Farben zum Leuchten, nicht zum Verschwinden bringen
Justyna Michniuks Gedanken zu literarischem Eigensinn und Multikulturalität

Wir freuen uns, dass heute Justyna Michniuk bei uns zu Gast ist. Justyna ist Redakteurin bei PISMO FOLKOWE, https://pismofolkowe.pl, einer polnischen Zeitschrift über ethnologische, anthropologische und ethnographische Themen. Sie ist Essayistin und Autorin von über 300 Artikeln in Zeitschriften und Zeitungen. Ihre Texte wurden bisher in sieben Sprachen und sechs Ländern (Deutschland, Polen, Kanada, Serbien, Bulgarien, Israel) veröffentlicht. Sie ist auch Wissenschaftlerin, Doktorin der Pädagogik, die Bilingualität und Multilingualität nicht nur erforscht, sondern auch selber lebt. Besonders intensiv hat sie zu den Themen Multikulturalität und zu ethnischen Minderheiten geforscht, und vor allem zu der kleinen Nation der Sorben/Wenden in der Oberlausitz und der Niederlausitz.
Mein herzliches Willkommen geht an Sie, liebe Justyna.
Seit 5 Jahren leben Sie in Cottbus, in Chóśebuz, wie Sie sagen, zuvor mehrere Jahre in Hamburg. Der Spremberger Turm in Cottbus ist Ihr Lieblingsort in Brandenburg. Von oben ins Weite zu blicken, was gibt Ihnen das, von diesem speziellen Punkt aus?
J.M.: Von oben sieht die Welt völlig anders aus, es ändert sich durch den Blick von oben meine eigene Perspektive auf die Stadt Cottbus/Chóśebuz, eine Stadt, die oft die größte zweisprachige Stadt Deutschlands genannt wird. Wenn ich oben stehe, sehe ich aber nicht nur die schöne Cottbuser Altstadt, sondern auch die Umgebung wie das Kraftwerk Jänschwalde, das mich wiederum daran erinnert, wie kompliziert aber auch spannend die Geschichte der Niederlausitz, einer Region der 3 Nationen, 3 Kulturen und Sprachen nun ist…
Beim Sorbischen Literaturwettbewerb 2019/2020 haben Sie den ersten Preis erhalten mit einer kurzen Erzählung in niedersorbischer Sprache. Diese hat den Titel "Pód śěžu zachadnosći", Deutsch "Unter der Last der Vergangenheit". Gegenüber dem Brandenburgischen Literaturrat fällt Ihrerseits der Name Herta Müller als Vorbild für Ihr eigenes Schreiben. 1994 erschien von dieser Autorin der Roman Herztier: "Wenn wir schweigen, werden wir unangenehm, sagte Edgar, wenn wir reden, werden wir lächerlich". Mit diesem Satz beginnt der Roman, mit ihm klingt er aus. Dass der erste Satz zugleich der letzte ist – was halten Sie als Schreibende – erzähltechnisch und auch sonst – davon?
Herta Müller hat einen spezifischen Schreibstil. Ich finde, dass sie mit jedem Satz mehr verschweigt, als preisgibt. Ihren Lesern wurde die Geschichte nicht auf dem silbernen Tablett serviert. Sie müssen selbst nachdenken, um die Geschichte nach und nach zu entdecken. Ich finde dies großartig! Der Satz, den Sie zitiert haben, bezieht sich auf eine bestimmte Situation - ein Leben im totalitären Ceausescu-Regime. Es ist inspirierend, aber auch zweideutig, weil: Wenn man bei Totalitarismen seine eigene Meinung äußerte, wurde man auch verdächtig, was gefährliche Folge haben konnte. Hier wiederum sehe ich Ähnlichkeiten mit den Sorben in der DDR. Man durfte bestimmte Themen nicht kommentieren. Zum Beispiel die Devastierung – das heißt im Klartext das Verschwinden sorbischer Dörfer durch Braunkohlebergbau. Bis heute sind 136 Dörfern - teilweise oder völlig - für immer verschwunden. Mit ihnen verschwanden die sorbische Sprache, Traditionen und Kultur. Die wenigen, die in den 1980er Jahren sich dazu laut äußerten, wurden bestraft. Es war u.a. Werner Meschkank, ein niederlausitzer sorbischer Journalist, Autor, Songwriter und konsequenter Unterstützer der niedersorbischen Sprache in den Familien. 1985 warf man ihm nach einer live in einer Sendung geäußerten öffentlichen Kritik wegen des Abbaggerns sorbischer Dörfer vor – ich zitiere dazu mal aus einem Originaldokument von Radio DDR/Sender Cottbus vom 22. Mai 1985: „Missbrauch der sorbischen Sendung von Radio DDR zur Diffamierung der marxistisch-leninistischen Nationalitätenpolitik der SED und der Regierung der DDR durch den Moderator Werner Meschkank“ - „Dieses Vorkommnis rüttelt an Grundprinzipien politischer Sicherheit des Rundfunks als einem entscheidenden Massenmedium in den Händen des sozialistischen Staates“ - „schürt die aus Unkenntnis örtlich vorhandene Unzufriedenheit unter der sorbischen Bevölkerung, die die industrielle Entwicklung der Lausitz als Urheber des Rückgangs sorbischen Volks- und Brauchtums betrachtet“ - „Tatbestand politischer Zersetzung und Aufwiegelung“.
