Träume, wild und zart – Anna Seghers oder die Unerlässlichkeit des Phantastischen
Martina Pfeiffer befragt die Anna-Seghers-Gesellschaft

Wen die Frage nach dem Verhältnis von wahr und wirklich in der Literatur ins (leidenschaftliche) Grübeln bringt, für den dürften Phantastische Erzählungen eine Goldgrube sein. Anna Seghers, am 19. November 1900 als Netti Reiling in Mainz geboren, am 01. Juni 1983 in Ost-Berlin gestorben, hat bemerkenswerte phantastische Erzählungen geschrieben. Ihre fiktiven Welten wenden sich gegen den Hoheitsanspruch des Allgemeingültigen. Sie bergen eine Sprengkraft, welche sich gegen die Enge von Reglementierungen richtet. Ihre inneren Bilder bezeugen den Triumph der künstlerischen Freiheit und der Einbildungskraft, die zu Neuinterpretation und Gestaltung des Gegebenen aufruft. So etwa „Eine Reisebegegnung“ (1972). Die Geschichte ist Teil des Erzählbands SonderbareBegegnungen. Seghers lässt hier E.T.A. Hoffmann, Nikolaj Gogol und Franz Kafka zusammentreffen. Diese Erzählung steht in Bezug zu den bereits erwähnten weniger bekannten Seiten von Anna Seghers. 1938 schreibt A.S. ihr „Motto“: „Und habt ihr denn etwa keine Träume, wilde und zarte, im Schlaf zwischen zwei Tagen?“ Und sie fährt fort, dass zuweilen ein altes Märchen, ein kleines Lied, oder der Pfiff eines Vogels mühelos an den Grund des Herzens rühre und dadurch auch an die Wurzeln der Handlungen. Dagegen stehe das Blutigklopfen der Fäuste, mit dem man die Menschen nur schwer erreiche. Das klingt wie ein Manifest der Schriftstellerin. Womit ist es ihr selbst mühelos gelungen, an Herzen zu rühren, ohne die eigene Faust blutig zu klopfen?
Anna-Seghers-Gesellschaft: Es ist wohl die erwähnte Erzählung „Die Reisebegegnung“, in der diese Aspekte im Gespräch zwischen den drei Protagonisten, die sich realiter nie getroffen haben, am eindringlichsten thematisiert werden: Die Figuren Nikolai Gogol, Franz Kafka und E.T.A. Hoffmann sprechen poetologische Probleme an, die auch Anna Seghers beschäftigten. Sowohl hier wie auch in ihrem Briefwechsel mit dem ungarischen Literaturwissenschaftler (und Freund) Georg Lukács plädiert sie für die „Verbindung von Real-Zeitgeschichtlichem und Märchenhaft-Mythologischem“ (Monika Melchert). Diese Mischung kann man als eines der wesentlichen Merkmale der Literatur von Anna Seghers identifizieren.
Gerade das Märchenhaft-Mythologische steht ja einem wissenschaftlich-zergliedernden Denken deutlich entgegen. „Wird der Roman überflüssig?“ A.S. behandelt 1973 die Frage nach der Relevanz der Gattung Roman. Warum? Weil die literarische Menschendarstellung im Leser Gefühle hervorrufe, welche die Wissenschaft nie erzeugen könne und auch nie erzeugen wolle. „Sind diese Gefühle unnütz?“ fragt A.S. und antwortet umgehend: „Ich glaube, dass sie so nötig sind wie Brot.“ Warum sind Romane, folgen wir ihrer Argumentation, unverzichtbar?
Das damalige leidenschaftliche Plädoyer von Anna Seghers für den Roman gilt bis heute. Der Roman ist ja auch alles andere als tot, und immer wieder erscheinen Texte, die die Menschen „von innen heraus verändern“, wie es Seghers damals sagte. Wissenschaftliche, politische und soziologische Texte sind natürlich wichtig zum Verständnis der Welt, aber: „Wenn das Innere des Menschen danach strebt, das Innere des anderen Menschen zu begreifen, braucht er die künstlerische Darstellung.“ (Anna Seghers)
1928 erhält sie den Kleistpreis für die Erzählung „Der Aufstand der Fischer von St. Barbara“. Woran erkennt die Leserschaft, dass A.S. mit diesem Prosastück dem Stil der Novellen Heinrich von Kleists verpflichtet ist?
