Von den Rändern her: Inoues Blick auf den Menschen am Saum der Gesellschaft

„Buchbetrachtung kurz gefasst“ von Martina Pfeiffer

„Von jenem Menschen namens Hara Hōsen , der ein düsteres, unglückliches Leben als Fälscher von Keigakus Werken fristet, hatte ich schon einiges gehört, doch als mir bewußt wurde, dass es sich bei dieser Person, die ich schon fast wieder vergessen hatte, um Shinozaki, den so gut wie einzigen Freund von Keigaku handelte, packte mich eine unbeschreiblich seltsame Rührung […] Noch im Stehen schauten wir, dergleichen scherzend, das Bild in der Ziernische an. Wir hatten ja in der Tat viele Pseudo-Keigakus von Hōsen zu Gesicht bekommen, doch nun sahen wir zum ersten Mal ein Werk von Hōsen, das er mit seinem eigenen Namen signiert hatte. „Nicht einmal schlecht“, bemerkte Takuhiko mit einem Anflug von Überraschung auf den Zügen. „Das würde glattweg für den Bunten-Salon angenommen“ […] “Wie war’s? War’s schön?“ Hōsen hatte keine Zeit, das Feuerwerk, das er eigenhändig abbrannte, anzuschauen. Als Tatsu ihm antwortete, es sei wunderbar, setzte er sich immer noch gebeugt auf den Boden […] er atmete schwer, und wortlos blieb er mit gesenktem Kopf dort sitzen […] Ich dachte daran, dass ich im Herbst nach Kyoto fahren und Onuki Takuhiko beim Sake über die ihm unbekannte Seite von Hōsen erzählen wollte, doch lange noch verweilte ich in meinen kaltschimmernden Gedanken.“

Im frühem Prosawerk „Der Fälscher“ des japanischen Autors Inoue Yasushi (1907-1991) beansprucht die Thematik der existentiellen Randständigkeit das narrative Interesse. Ohne Larmoyanz erzählt Inoue auch in den drei weiteren im gleichnamigen Band versammelten Geschichten („Schilf“, „Der Vulkan“, „Die Singdrossel“) von Sonderlingen und Grenzgängern.

Der Autor, der sein Universitätsstudium mit einer Arbeit über Paul Valérys „Poésie pure“ abschloss, vermag äußerst genau zu beobachten und lässt zugleich Unbestimmtheitsspielräume offen, ohne sich allerdings in sterile Hermetik zu verlieren. Das Ergebnis ist eine wohlziselierte, gelenkige Prosa, in deren symbolischer Aussagekraft sich präzise Beschreibung und vage Bedeutung berühren. Dies gilt im Besonderen für die in der Konstruktion wohl anspruchsvollste, die titelgebende Erzählung, die sich als Künstlernovelle unter umgekehrten Vorzeichen lesen lässt. 

Rezensentin und Sprecherin: Martina Pfeiffer

Inoue Yasushi, Der Fälscher: Erzählungen. Insel-Verlag: Frankfurt am Main und Leipzig, 1999. 161 Seiten. Ausgewählt und aus dem Japanischen übertragen von Irmela Hijiya-Kirschnereit.