Er wurde vom Dienst suspendiert und sollte für zwei, drei Jahre in die Produktion. Dazu riet man ihm, sich in der Braunkohlegrube Cottbus-Nord neue Arbeit zu suchen, um - wie es hieß - “die wahren Probleme beim Aufbau des Sozialismus“ kennenzulernen. Als ungelernter Arbeiter solle er dort in die SED eintreten. Und wenn er sich politisch bewähren würde, dürfe er nach seiner Abstrafung bitten, wieder in seinem Beruf als sorbischer Journalist arbeiten zu dürfen. - Heute will jedermann Umweltschützer sein. Die ersten Kritiker hatten es echt schwer.
Wenn wir aber auf meine kurze Erzählung zurückkommen dürfen, möchte ich erwähnen, dass es auch eher eine Geschichte des Schweigens als des Sprechens ist. Ich schildere darin eine Erinnerung des ehemaligen Soldaten der Jugoslawischen Volksarmee. Ich traf ihn auf dem jüdischen Friedhof in Belgrad, der Hauptstadt von Serbien. Durch das stille Schweigen der Mazewot, das durch eine Schneedecke verstärkt wurde, habe ich seine schwache Stimme gehört. Die Stimme eines Menschen, der jemandem sein Trauma anvertrauen wollte. Es war ein Nachmittag im Dezember und wir waren ganz allein auf dem wunderschönen, unbeschädigten sephardischen Friedhof. Ich habe Grabsteine für meinen Artikel dokumentiert, und er war da angestellt und hat die Grabsteine gereinigt. Zwischen uns war am Anfang nur Schweigen. In seinen Augen habe ich aber eine unbeschreibliche Trauer gesehen und so wagte ich den ersten Schritt zum Gespräch. Da ich Serbisch studiert habe, fiel es mir nicht schwer, seine Herzensgeschichte zu verstehen und ihm nachzufühlen. Dadurch sehen Sie, in solchem Schweigen versteckt sich meistens eine sehr tiefgehende, aber traurige Lebenserfahrung. So war es auch unter anderem bei meiner Urgroßmutter, die den ersten und zweiten Weltkrieg überlebte, oder aber bei meinen Großeltern, die nur selten über die erlebte Vergangenheit sprachen. Sie haben erst im fortgeschrittenen Alter damit begonnen, und es fiel ihnen nicht leicht.
Die Gewinnerin des Literaturnobelpreises 2009 wuchs in den 50er Jahren, einer deutschen Minderheit zugehörig, im rumänischen Banat auf. Würden Sie sagen, die eigene Vita begünstigte Herta Müllers Nähe zu einer "Poetik des Randes"?
Ich würde ihre Poetik mit diesen Worten nicht beschreiben. Es ist eher eine Betrachtungssache. Für uns, hier im Herzen Europas ist Rumänien - und sogar die Deutsche Community in Rumänien - eine andere, entfernte Welt, eine fremde Welt noch dazu. Und was fremd ist, wird auch gefürchtet, aber oft auch unterschätzt. Für Herta Müller ist Nitzkydorf, für uns unaussprechlicher Begriff, ihr Geburtsort. Banat bleibt für immer der Ort, wo sie das Licht der Welt erblickte, wo sie ihre ersten Schritte erlernte, wo sie geliebt und gehasst hat. Es sind starke Gefühle, die einen Menschen für das ganze Leben prägen. Herta Müller zeigt in ihren Texten, dass die Vergangenheit in Rumänien, eine Quelle ihres Leides, aber auch Inspiration war und bleibt.
Angesichts von Herta Müllers Schreibkunst wurde oft von Eigensinn als Auflehnung gegen sozial verordnete Wahrnehmung gesprochen. Auch Peter Handke zum Beispiel gilt ja als eigensinnig. Ist Eigensinn eine Grundvoraussetzung fürs Schreiben?
Selbstverständlich! Der Schriftsteller kreiert eigene Welten, die zuerst nur in seiner Fantasie existieren. Diese Welten auf das Papier zu bringen, ist einfacher, als die Leser dazu zu bringen, sich mit der Geschichte zu identifizieren. Wir wissen auch alle, dass die Arbeit an einem Buch oder einer Gedicht-Sammlung vom Aufschreiben bis zur Publikation ein langer Weg ist. Wer nicht konsequent seine Träume zu Wirklichkeit macht, wer keinen Eigensinn hat, wird es nicht schaffen.
Herta Müller zeichnet, besonders im Frühwerk, nicht gerade Dorfidyllen, eher Anti-Idyllen, verweist auf die Beklemmung, die aus Traditionsgebundenheit erwachsen kann. Und wenn es bei ihr ums Leben im Exil geht, bleiben die Betreffenden Fremde. Entspricht das im Kern Ihrer eigenen Erfahrung, Justyna?
