Freundschaftslob inmitten Kriegsgemetzels

Die Dichterin Sibylla Schwarz wird 405

Der Krieg hat ihr kurzes Leben überschattet. Ihr Geburtsjahr 1621 fällt in den Anfang des Dreißigjährigen Krieges. Sibylla Schwarz ist in eine Patrizierfamilie hineingeboren, ihr Vater Bürgermeister ihrer Geburtsstadt Greifswald (Pommern). Als die Mutter an der Pest stirbt - Sibylla ist neun Jahre alt -  werden alle Hände im Haus gebraucht. Dichten kann Sibylla lediglich in der knappen freien Zeit, die ihr die Hausarbeit lässt. Nur wenige junge Frauen aus gelehrten Familien wurden damals neben religiöser Unterweisung im Elternhaus auch an weltliche Literatur herangeführt. Sibylla Schwarz gehört dazu. 13 Jahre alt, geht sie mit ihren Gedichten an die Öffentlichkeit. Schwarz, auch als „Pommersche Sappho“ bekannt, dichtet frei nach Ovids „Metamorphosen“ und verfasst geistsprühende Sonette. Nicht nur, dass sie auf die Literaturtradition rekurriert, sie nimmt sich in manchen ihrer Verse durchaus die Lizenz, diese zu überschreiten. Sibylla formuliert sehr persönliche Gedanken, schafft Wendungen und kühne Sprachbilder, hellwach und eindringlich. Mit auffallend fortschrittlicher Geisteshaltung kreist ihr Dichten thematisch auch um Adelsprivilegien und tradierte Geschlechterrollen. Beides ficht sie mutig und sprachgewandt an. Teils setzt sie sich über ihre Zeit hinweg, teils zeigt sich freilich auch, wie sehr sie in ihrer Zeit verwurzelt ist. Im ausgewählten Gedicht spricht die Barockkünstlerin ihr tief empfundenes Lob auf die Freundschaft aus. In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges mit der Erfahrung unfassbarer Gewalt und Grausamkeit spürt man, wieviel ihr an diesem hohen Wert menschlichen Zusammenhalts gelegen ist. Sibylla Schwarz verstarb an der Ruhr. Sie wurde nur 17 Jahre alt. Am 14. Februar vor 405 Jahren wurde sie geboren. M.Pfeiffer

Sibylla Schwarz: „Ein Freund ist das Beste, das man liebet“ (Gedicht)
Sprecherin: Katharina Schultens
Aufnahme: Haus für Poesie; Musikmontage: Kulturring in Berlin