Der Tonkunst ein Ewiger – Johann Sebastian Bach

Jens Johlers Bach-Roman „Die Stimmung der Welt“ (Lesung)

Er sprach von seiner Kunst wie von einem mit großem Fleiß eingeübten Handwerk. Mit diesem „Handwerk“ stößt er in die Bezirke des ewig Rätselhaften und Unbegreiflichen vor. Johann Sebastian Bachs Musik zu hören ist, wie in einen magischen Spiegel zu blicken, der kein Spiegelbild zeigt, sondern fortwährend neue Geheimnisse formuliert. Nirgendwo in seinem beträchtlichenteils von Polyphonie geprägten Werk ist ein musikalischer Doktrinär zu erkennen, überall der Musiker aus Leidenschaft.  Bei Bach sind Diesseits und Jenseits nichts Unversöhnliches. Vielmehr vollzieht sich beider Vermählung.  Was zum tönenden Leben erweckt wird, reicht vom Sakralen und Feierlichen bis zum Beschwingten,  vom Kraftvollen bis zum Hauchzarten.In seinen Kompositionen spürbar ist die ganz persönliche Architektonik. Unverkennbar Bach: ein beglückendes musikalisches System, das die uns geläufigen Ordnungen überschreitet. Indem es innerste seelische Schichten antastet, wie dies nur ein tiefes Ethos und höhere Offenbarungen vermögen, vielleicht am besten mit „beseligend“ zu erfassen.M.Pfeiffer

Jens Johler hat einen Roman über diesen Giganten der Tonkunst geschrieben. Erreicht hat der voluminöse Band mittlerweile  die achte Auflage. Der Autor nimmt das Zeitgebundene ebenso wie das Zeitlose an dem großen Komponisten aus Eisenach in den Blick; Innen- und Umwelt, Erlerntes und Erlebtes des Musikgenies in einer Zeit großer gesellschaftlicher, wissenschaftlicher und künstlerischer Umbrüche. Eine revolutionäre Neuerung in der Musik stellt die wohltemperierte Stimmung dar. Johler beschränkt sich in seinem Buchtitel aber nicht nur auf die Musik, sondern spielt - den Doppelsinn mitmeinend - auch auf das im Roman gezeichnete Stimmungsbild der damaligen Welt an. Einer bis zum Zerreißen angespannten Zeit, in der Johann Sebastian Bach lebte (1685-1750) „zwischen Aberglauben und beginnender Aufklärung, zwischen Hexenverbrennungen, Newtons Gravitationstheorie, der Leibniz’schen Rechenmaschine, absolutistischen Herrschern und dem Aufkommen einer neuen bürgerlichen Öffentlichkeit in Kaffeehaus und Oper.“ (Begleittext zum Buch)

Die Stimmung der Welt, Berlin: Alexander Verlag 2013, Achte Auflage 2025 (Auszüge)

Autor und Sprecher: Jens Johler

Technische Bearbeitung: Wolfgang Sack