Eher nicht. Ich habe auch mein Heimatland, Polen, aus anderen Gründen verlassen. Ich wurde nie verfolgt oder gefoltert. Es war meine bewusste Wahl, oder besser gesagt mein Schicksal, weil es mir schon in der Grundschule klar war, dass ich später in Deutschland leben möchte. Diese Erkenntnis ist damit verbunden, dass mein Vater im Ausland arbeitete und sehr viel Wert darauf gelegt hat, dass ich Fremdsprachen, so früh, wie möglich lerne. Ich war schon als Kind auf Reisen in Deutschland und Österreich und kannte die Kulturen und die Sprache bereits sehr gut, bevor ich mich entschieden habe, hier zu leben und zu arbeiten. Deswegen betrachte ich mein Leben als kein Exil. Zusätzlich sehe ich meine Traditionsgebundenheit als eine Bereicherung. Ich bin sehr traditionsgebunden und die Traditionen sind meine Inspirationsquelle, bin aber trotzdem eine moderne, selbstbewusste Frau. Hier muss ich mal schmunzeln, weil ich gerade für die sorbische Kulturzeitschrift ROZHLAD ein Gedicht unter dem Titel ‚Moderne Frau‘ / ‘Nacasna žeńska‘. Da habe ich u.a. geschrieben:
(…) Gaž woblacom se pólsku bursku drastwu
z regiona Žywiec
Njok se pśewoblekaś
To njejo žeden kostim
To som ja: sebjewědobna słowjańskich tradicijow(…)
(…) Wenn ich die polnische Tracht
aus der Region Żywiec anziehe
will ich mich nicht umziehen.
Das ist kein Kostüm
Das bin ich: selbstbewusst der slawischen Traditionen (…)
Die Traditionen, sowohl die polnische aus den Beskiden als auch die sorbische widerspiegeln meine Seele. Ich liebe die Trachten als Zeichen der Heimatverbundenheit. Ich interessiere mich für die Bräuche und gebe auch Vorlesungen zu den Themen. Glauben Sie es oder nicht, aber der Saal ist immer voll. Kürzlich habe ich darüber in polnischen Gubin, in der Stadtbibliothek gesprochen. Es kamen 50 Personen, darunter auch Schüler. Es zeigt, dass das Interesse an den traditionellen Kulturen besteht.
Dorfleben, Brauchtum, nationale Identität. Sie, liebe Frau Michniuk, haben sich in ein Wissensgebiet eingearbeitet, das sehr stark mit diesen Begriffen verbunden ist. Sie forschen auch zu Multikulturalität. Haben die Sorben/Wenden ihren Platz in dieser Gesellschaft gefunden?
Jein. Die Sorben sind keine einheitliche Nation. Sie sollen schon die Oberlausitzer Sorben von den Niederlausitzern unterscheiden. Beide Gruppen haben teilweise unterschiedliche Geschichte, Traditionen oder sogar unterschiedliche Glaubensrichtung. Sie sind seit dem VI. Jahrhundert n. Ch. hier in der Lausitz zu Hause und man kann sie als first nation, also Ureinwohner bezeichnen. Mit Laufe der Zeit haben sich die Lausitzer Gebiete stark geändert, was die Bevölkerung angeht. Früher hatten die slavischen Stämme mit den Germanen zu kämpfen, dann mit der Germanisierung. Heute werden die Sorben wie auch andere anerkannte Minderheiten, oft vernachlässigt, weil Deutschland andere Krisen bewältigen muss. Eine davon ist die uns allen bekannte Flüchtlingskrise, wodurch Lausitz, eine Region von 5 Sprachen und 4 Nationen, noch multikultureller geworden ist. Es ist eine Bereicherung, aber manchmal auch eine Gefahr, weil die Sorben hier in der Niederlausitz keine wirklichen Kämpfer sind.
Was ich damit meine: Die Niedersorben haben ihren Platz in der Gesellschaft gefunden, leben aber oft in einem Zwiespalt zwischen deutscher und sorbischer Identität. Kann man beides sein? Darf man beides sein? Oder muss man sich nur für eine Kultur/Sprache/Tradition entscheiden?
Ich glaube, dass man die rhetorischen Fragen heute einfacher als vor z.B. 30 Jahren beantworten kann. Sogar die Europäische Union als Institution fördert und zwingt, in einem positiven Sinne, zur Zwei- und Mehrsprachigkeit. Ich persönlich fühle mich auch mit mehr als nur einer Kultur und Sprache verbunden. Neulich hat mich Herr Horst Adam, ein sorbischer Journalist und langjähriger Redakteur von der niedersorbischen Wochenzeitung Nowy Casnik, als polnisch-sorbisch-deutsche Journalistin beschrieben. Das stimmt auch! Ich selbst lebe in mindestens 3 verschiedenen Kulturen, Sprachen und Traditionen, und es gelingt mir auch!
