Vor einhundert Jahren sah die Gegend, in der heute das Studio Bildende Kunst seine Räume hat, vollkommen anders aus. Südlich der heutigen Frankfurter Allee erstreckte sich seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ein kleinteiliges Gemisch aus Industrie, Gewerbe, Arbeiterwohnungen und Kleingärten. Schmale Straßen durchzogen das Viertel, in dem der Ortsteil Friedrichsberg langsam zu einem Teil des wachsenden Berlins wurde.
Von dieser Stadtlandschaft ist kaum etwas geblieben. Straßen verschwanden, Häuser wurden abgerissen, ganze Wohngebiete veränderten ihr Gesicht. Wo einst Fabriken und viergeschossige proletarische Wohnhäuser standen, prägen heute Plattenbauten das Bild an der Grenze zwischen Lichtenberg und Friedrichshain. Zwei ältere Gebäude haben sich in dieser Umgebung behauptet: die katholische Pfarrkirche St. Mauritius und die Villa Skupin. Gerade deshalb lohnt sich der Blick auf dieses Haus. Denn die Villa ist nicht nur hundert Jahre alt. Sie ist auch ein Stück Erinnerung an einen Stadtteil, der in dieser Form nicht mehr existiert.
Vom Fabrikantenwohnsitz zum Denkmal
Etwa 1924 erwarb der Fleischermeister Paul Skupin das Grundstück an der damaligen Tasdorfer Straße 9 und ließ dort eine Fleischwaren- und Konservenfabrik errichten. Wenige Jahre später entstand daneben das repräsentative Wohnhaus der Familie: die Villa Skupin, erbaut zwischen 1926 und 1928. Die Entwürfe stammten von dem Architekten Franz Alcer. Das Haus wurde im modernistischen Stil des Art Déco gestaltet, zugleich finden sich expressionistische Anklänge in der Architektur und eine aufwendige Ausstattung der Innenräume. Hölzerne Fußböden und Wandtäfelungen, feine Stuckdekorationen und individuell gestaltete Räume wie Salon, Speisezimmer und Damenzimmer geben bis heute einen Eindruck davon, wie sehr sich die Architektur der zwanziger Jahre auch über die Gestaltung des privaten Lebens definierte. Alte Fotografien aus der Entstehungszeit lassen diese Welt noch einmal sichtbar werden. Vieles von der ursprünglichen Ausstattung ist erhalten geblieben. Was damals als Wohnhaus einer wohlhabenden Fabrikantenfamilie entstand, dient heute allerdings ganz anderen Zwecken: Die ehemaligen Wohnräume beherbergen eine Galerie und Werkstätten. Seit 1998 steht die Villa unter Denkmalschutz.