Seghers hat wichtige deutschsprachige Autoren schon früh in der Schule und im Elternhaus kennengelernt: Goethe, Schiller, Heine, Büchner und eben auch Heinrich von Kleist, dessen Prosa sie besonders schätzte. 1935, in ihrer Rede auf dem I. Internationalen Schriftstellerkongress zur Verteidigung der Kultur in Paris zählte sie Kleist (neben Hölderlin, Büchner, Karoline Günderrode, Lenz und Bürger) zu jenen Schriftstellerinnen und Schriftstellern, die „ihr Land (liebten), an dessen gesellschaftlicher Mauer sie ihre Stirnen wundrieben.“ Einige Jahr später (1938) verteidigte sie Kleist als Schriftsteller gegenüber Georg Lukács, da er in einer Zeit gelebt habe, die durch „jähe Stilbrüche, durch Experimente, durch sonderbare Mischformen“ gekennzeichnet gewesen sei. Literaturwissenschaftlich betrachtet lassen sich Einflüsse vieler Autorinnen und Autoren im Werk von Seghers nachweisen, inwieweit die Leserschaft dies im Einzelnen bemerkt, ist eine andere Frage.

Es ist A.S.‘ erklärtes Ziel, als Schriftstellerin über das geschriebene Wort etwas bewirken zu können. Im Jahr des Kleistpreises 1928 tritt sie der KPD bei, im Jahr darauf dem Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller. Ein halbes Jahrhundert später, 1978, richtet sie ihren Appell an die Geistesschaffenden: „Das Wort kann tief ins Leben eingreifen. Man kann damit Menschen verändern, sogar Völker und Zeiten. Das Wort wirkt, wenn es in aufgeschlossene Menschen fällt.“ Allerdings, so sagt sie, gehöre viel Geduld und Kraft dazu, die Menschen aufzuschließen. Mit welchen weniger bekannten Werken ist ihr das aus Ihrer Sicht besonders gelungen?
Eines der wesentlichsten Wirkungsmomente in der Prosa von Anna Seghers ist ihre Überzeugung, dass irgendwo ein Lichtpünktchen aufblitzen muss, und sei es durch einen schmalen Spalt in einer sonst ausweglos erscheinenden Mauer. Und genau das, so meint sie, könne sie mit dem Wort, mit der Sprache erreichen, die tief in die Menschen eindringt. Dafür brauche man durchaus kein revolutionäres Pathos. Etwa in ihren ‚Karibischen Geschichten‘ ist das deutlich spürbar („Die Hochzeit von Haiti“/1948, „Wiedereinführung der Sklaverei in Guadeloupe“/1949, „Das Licht auf dem Galgen“/1962).
In der „Selbstanzeige“ zur Macht der Worte (Reden, Schriften, Briefe, ausgewählt von Sina Witt) schreibt Anna Seghers 1931 über literarisch dargestellte Verzweifelte und untergehende Menschen, man müsse so schreiben, dass man hinter der Verzweiflung die Möglichkeit und hinter dem Untergang den Ausgang spürt. Hat sie sich selbst an diese Maxime gehalten?