Wie können wir in Sachen Identität in der Gesamtbevölkerung unterschiedliche Farben zum Leuchten bringen, und nicht zum Verschwinden?
Vor allem durch Respekt gegenüber fremden, ich meine anderen, für uns oft unverständlichen Kulturen. Die Sorben waren zuerst hier, und viele behaupten, dass es den Sorben gut geht. Sie sind durch verschiedene Gesetze geschützt und gefördert. Es gibt sorbisch in der Kita, in der Grundschule und auf den Gymnasien in Cottbus/Chóśebuz und in Bautzen und so weiter. Was aber nicht so oft thematisiert wird, ist der Gebrauch der niedersorbischen Sprache in den Familien. Die Zahl der Familien, deren Muttersprache mindestens von einem Elternteil das Niedersorbische ist, kann ich Ihnen hier und jetzt benennen, weil sie so gering ist. Viele deutsche Mitbürger in der Lausitz haben kein Interesse am Sorbischen und dazu lassen sich manche noch durch rechtsradikale Meinungen negativ beeinflussen. Das darf nicht sein! Die traurige Tatsache ist aber auch, dass viele, vor allem ältere Sorben aus der Niederlausitz selber denken, dass das Sorbische keinen Wert an sich für den modernen Menschen darstellt. Die Sorben haben also mit Hindernissen von außen und von innen zu kämpfen.
Sind Assimilationsdruck und Marginalisierung Begriffe, die auf die Lebenswirklichkeit der Sorben/Wenden zutreffen?
Leider ja. Sogar ich wurde mehrmals verbal beleidigt oder komisch angeguckt, weil ich in der Öffentlichkeit Niedersorbisch gesprochen habe. Hier wird Deutsch gesprochen! - Diesen Satz hören die Sorben viel zu oft …
Was waren die Meilensteine in der Entwicklung der Sorben als Kulturvolk?
Ich vermute, jeder Sorbe und jede Sorbin würden hier andere Ereignisse aus der Geschichte benennen.
Ich möchte lediglich ein Beispiel aus jüngerer Zeit benennen: Für mich ist das Jahr 1998 sehr wichtig. Damals fand zum ersten Mal in der Geschichte die niedersorbische Sprache in einer Kita einen festen Platz. Es war die Kita “Mato Rizo” Cottbus-Sielow, wo im Rahmen des WITAJ Projektes 12 Kinder damit angefangen haben, Niedersorbisch zu hören und in der niedersorbischen Sprache ‚zu baden‘, weil es sich hierbei um die Immersion, auch Sprachbad genannt, handelt. Das Projekt besteht bis heute, und dadurch kann auch mein Kind die niedersorbische Sprache von Anfang an, nicht nur zu Hause, sondern auch außerhalb hören und kennenlernen. Es war auch ein wichtiges Zeichen nach außen: die Niedersorbische Sprache lebt und wird immer noch gesprochen. Man muss sie aber dringend vor dem Aussterben retten! Dafür wurde das WITAJ-Projekt eigentlich geschaffen.
Ist es also gelungen, eine ethnische Identität zu bilden?
Teilweise. Es kenne viele selbstbewusste Sorb*innen. Ich kenne aber auch Sorb*innen, die sich verstecken und sind dann Sorb*innen nur, wenn sie von Sorb*innen umgeben sind. Das heißt, nach Außen geben sie sich Deutsch. Oder aber sie möchten nicht auffallen, aus Angst vor Benachteiligungen, oder weil es den Personen am sorbischen Selbstbewusstsein mangelt. Über das Identitätsdilemma der Sorben habe ich bereits im Jahre 2020 einen wissenschaftlichen Artikel in Polen publiziert. Es ist eine sehr komplexe Thematik, die sich an dieser Stelle nicht gänzlich erklären lässt.
Ist es aus Ihrer Sicht angemessen, die Sorben als Minderheit zu bezeichnen?
Sorben sind keine Minderheit. Es ist ein separates, slawisches Volk ohne eigenen Nationalstaat. Natürlich werden die Sorben als ‚Minderheit‘ bezeichnet, weil sie zu den 4 rechtlich anerkannten, autochthonen Minderheiten in Deutschland gehören. Richtigkeitshalber sollen sie aber als Nation bezeichnet werden.
Warum lassen Sie Ihr Kind neben Deutsch und Polnisch auch Obersorbisch und Niedersorbisch (Wendisch) lernen?
