Ingeniöser Verbal Artist, Ausloter von Seelenschlünden, verzückter Sänger, Narreteifürsprecher, Auskundschafter irriger Wege von Gewaltherrschern und Machtaspiranten, gleichzeitig Einblickgeber in Intrigen und Raffinements aller Art, stets auf Tuchfühlung mit den höchsten wie den niedrigsten Beweggründen menschlichen Tuns und Lassens. Was ist William Shakespeare eigentlich nicht? Einem unerschöpflichen Sinnüberschuss in den Tragödien, Komödien, Romanzen und der Lyrik Shakespeares verdankt es sich, dass sie nach über 400 Jahren das Publikum von heute im Innersten berühren. Shakespeare ist der ewige Zeitgenosse, sein Werk hat Geltung "for all time!", wie schon Ben Jonson rühmte. Shakespeares Welt erscheint uns eigentümlich bekannt. Denn ausgemachte Schurken, Einfaltspinsel, die wir belächeln, hohle Geschwätzigkeit, verblendeter Despotismus, Tand und Trug wie auch nichtssagende Tändeleien im Gegensatz zu wahrer Liebesverbundenheit, dabei immer wieder auch komödiantischer Übermut, finden sich nicht bloß an der Schwelle zur frühen Neuzeit und bei den Elisabethanern. Sich künstlerische Freiheiten gegenüber dem Geschmacksreglement der gesellschaftlich Ranghohen zu nehmen, macht den Volksdichter und Humanisten Shakespeare aus. Das flirrende Spiel mit Identitäten, die Fahndung nach Ähnlichem im scheinbar Anderen trifft die menschliche Existenz in ihrem unwandelbaren Kern ebenso wie in ihren Maskeraden. Shakespeares dichterische Kleinode, auch sie sind vergänglichkeitsresistent und bedeutungsschwingend. Das wirre Weltgeräusch verwandeln sie in betörende Sinnstrukturen und wohltönende Klangmuster. Die Huldigung des/r Geliebten, dem/r durch das Schlusscouplet des Sonetts "Shall I Compare Thee To A Summers Day?" Ewigkeit verliehen wird, kann zugleich als Preislied auf die Überzeitlichkeit von (Shakespearischer) Kunst gelesen werden: "So long as men can breathe or eyes can see/So long lives this and this gives life to thee."
M. Pfeiffer
William Shakespeare, Sonnet 18: "Shall I Compare Thee To A Summer's Day?"
Englisches Original, Sprecherin: Redell Olsen
Deutsche Übersetzung von Dorothea Tieck, Sprecherin: Katharina Schultens, Haus für Poesie
Deutsche Übersetzung von Stefan George, Sprecher: Matthias Kniep, Haus für Poesie
Technische Realisation: Kevin Nagel, Haus für Poesie
Musikmontage: Kulturring in Berlin
Konzept, Gedicht- und Musikauswahl, Skript, Podcastbegleittext und Koordinierung: Martina Pfeiffer, Kulturring in Berlin.
Dieser Podcast ist ein Gemeinschaftsprojekt beider Einrichtungen