Nehmen wir ihren vielleicht bekanntesten Roman „Das siebte Kreuz“: Angesichts der Brutalität und der Machtfülle des nationalsozialistischen Regimes scheint Widerstand zwecklos, viele haben resigniert und sich zurückgezogen. Angesichts eines entflohenen Häftlings werden sie mit der Frage konfrontiert, ob sie ihm helfen wollen oder nicht. Anna Seghers ist optimistisch. Sie glaubt an die „Kraft der Schwachen“ (so nennt sie eine Sammlung von Erzählungen), und der letzte Satz des Romans „Das siebte Kreuz“ lautet: „Wir fühlten alle, wie tief und furchtbar die äußeren Mächte in den Menschen hineingreifen können bis in sein Innerstes, aber wir fühlten auch, dass es im Innersten etwas gab, was unangreifbar war und unverletzbar.“
In ihrer Rede auf dem Internationalen Schriftstellertreffen 1965 spricht Seghers vom Netz von Längen- und Breitengraden, das unseren Erdball überzieht. Unerlässlich sei dieses für Schiffe und Flugzeuge. Unerlässlich für den Frieden sei das Netz zwischen Menschen guten Willens, schreibenden und lesenden. Welches Netz hat A.S. aufgebaut bzw. in welchem wirkte sie mit?
Als politisch denkender und handelnder Mensch war Anna Seghers natürlich bewusst, dass der oder die Einzelne wenig bewirken kann. Deshalb hat sie sich schon in den 1920er-Jahren neben ihrer literarischen Tätigkeit sowohl in der Kommunistischen Partei (KPD) als auch dem Bund Proletarisch-Revolutionärer Schriftsteller (BPRS) engagiert. Im Exil in Frankreich war sie Mit-Herausgeberin der Exil-Zeitschrift „Neue Deutsche Blätter“ und besuchte die Internationalen Schriftstellerkongresse in Paris (1935) und Madrid (1937). In Mexiko war sie vor allem im Heinrich-Heine-Klub aktiv, hier entfalteten deutsche Emigrantinnen und Emigranten ein reiches Kulturleben. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland (1947) spielte sie u.a. zusammen mit dem chilenischen Schriftsteller Pablo Neruda und dem spanischen Maler Pablo Picasso eine wichtige Rolle in der internationalen kommunistischen Friedensbewegung. Von 1952 bis 1978 war sie Vorsitzende des Schriftstellerverbandes in der DDR. Für Seghers spielte auch das weltweite Netz von Freundschaften eine wichtige Rolle, das von der Bundesrepublik (Lore Wolf) über die Sowjetunion (Ilja Ehrenburg) bis nach Brasilien (Zelia und Jorge Amado) reichte.
A.S. hat über 9000 Bücher in ihrer Wohnung, Volkswohlstraße 81 in Adlershof (jetzt Anna-Seghers-Straße), gesammelt, in der sie von 1955-1982/83 wohnte. Bei meinem Besuch in dieser Wohnung, dem heutigen Anna-Seghers-Museum, hat mir Museumsmitarbeiter Steffen Thiemann erzählt, als A.S. sich mit Hans Mayer zum Weltfriedenskongress 1947 traf, interessierten sie erstaunlicherweise eher Fragen wie „Was kostet das Brot?“ als literaturspezifische Themen. Eine typische Haltung für A.S.?
Die Frage „Was kostet das Brot?“ zielt auf den Kern der schriftstellerischen Grundhaltung von Anna Seghers. Sie wollte hier vor allem wissen, wie die alltäglichen Lebensbedingungen der Menschen im Nachkriegsdeutschland aussehen. Sie hatte, so hat es ihr Sohn Pierre einmal formuliert, die Fähigkeit, aus wenigen Anhaltspunkten eine literarische Situation entstehen zu lassen. Eine Geschichte kann erfunden sein, aber die Fakten müssen stimmen.
Viele Gelegenheiten, z.B. den Bücherbasar am Alex, nutzt sie, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, am liebsten inkognito. Nahbar zu sein, das war ihr offenbar ein wichtiges Anliegen.
Anna Seghers hat den Kontakt zu ihren Leserinnen und Lesern stets gesucht. Das galt nicht nur für die DDR, sondern auch für die Bundesrepublik, wo sie z.B. gerne die Möglichkeit wahrgenommen hat, in Frankfurt/M. (Club Voltaire) oder in Mainz (Volkshochschule) aus ihren Werken zu lesen. Zwar wurden ihr zuweilen die Ehrungen (z.B. als Namensgeberin für Schulen und Betriebe) zu viel, sie hat aber – in der Regel – die gestellten Anfragen beantwortet; es gibt einige Beispiele dafür, dass sie sogar unangemeldete Besucherinnen und Besucher in ihrer Wohnung in Berlin-Adlershof empfangen und bewirtet hat.