Mein Kind hat das große Glück in einer mehrsprachigen und mehrkulturellen Familie zu leben. Dadurch hat es auch die Chance, die Welt auf verschiedene und andere Art und Weise zu betrachten, als andere Kinder, deren Eltern nur einsprachig deutsch sind. Eine entfernte Bekannte hat mir mal gesagt, dass sie gar nicht einsprachig ist, weil sie neben Deutsch auch Englisch spricht. Ihr Englisch war aber Schulenglisch, also keine Muttersprache, die sie, ohne Probleme und Bedenken, an ihr Kinder weitergeben könnte. Meine Familie hat den Vorteil, dass wir nicht nur mehrere Sprachen beherrschen, sondern auch, dass es unsere Muttersprachen sind. Deswegen badet unser Kind, um die Sprachwendung zu wiederholen, tagtäglich in 4 Sprachen. Es ist sein Alltag und unser Kind hat keine Schwierigkeiten damit. Wir sind auch mit anderen mehrsprachigen und mehrkulturellen Familien befreundet u.a. aus Afghanistan, die ähnlich wie wir, mehrere Sprachen und Dialekte im Alltag benutzen. Und nein, es schadet dem Kind und den Kindern nicht. Es überfordert sie nicht! Sie kennen es ja nicht anders und passen sich daran an; sie lernen die Sprache spielerisch und ohne Hemmungen. Wir unterschätzen oft unsere Kinder. Ich bin mir sicher, dass unser Kind über eine höhe Resilienz verfügt, was es zu einem selbstbewussten Erwachsenen machen wird.
Das Bild der bäuerlichen, ländlichen Sorben, das oftmals gezeichnet wurde und wird: All jene, die so nicht gesehen werden wollen, passen nicht in die Vorstellung vom schollennahen Sorben. Lässt sich die Idee einer homogenen sorbischen Kultur halten?
Leider muss ich alle Leser enttäuschen: Keine Kultur darf heutzutage als homogen bezeichnet werden. Auch die deutsche Kultur ist nicht homogen und die sorbische Kultur sowieso nicht. Das Bild eines bäuerlichen, folklorisierten Sorben stört mich persönlich, und ich versuche etwas dagegen zu tun. Die Maßnahmen, die ich persönlich dagegen unternehme, sind vor allem öffentliche Vorlesungen in deutscher und polnischer Sprache, aber auch u.a. Führungen durch die sorbischen Museen der Niederlausitz mit polnischen Gruppen aus der Grenzregion. Es gibt ein schönes Zitat: Bildung ändert alles! Daran glaube ich fest. Deshalb bin ich freiwillig im Bildungsbereich sehr aktiv.
Inwieweit ist Folklore mit Kultur gleichzusetzen?
Die Kultur besteht u.a. aus traditionellen (d.h. historisch abgeleiteten und ausgewählten) Ideen und insbesondere den damit verbundenen Werten; Kultursysteme können einerseits als Produkte des Handelns, andererseits als konditionierende Elemente zukünftigen Handelns betrachtet werden. Die Folklore ist ein Teil des großen Puzzle, welches Kultur heißt. Das Wort Folklore (von englisch folk „Volk“, und lore „Überlieferung“ oder „Wissen“) ist der sichtbare Ausdruck des immateriellen kulturellen Erbes einer ethnischen oder religiösen Gemeinschaft. Es ist an sich ein neutraler, fachlicher Begriff. Er wurde aber im Deutschen bisweilen abwertend für pittoreske Darbietungen verwendet, für kommerzialisierte, verkitschte, trivial-sentimentale oder unechte Darstellungen. Folklore wird oft mit Folklorismus gleichgestellt, was nicht richtig ist.
Ein aus der Tschechoslowakei stammender und in die USA übersiedelter amerikanischer Sozial- und Politikwissenschaftler - Karl Deutsch (1912-1992) - machte auf die große Zahl von Elementen aufmerksam, aus denen sich eine nationale Kultur zusammensetzt. Er hat sie als ‚Bausteine‘ (Englisch building blocks) bezeichnet. Deutschs Interpretation ist von großer Bedeutung für das Verständnis der Nation als eine bestimmte kulturelle Gemeinschaft. Darüber hinaus schreibt Deutsch, dass die Bausteine im Aufbau einer Nation nicht feststehen, also ausgetauscht werden können. Die einzelnen Bausteine haben auch variable Funktionen, und so kann sich auch ihre Bedeutung für eine Nation im Laufe der Zeit ändern. Das bedeutet, dass für manche Nationen die Religion das Wichtigste ist, für andere die Sprache, für wieder andere hat das eigene unabhängige Territorium oder die staatliche Souveränität Priorität. Im Falle der Sorben lässt sich feststellen, dass heute vor allem ihre Traditionen und Bräuche sozusagen das Fundament und einer der wichtigsten „Mörtel“ sind, die die Identität und Selbstidentifikation dieser kleinen slawischen Nation zusammenhalten.
Trachtenvereine und Festivals als Inszenierungen, um Urlauber in touristisch wenig frequentierte Gegenden zu locken. Kann man das so sehen?
