Nicht nur Romantik im Sinn

Zum Welttag des Briefeschreibens: Bettine und Achim von Arnim

Ungeachtet der Gegensätzlichkeit ihres Naturells heiraten die Frankfurter Kaufmannstochter Bettine Brentano und der preußische adlige Schriftsteller Achim  von Arnim fast 10 Jahre nach ihrer ersten Begegnung. Hochzeitstag ist der 11. März 1811. Arnim galt einerseits als versponnener Grübler, andererseits machte sich sein preußischer Pflicht- und Ordnungssinn bemerkbar. Bettine beklagt sich über seine Ungeselligkeit und die Tendenz zur Stadtflucht. Er wiederum rügt Bettine, es mangele ihr an Vorsicht und an Taktgefühl. Dennoch streben beide nach Einheit, die Ehe währt 20 Jahre bis zu Arnims Tod. Auf die Jugendbriefe 1806–11 folgt der Ehebriefwechsel 1811-31. Bettine ist wissbegierig, erwirbt sich Kenntnisse in Literatur, Bildender Kunst, Musik, Philosophie sowie in Medizin und Pädagogik. In ihrem Brief vom Dezember 1809 gibt sie der romantischen Sehnsucht nach Seelenverwandtschaft und Verbundenheit in Liebe eine sehr persönliche Stimme. Doch im späteren Ehebriefwechsel erkennt man, wie zermürbend sich die häusliche Wirtschaftsführung auswirkt: Es geht nunmehr fast ausschließlich um die Krankheiten und die Erziehung der Kinder, ums Weben und Einkochen, um Haushaltsausgaben und Dienstbotenstreit. Und trotz alledem schimmert auch in diesen Briefen die emotionale Verbindung der beiden Ehegefährten hindurch. 1835 sorgt Bettine in der literarischen Welt mit ihrem sprachgewaltigen Briefroman "Goethes Briefwechsel mit einem Kinde" für Aufsehen. Den Vormärz prägt sie entschieden mit. Sie hat die gesellschaftlich Missliebigen im Auge. Ab Mitte der 40er Jahre entsteht bei Bettine zuhause eine regelrechte Dokumentationsstelle  über den Pauperismus in Preußen. Den Preußischen König Friedrich Wilhelm IV, der sich als christlicher Herrscher verstand, geht sie in einem ihrer Briefe hart an: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Wer ist des Königs Nächster? – Sein hungriges Volk". Sie schreibt nicht selten auch undercover. Die Niederschrift ihrer Gedanken ist ihr eine Notwendigkeit. "Sie hatte immer zu schreiben […] Jeder Buchstabe ihrer Handschrift war deutlich, ausgeschrieben und energisch. Sie schrieb unaufhörlich wieder ab, was ihr nicht gefiel, bis es die Leichtigkeit des Styles empfing […]  (Herman Grimm über Bettine, 1880).

Briefwechsel Bettine und Achim von Arnim:
Bettine, Mitte Dezember 1809 - Bettine, Herbst 1815 - Achim, Herbst 1815
Sprecher/in: Gudrun Thiem und Ernst Belschner
TaFF-Theater im Labsaal Lübars, Partner des Kulturring im BFD