Steffen Thiemann hat bei meinem Aufenthalt im Anna-Seghers-Museum von A.S.‘ Talent als Erzählerin gesprochen. Sie hatte, wie er sagt, das Vermögen „unscheinbare Personen zum Leuchten zu bringen“. Welche Figuren in den Erzählungen fallen Ihnen da ein?
Nehmen wir das Beispiel des mexikanischen Töpfers Benito Guerrero aus der Erzählung „Das wirkliche Blau“ (1967). Während des Zweiten Weltkrieges kommt es zu Lieferschwierigkeiten, und er kann seine Waren nicht mehr in der gewohnten Farbigkeit verkaufen. Also macht er sich auf den Weg, um „sein“ Blau zu finden, denn nur bei diesem einzigartigen Farbton, so heißt es in der Geschichte, geht einem das Herz auf, und das spüren die Kunden, ohne zu wissen, was sie spüren. Wie dieser „unscheinbare“ Töpfer sein Blau schließlich findet, ist grandios erzählt, und am Ende kommt Benito zu einer wichtigen Erkenntnis: „Ich hab mein Blau gefunden. Und hol mir’s selbst, wenn ich’s brauche. Einmal für allemal.“
Die Künstlergeschichte „Das wirkliche Blau“ - wenn der Töpfer Benito ein Bewusstsein entwickelt, aus dem heraus er sich von anderen nichts mehr aufschwatzen lässt - bringt mich zu meiner nächsten Frage: Woran lässt sich erkennen, dass A.S. individuelle Figurenzeichnung, Fantasie und das subjektive Moment doktrinären Versuchen literarischer Einflussnahme vorzieht?
Die seit Mitte der 1930er-Jahre in kommunistischen Kreisen vorherrschende Literaturtheorie war die des Sozialistischen Realismus. Die Wirklichkeit sollte, u.a. mit Hilfe eines positiven Helden, realistisch dargestellt werden, avantgardistische und experimentelle Formen des Schreibens wurden abgelehnt. Diese Haltung teilte Anna Seghers nicht. Sie plädierte stattdessen für eine Vielfalt der literarischen Stilmittel und setzte sich auch in der DDR für das Werk von Kafka sowie von Künstlerinnen und Künstlern ein, die sich mit entsprechenden Vorwürfen konfrontiert sahen (z.B. Peter Hacks, Heiner Müller und Christa Wolf).
Anna Seghers lebte 14 Jahre im Exil. Wie tief ist sie in die Kunst und Kultur des jeweiligen Landes eingetaucht? Was hat sie aus der Fremde nach Deutschland und für ihre Texte mitgenommen?
Ihr erstes Exilland war Frankreich. Sprache und Kultur waren ihr hier weitgehend vertraut. Anders sah es in ihrem zweiten Exilland in Mexiko aus. Hier war Vieles neu für sie, doch die Wärme und Farbigkeit des Landes faszinierten sie. Im Nachhinein sagte sie: „Die Zeit, die ich in Mexiko verbrachte, gehört zu den schönsten und wichtigsten Abschnitten meines Lebens. Das Land, seine Menschen und Landschaften werden mir immer nahestehen.“ Im Exil in Frankreich und Mexiko hatte Seghers zudem eine literarisch äußerst produktive Zeit. Ihre wichtigsten Werke, „Das siebte Kreuz“, „Transit“ sowie „Der Ausflug der toten Mädchen“, sind hier entstanden. Die Seghers-Expertin Monika Melchert hat die Exiljahre in ihren Büchern „wilde und zarte Träume. Anna Seghers Jahre im Pariser Exil 1933–1940“ (2018) sowie „Im Schutz von Adler und Schlange. Anna Seghers im mexikanischen Exil“ (2020) detailliert nachgezeichnet.
