Prachtbauten wie Schlösser und Paläste, die repräsentativen Sitze von Würdenträgern, staatliche Museen und ihre Ausstellungen sind das eine. Was bergen oder offenbaren dagegen die Verliese? Seit den 1980er Jahren ist Carl-Peter Steinmann auf den Geschmack gekommen und hat seither nicht mehr davon abgelassen, andere in die Geheimnisse Berlins einzuweihen. Sein Zielpublikum sind vor allem Berliner, die durch seine Geschichten „ihre“ Stadt von einer verblüffend neuen Seite erfahren. Geschichtsbücher mit ihrer Aufführung von Faktenwissen und den abgesegneten Befunden sind ergänzungsbedürftig. Es gibt zahlreiche belegbare Vorkommnisse und vielschichtige Verflechtungen im urbanen Raum, von denen die Nachschlagewerke versäumen zu berichten, die aber für das tiefere Verständnis der zunehmend fragmentierten Stadtwirklichkeit aufschlussreich sind. Carl-Peter Steinmann hat über die Stadthistorie Berlins geforscht und es gelingt ihm, der sich in der Traditionslinie des flanierenden und notierenden Stadtbeobachters bewegt, sein fundiertes Wissen anekdotisch aufzubereiten – wohlwissend, dass es unzählige zersplitterte Wahrnehmungswelten gibt.
Steinmanns Geschichten – bestätigen sie den Nimbus von prominenten Persönlichkeiten, die zu Ruhm und Ehre gelangt sind, oder gibt es Fälle, wo sie am Glanz kratzen? Kann man zwischen dem Gemunkel und dem, was belegbar ist, immer klar trennen? Was ist Fama und was verbürgt? Was heizte die Bildung von Kiezmythen an? Was sind gesicherte Fakten, von denen aber kaum jemand weiß? Wir unterhalten uns über den Schriftsteller Karl May und den Fotografen Helmut Newton - beide treten zugleich in einem Buchtitel von Steinmann auf, auch wenn sie zeitlich weit auseinanderliegen. Was sie vereint, ist neben ihrem Status als Person des öffentlichen Interesses ihr nachweislicher Berlin-Bezug. Außerdem: Sagt Ihnen „Charlottengrad“ etwas, das „russische Berlin“ in der Kantstraße? Und natürlich brennen wir darauf zu erfahren, ob der Stadterzähler Kunde hat von gehüteten Geheimnissen in Treptow-Köpenick. Übrigens, ab 1985 hat der gebürtige Westfale, der in Berlin aufwuchs, die ersten Audio-Guides „Berlin im Ohr“ - Entdeckungsspaziergänge mit Walkman – entwickelt und damit selbst Geschichte geschrieben.
Interview: Martina Pfeiffer