Die Lausitz; sowohl Ober- als Niederlausitz kann man nicht als unbekannte Gegend bezeichnen, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen. Hier in Cottbus/Chóśebuz haben wir seit Jahren mit dem Strukturwandel zu tun. Wir sind Vorreiter und Vorbild für ganz Deutschland! Der Spreewald an sich war schon seit dem XIX-Jahrhundert ein wichtiges, touristisches Reiseziel. Wie ich bereits erwähnte, habe ich viele Jahre in Hamburg gelebt, und viele konnten meine Entscheidung, ‚in den Osten‘ umzuziehen, nicht verstehen. Hier sehe ich aber viel mehr Möglichkeiten als in Hamburg. Die Potenziale sind hier noch längst nicht ausgeschöpft – sie entwickeln sich im Hier und Jetzt, und es erfüllt mich mit großer Freude, ein Teil dieses Prozesses gewesen zu sein. Ein herausragendes Beispiel ist der Kurs „Sorbische Sprache und Kultur“, der im Sommersemester 2024 erstmals für Studierende des Instituts für Erziehungswissenschaft an der BTU Cottbus-Senftenberg angeboten wurde. Für mich war es eine besondere Ehre, als erste Person in der Geschichte der Universität Sorbisch zu unterrichten. Dieser Kurs stellt einen bedeutenden Meilenstein dar, da die niedersorbische Sprache und Kultur bis dahin noch nie als Wahlfach an der BTU vertreten waren. Wie Sie sehen, unsere Lausitz ist wirklich eine krasse Gegend[1], wie der Werbespruch aus dem Jahre 2023 besagt!
Wie sieht die heutige Wirklichkeit der Sorben aus?
Die Sorben sind ein modernes Volk mit modernen Problemen. Ich als Wahlsorbin kann dazu noch sagen, dass die sorbische Kultur seit anderthalb Jahrtausenden nicht nur mit den Dörfern, aber auch mit den Städten verbunden ist. Wir haben also einerseits moderne Probleme des Alltags, aber vor allem auch Probleme mit dem Erhalt unserer Sprache und der Erhöhung des Prestiges beider sorbischer Sprachen. Leider führt das mangelnde Wissen über Sorben oft zu Missverständnissen oder aber zu den Situationen, dass die Sorben vergessen werden. Glauben Sie es oder nicht, aber ich kenne viele Cottbuser, die nicht mal gewusst haben, dass es in Cottbus/Chóśebuz ein Wendisches Museum gibt. Das Museum wurde 1994, also vor genau 30 Jahren eröffnet in der heutigen Lokalisation. Man kann also sagen: Wir haben kleine und große Probleme, wie die Deutschen auch. Es gibt eine moderne sorbische Literatur und Poesie, sowohl auf Obersorbisch als auch auf Niedersorbisch. Wir haben sorbischen Hörfunk, wo man alle Musikrichtungen auf Ober- oder Niedersorbisch hören kann. Wir haben auch Rap und Hip-Hop, arbeiten in allen Wirtschaftszweigen und Berufen! Viele möchten uns Sorben nur durch unsere traditionelle Kultur-Brille betrachten, aber seien Sie sicher, wir tragen nicht täglich Trachten, und wir bemalen Ostereier nur zum Ostern.
Sie selber kommen aus den Beskiden, im Süden von Polen, im Dreieck zwischen Polen, Tschechien und Slowakei. Hat Ihre eigene Geschichte die Weichen gestellt im Hinblick auf Ihr Engagement für die Sorben?
Meine einheimische Kultur - die dörfliche Kultur der Beskiden - war mir immer sehr wichtig. Ich bekenne mich zu der Kultur, trage bisweilen die dörfliche Tracht aus den Beskiden als die einzige Tracht, die meine Identität zum Ausdruck bringt, und ich liebe unsere Traditionen. Man kann Ähnlichkeiten zwischen der Situation der Sorben und unserer Situation in den Beskiden finden. Zum Beispiel in Bezug auf die Trachten, wenn wir schon über Folklore und Folklorisierung sprechen. Wir dürfen nicht vergessen, dass während des Nationalsozialismus die Trachten in Deutschland politisch instrumentalisiert wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging das Interesse aus vielerlei Gründen zurück, u.a. weil man damit verbundene Erinnerungen verdrängen wollte. Tracht tragende Frauen wurden in den Städten angepöbelt, beleidigt und manchmal sogar angegriffen, weil man sie als Sorbinnen erkennen konnte. Auch meine sorbische Schwiegermutter erinnert sich mit 91 Jahren immer noch lebhaft daran, wie sie in der Schule vom deutschen Lehrer geschlagen wurde, weil sie sorbisch gesprochen hatte. Ihre Tracht legte sie ab, als sie in die Schule nach Weißwasser fuhr, um nicht ausgelacht zu werden. Sorbische Männer und Frauen haben nach dem 2. Weltkrieg - parallel zum Schwinden der Trachten - auch aufgehört, ihre Muttersprache und Kultur zu pflegen. Dadurch sind die nachfolgenden Generationen oft in der Überzeugung aufgewachsen, sorbische Trachten, die Kultur und vor allem (!) die sorbische Sprache, luba serbska rĕc, seien minderwertig. Diese Einstellung schwingt bis heute nach in den Interviews mit Menschen, die sich für ihre eigene Sprache und für ihr Volk, das sorbische Volk, schämten und ihre sorbische Identität verleugneten. In unzähligen Gesprächen, die ich in der Niederlausitz geführt habe, habe ich oft den Satz gehört: ‘Meine Eltern sprachen noch wendisch, aber unter sich, damit wir Kinder sie nicht verstehen. Wir sollten uns auf Deutsch konzentrieren‘ oder ‚Meine Großeltern und Eltern sprachen sorbisch, aber sie meinten, es sei nicht nötig für uns, die Sprache zu lernen‘.