Die Lektorin des Kiepenheuer-Verlages Sina Witt sagt 1978, die Erzählprosa von A.S. sei gekennzeichnet durch weitgehenden Verzicht auf Selbstaussagen, hervortretendes Erzähler-Ich und deutlich autobiographische Figuren. Könnten Sie kurz erläutern, welche Erkenntnisse zu Anna Seghers‘ Stil und Inhalten die neue Literaturwissenschaft hat?
Anna Seghers hat zu Lebzeiten bei biografischen Fragen immer auf ihr Werk verwiesen. Darin stünde alles, was ihr bedeutsam sei. Hervorgehoben wird – gerade in jüngster Zeit – die Modernität ihrer Prosa. Die Bücher von Anna Seghers sind nicht leicht zu lesen. Es bedarf einer gewissen Anstrengung, das oft umfangreiche Figurenensemble zu überschauen sowie dem literarischen Aufbau der Texte zu folgen. Sie arbeitet mit dem Prinzip der Montage, sie wechselt die Erzählperspektive, sie setzt häufig den inneren Monolog als Stilmittel ein und springt in der Zeit hin und her. In ihrer einzigen – eindeutigen – autobiografischen Erzählung „Der Ausflug der toten Mädchen“ (1946) lässt sich das beispielhaft zeigen. Es ist die eigene Todesnähe nach dem schweren Verkehrsunfall und dem wochenlangen Ringen um Genesung sowie die Erfahrung des Todes der Mutter in dem Lager Piaski nach Verlust der Menschenrechte und der Deportation. Das hat Anna Seghers nicht auf „fremde“ Figuren projizieren können und wollen. Die vielen Veranstaltungen zu ‚125 Jahre Anna Seghers‘ (sie wurde im Jahr 1900 geboren) haben unterstrichen, dass die von ihr behandelten Themen derzeit von großer Aktualität sind: Hass, Orientierungslosigkeit, Faschismus, Abbau demokratischer Strukturen, Krieg, Flucht und Migration, Armut sowie Kolonialismus.
Hat A.S. bei der Leserschaft mehr durch ihre Fragen in Bewegung gebracht, als dass sie Antworten geben wollte? Hat sie mehr Leerstellen gesetzt als deutliche Fingerzeige gegeben? Wie sieht es im Spätwerk aus?
In ihrem gesamten Werk wollte (und konnte) Anna Seghers keine „Antworten“ geben, zumindest keine einfachen und eindeutigen. In der Regel war ihre Figurenzeichnung differenziert und mehrdimensional. Sie war an den Menschen, ihren Haltungen und Beweggründen interessiert, und sie wollte deren Handlungen literarisch gestalten. Das gilt natürlich auch für das sog. „Spätwerk“, in dem sie sich neben den beiden großen Romanen „Die Entscheidung“ (1959) und „Das Vertrauen“ (1968) auch mit transatlantischen Fragestellungen beschäftigte, die im Kontext ihres Exils in Mexiko entstanden waren (z.B. Kolonialismus). Ihr letztes Werk „Drei Frauen aus Haiti“ (1980) ist in diesem Zusammenhang zu nennen.
Ist es berechtigt, ein Klagelied darüber anzustimmen, dass A.S. vielleicht zu lange auf ihr Romanschaffen und auf Texte, in denen ihr politisches Bewusstsein spürbar ist, festgelegt wurde?
Wahrscheinlich gibt es keinen Text, in dem ihr politisches Bewusstsein nicht spürbar und erkennbar ist. Insofern stimmt die These des Literaturwissenschaftlers Hans Mayer, dass man Anna Seghers nur „als Ganzes“ verstehen kann. Damit wendet er sich gegen die Ansicht verschiedener (westlicher) Literaturwissenschaftler, die in der Zeit des Kalten Krieges differenzieren wollten zwischen der (guten) Schriftstellerin und der (bösen) Kommunistin. Bei aller notwendigen differenzierten Betrachtung ihres Werkes ist der rote Faden ihrer gesellschaftspolitischen Grundeinstellung doch immer erkennbar.
Informationen über die Anna-Seghers-Gesellschaft wie Gründung, Vorstand, Arbeit und Ziele: