Zum Welttag des Positiven Denkens: Kafka? Kafka!

"Kafka und die Puppe": Eine Anekdote

Franz Kafka – man verbindet ihn für gewöhnlich mit Parabeln über die existentielle Ausweglosigkeit. In ihrer Lakonik lassen diese nicht selten erschauern. Eine Auflehnung gegen uns aufgezwungene sinnentleerte Prozesse scheint für Kafka keine echte Option. Sie  führt zu Nichts. Was bei Kafka geschieht, fügt sich nicht in geläufige Plotstrukturen ein. Eine Konstante bei ihm: die Ungewissheit der Gewissheit. Man sollte meinen, dass Kafkas Texte zum Verstummen neigen. Das tun sie, aber nur bei oberflächlichem Lesen. Denn Kafka besitzt die Fähigkeit, Dinge –  aller Äußerlichkeiten entledigt – so zu sehen, als sähe er sie zum ersten Mal. Entgegen so mancher Behauptungen, die den Schriftsteller gerne auf eine in sich gekehrte, trüb-sinnige Persönlichkeit festlegen, stellt die Anekdote "Kafka und die Puppe" diesen Menschen in einer anderen Haltung vor: zugewandt, zärtlich und mitleidsvoll. Worte des Trostes findend im Gespräch mit einem Mädchen, das seine Puppe verloren hat und deswegen sehr traurig ist. Kafka lernte das Kind auf den gemeinsamen Spaziergängen mit Dora Diamant im Steglitzer Park kennen. Die Bekanntschaft mit der Schauspielerin machte Kafka 1923 im Ostseebad Müritz.  Dora ist damals 25, Kafka gerade vierzig geworden. Sie ist seine letzte Lebensgefährtin und die einzige seiner weiblichen Bekanntschaften, mit der er, 1923/24 in Berlin, zusammenzieht. Die Anekdote ist Dora Diamant zugeschrieben. 

Sprecherin: Gundula Schikora