Negative Sichtweisen auf Trachten haben wir in meiner alten Heimat auch erlebt. Und zwar von Mitbürgern gleicher Herkunft wie wir. Sie meinten aber, dass die Trachten ein Symbol der Folklorisierung sind, eine unmoderne Kleidung der Bauern, die nicht schreiben und nicht lesen können. Personen in Tracht wurden oft als goralicki w kierpeckach beschimpft. Dabei sind kierpce, die traditionellen Lederschuhe, die ich auch heute trage, nicht nur bequem, sondern wirken auch ästhetisch. Erst nach und nach haben die Eltern und auch die nachfolgenden Generationen - ihre Kinder - verstanden, dass es nicht verkehrt ist, neben Hochpolnisch auch einen Dialekt zu sprechen, oder sich in der Öffentlichkeit in Tracht zu zeigen. Es freut mich sehr, dass ich meine schöne Tracht zu bestimmten Anlässen tragen darf. Vor 30 Jahren wäre ich wahrscheinlich noch schief angeschaut worden. Deswegen kann ich die Frage nach meiner „Weichenstellung“ mit ja beantworten.
Sie haben auch viele Jahre über jüdische Themen für die polnische jüdische Zeitschrift MIDRASZ geschrieben z.B. über die griechischen Juden - die Romanioten oder über die Juden aus Cottbus, aus Guben und aus dem ehemaligen Ostpreußen. Ist aus der Beschäftigung mit jüdischen Minderheiten Ihre Vorliebe für den jüdischen Autor Imre Kertész erwachsen?
Imre Kertész war der erste jüdische Autor, dessen Bücher ich, damals in der polnischen Übersetzung, gelesen und am Anfang nicht völlig verstanden habe. Seine Werke sind oft kurz, aber inhaltsreich, weil er, ähnlich wie Herta Müller, wenig schreibt, aber die Schicht des ungeschriebenes, was man von den Texten ableiten kann, mehrere hundert Seiten lang wäre. Der Schriftsteller ist aber nicht der Grund für mein Interesse an jüdischer Geschichte, sondern meine kurvenreiche Familiengeschichte, die sich bei der gemischten Bevölkerung des damaligen Polens, spricht Polen vor dem 2. Weltkrieg, abspielten. Weil ein Teil meiner Familie aus dem heutigen Weißrussland stammt, habe ich auch teilweise jüdische Wurzeln. Eine kurze Geschichte, die mein Onkel mir vor mehr als 22 Jahren am Tisch, beim Essen, zwischen Rollbraten und Stampfkartoffeln erzählt hat, hat mich sehr beeinflusst und inspiriert. Ich ging auf die Suche nach meinen Vorfahren und fand deren Spuren an vielen Orten in ehemaliges Ostpreußen und im heutigen Weißrussland. Es war eine faszinierende, aber oft auch sehr traurige Reise durch Vergangenheit und Gegenwart. Im doppelten Sinne; weil ich tatsächlich fast alle Orte, die mit meiner Familie verbunden sind, persönlich besuchte und zusätzlich in den verschiedenen Archiven forschen konnte. Die Ahnenforschung ist mein zweites Hobby und Berufung. Ich finde es wichtig, dass wir wissen, woher wir kommen und was unsere Vorfahren gemacht haben.
Imre Kertész hat "Ich – ein Anderer" geschrieben, es gehört zu Ihren Lieblingsbüchern. Beeindruckend, was der in Budapest geborene Schriftsteller in der Erklärung seines Austritts aus dem ungarischen Schriftstellerverband 1990 äußert: “Ich habe immer als Individuum gelebt … Dass ich Ungar bin, ist um nichts absurder, als dass ich Jude bin … Ich habe mich nie in irgendeine Rassen-, National-, oder Gruppenidentität geflüchtet”. Ist diese Aussage für Sie nachvollziehbar?
Kertész war schon damals jemand, den wir heute als ‚Weltbürger‘ oder ‚Europäer‘ beschreiben dürfen. Er sprach mehrere Sprachen, hat auch Deutsch gesprochen und seit 1953 von den Übersetzungen den deutschen Werken (u.a. von Nietzsche, Freud, Hofmannsthal, Schnitzler, Roth, Wittgenstein i Canetti) seinen Lebensunterhalt verdient. Er fühlte sich gleich wohl in Budapest wie in Berlin, wo er jahrelang mit seiner Ehefrau lebte.
Jetzt wissen wir etwas mehr darüber, was bei Ihnen zu Hause im Bücherregal steht. Sind auch die Legenden und Mythen aus der Lausitz in Ihr eigenes Schreiben eingegangen?
