume jenseits der Alltagsroutine aufnahmefähig zu bleiben oder zu werden. Aufbruchserprobt, wie er ist, zieht es ihn immer wieder in die Ferne, um die weißen Flächen auf der Landkarte des Selbst auszufüllen. In der Podcastlesung bringt Barner das Gedicht "Temeswar, Blicke" zu Gehör, die "Anekdote über den Einfluss indischer Filmmusik beim Haareschneiden", die Kurzprosatexte "Ankunft in Addis Abeba", "Rückkehr nach fünfundvierzig Jahren" sowie Auszüge aus dem im Sommer 2021 erschienenen Band Äthiopisches Album. Eine Reiseerzählung.

Ein Gespräch mit dem Autor Axel Barner über das Sich-Finden auf Reisen

Das Federvieh mit Namen Luise taugt zu weitaus mehr als bloß zum Festtagsbraten. Charakterstark und wehrhaft erobert es sich seinen Platz in den Herzen. Dass auch Sie sich im Anschluss an Stephan Hähnels Vortrag in Luises Fangemeinde einreihen – gut möglich …!

Stephan Hähnel gesteht: Zittern mit dem Mörder ist erlaubt

Der österreichische Schriftsteller Stefan Zweig, als Kosmopolit dem Ideal einer völkerübergreifenden Humanität verpflichtet, wäre am 28.11.2021 hundertvierzig Jahre alt geworden. Der Autor von Sternstunden der Menschheit verfasst 1931 den Essay "Das Buch als Eingang zur Welt". Darin macht er anschaulich, wie die Befähigung, die Welt aus unterschiedlichen Blickwinkeln wahrzunehmen, bei ihm durch das Lesen hervor- und vorangebracht wurde. Und im gleichen Atemzug formuliert er eine hinreißende Liebeserklärung an das literarische Wort als "zweites Weltall […], das um uns leuchtend kreist."

Mehr von und mit Stephan Hähnel.

Georg Bothe ist Druckgrafik-Künstler und -Kursleiter sowie zweiter Vorsitzender des Graphik-Collegiums. An seinem Wirkungsort, im Lichtenberger Studio Bildende Kunst, gibt er Auskunft.

“Warum Druckgrafik?” Das ist eine der ersten Fragen an Georg Bothe. Was treibt heute noch jemanden dazu an, sich regelmäßig die Hände in der Druckwerkstatt schmutzig zu machen? Er erklärt begeistert, dass es ...  weiterlesen

Paul Klee ist ein bedeutender Vertreter der Klassischen Moderne. Als Energiequell hat der Maler, Zeichner und Grafiker das Poetische für sich entdeckt. Zudem ist dieser hochbegabte Violinist der Klangkunst sein Leben lang treu geblieben. Der Geist der Musik hat Klees bildnerisches Schaffen mehr als bloß angeregt, er hat es durchdrungen. Paul Klee erweist sich wahrlich als Wanderer zwischen den Welten der Künste.

Welttag des Dackels

Zum Welttag des Dackels am 21. Juni ist ein Video-Podcast entstanden, dass vom SGE-Team im Studio Bildende Kunst Lichtenberg konzipiert und von Mitarbeiter*innen (über Smartphone) in verschiedenen Sprachen gelesen wurde.

 

 

Die drei Fragen

Ein Podcast des Kulturrings anlässlich des Welttages des Buchs am 23. April lädt alle Freunde guter Literatur nicht nur an diesem Tag zum Hörgenuss ein.
Erzähler Frank-Alexander Kunz bringt uns „Die drei Fragen“ von Leo Tolstoi nahe. Der russische Schriftsteller stellte sie sich 1903, doch der rechte Augenblick, sie zu stellen, ist zu jeder Zeit gegeben. Aber hören Sie selbst warum: