Dass sein Frauenbild irgendwo zwischen der modernen Frau mit eigener künstlerischen Expertise und der berüchtigten femme fatale anzusiedeln ist, dahin zeigen einige Kunstwerke von Max Beckmann. Ist dieses Bild immer konstant geblieben oder war es Wandlungen unterworfen? Was sagt „Trio mit Tiger“ darüber aus?
Die Protagonisten des Debütromans von Marianne Ludes haben Wurzeln in der wirklichen Welt. Max und Mathilde („Quappi“) Beckmann wählten seit der Propagandaausstellung „Entartete Kunst“ 1937 in München das Exil in Amsterdam. Aber auch hier können sie sich nicht sicher fühlen. Die Nationalsozialisten marschieren 1940 ein, das alltägliche Leben und das Arbeiten als Künstlerpaar - riskant. Doch da gibt es einen Dritten im Bunde, Erhard Göpel, der an den Geschicken des Paares teilhat…
Wenig bekannt war bislang die Person der Mathilde Beckmann. Marianne Ludes macht sie in „Trio mit Tiger“ zu ihrer Ich-Erzählerin. Die Autorin arbeitete sich in die unveröffentlichten Tagebücher von „Quappi“ Beckmann ein. Nimmt man diesen Roman zur Hand, dann stellen sich Fragen: Drehte sich in dieser Beziehung alles um seine Kunst? Hat Beckmann seine Frau als gleichberechtigte Partnerin angesehen und behandelt? Wieviel Anteil hatte sie an seinem Erfolg? Gab es Reibungsflächen in der Ehe? Was schweißte die beiden zusammen? Und warum der „Tiger“ im Titel?
In den von der Autorin eingelesenen Textstellen wird ein Leben ausgebreitet, das natürlich nicht nur mit den angesprochenen Fragestellungen zu tun hat. Es handelt sich bei „Trio mit Tiger“ um einen 444-seitigen Roman und jede Person, die sich für Zeitgeschichte und Kunst in Korrelation mit Literatur interessiert ist eingeladen, sich in das Buch als Ganzes zu vertiefen.
Im Roman aufgegriffene faktische Ereignisse im Leben dieses Künstlerpaares und Ludes‘ Freude an der literarischen Ausgestaltung haben sich in dem hier vorgestellten Werk aufs Glücklichste vereint. M. Pfeiffer
Trio mit Tiger, München: C. Bertelsmann, 2025
Autorin und Sprecherin: Marianne Ludes