Die Ethnologie, Ethnographie und kulturelle Anthropologie sind meine Hauptinteressen. Darunter fallen auch Mythen und Sagen. Ich liebe Legenden aus aller Welt. Sie sind aber keine Inspirationsquelle für meine Erzählungen oder Gedichte. Ich bin nur an wahren Geschichten und Fakten interessiert. Das menschliche Leben mit allen Facetten ist meine größte Inspiration. Fiktive Welten und Fantastik sind aber mein literarisches No-Go. Was ich Ihnen verraten kann, ist mein besonderes Talent, die besten Geschichten von den unauffälligsten Menschen zu bekommen. Es ist so, dass ich nach einer Geschichte nicht suchen muss, sondern die Geschichten finden mich! Und es passiert oft auf eine magische Art und Weise. Ein Beispiel dafür wäre meine ‚Bekanntschaft‘ mit Herrn Wilhelm Brasse, den berühmten Fotografen von Auschwitz, der rein zufällig der Nachbar meines Onkels war. Oder die Geschichten, die mir meine Uroma oder Oma und Opa mütterlicherseits erzählt haben. Ich bin Dokumentaristin, so sehe ich mich selbst. Ich halte die Themen fest, die in Vergessenheit gerieten oder ins Dunkle gestoßen wurden, weil sie unangenehm, nicht politisch korrekt oder eben kontrovers waren. Seit jüngerer Zeit forsche ich zu einer solche Geschichte. In den verschiedenen Archiven habe ich bereits so viele der Öffentlichkeit unbekannte Materialien gefunden, dass ich mit der Publikation wahrscheinlich in zwei Jahren noch nicht fertig sein werde. Aber ich gehe diese spannende Familiensage bewusst langsam an, weil ich auf dem Weg zum Ziel ständig über weitere Fakten, wie auch Unklarheiten und neue Fragen stolpere.
Im Dezember 2024 erschien eine Anthologie mit Essays zur Zukunft der Sorben in niedersorbischer und obersorbischer Sprache: "Serbstwo, quo vadis? Eseje". Sie sind darin mit eigenen Beiträgen vertreten. Zu welchen Themen?
Wie ich bereits erklärte, bin ich keine gebürtige Sorbin. Ich wurde weit weg von der Lausitz geboren, in der bergigen Landschaft der Beskiden, im Süden Polens. Durch das Leben, die Arbeit und auch die Heirat mit einem selbstbewussten Sorben wurde ich jedoch in die sorbische Kultur integriert. Nachdem ich viele Jahre im traditionellen Siedlungsgebiet des sorbischen Volkes, neben ihnen, mit ihnen und bei ihnen verbrachte, fühle ich mich ihrer und nun auch meiner Sprache, Kultur und Tradition sehr verbunden. Ich habe mehrere Jahre darauf verwendet, um Niedersorbisch in Wort und Schrift zu erlernen. Obwohl noch nicht fehlerfrei, bin ich stolz darauf, mich in dieser vom Aussterben bedrohten Sprache frei verständigen zu können, in ihre journalistischen Texte und literarische Werke zu verfassen, Interviews zu führen und mit anderen Menschen über verschiedene, auch banale Themen zu sprechen. Mit der Zeit wurde die Welt der Sorben zu meiner Welt, ihre Sorgen wurden meine Sorgen, ihre Bemühungen um den Erhalt ihrer einzigartigen Sprache und Kultur zu meinen Bemühungen, sowohl wissenschaftlich als auch privat. Die Anthologie mit Essays sollte die unterschiedlichen Sichtweisen auf die Zukunft der Sorben darbieten, die aus sehr verschiedenen Lebenserfahrungen der Autorinnen und Autoren entstanden sind. Dies ist der Anthologie auch gelungen!
Die Herausgeberin der Essays, Frau Maria Matschie, sorbisch Marka Maćijowa, sagte uns beim ersten Gespräch, wir sollten unsere Beiträge so verfassen, als wollten wir der jüngeren Generation Denkanstöße, Ratschläge und Impulse mit auf den Weg geben. So habe ich es auch getan und bin nun sehr stolz darauf, welche Themen die weiteren obersorbischen und niedersorbischen Autorinnen und Autoren als mitteilenswert erachteten.
Zur Publikation fanden zwei Präsentationsveranstaltungen statt – in Bautzen und in Cottbus. In Cottbus, am 5. März 2025, war ich selbstverständlich neben weiteren Autorinnen anwesend. Es entwickelte sich eine spannende Diskussion – natürlich auf Niedersorbisch.
Herzlichen Dank, liebe Justyna, dass Sie sich den Interviewfragen gestellt haben. Danke auch für unser aufgeschlossenes Gespräch. Alles Gute weiterhin für Ihre vielfältigen Aktivitäten!
Interviewerin: Martina Pfeiffer
[1] Die Kampagne „Die Lausitz. Krasse Gegend“ macht den Aufbruch und dynamischen Wandel der Lausitz nach innen und außen sichtbar. Bis 2038 wird sich das Revier im Osten grundlegend verändern, mehr Infos unter: https://www.krasse-lausitz.de/krasse-lausitz/projektvorstellung.