Erika Krausnick ist der glücklichste Mensch, wenn sie auf ihr Leben zurückblickt. Ein freudiges Lachen prägt ihr Gesicht, als sie das erzählt. Und sie denkt dabei auch an die Zeit beim Kulturring, die 2001 in einer ABM in der Begegnungsstätte Hönower 30 in Karlshorst begann. Im Ruhestand hat sie sich als Kulturring-Mitglied den Vereinszielen dann mit vollem Einsatz verschrieben. Der gelernten Grafikdesignerin geht es nicht nur um das Künstlerische, ihr geht es um die soziale Gemeinschaft, den sozialen Zusammenhalt. „Seitdem der Kulturring 2004 die Arbeit im Studio Bildende Kunst in Lichtenberg begann, kommen wir als Gruppe hier zusammen“, sagt sie stolz. Das Geheimnis des Erfolgs scheint mir auch in ihrer Bescheidenheit zu liegen. O-Ton Erika Krausnick: „Was wir hier machen ist Hobbymalerei, das kann man nicht als Kunst bewerten.“ Da halte ich dagegen, und sie widerlegt sich ein paar Worte später selbst, als sie sagt: „Die Kreativität ist eingebracht in dieses Umfeld. Nicht eine Idee ist dabei von mir“. Anregungen ziehen die Teilnehmer aus Diskussionen, aus Begegnungen, aus Besuchen. Ich schaue den sieben Künstlern über die Schulter und sehe ganz Unterschiedliches, kein gemeinsames, einheitliches Motiv oder Thema. „Ich gebe Anleitungen, wenn nötig, zu Grundtechniken, zu Aquarell- und Ölmalerei, zur Farbmischung oder Bildgestaltung“, erklärt mir Erika Krausnick. Gern sind sie auch gemeinsam in der Natur. Ein Bild erinnert an eine Malreise nach Hiddensee. Auch die Gedanken von einer Exkursion zum jüdischen Friedhof in Weißensee sind noch frisch. Bei einer speziellen Führung zu den Gräbern jüdischer Künstler näherten sie sich deren Leben und Wirken. Warum malen sie alle, will ich wissen, was ist ihre Motivation. Mandy Moll gehört zu den Jüngeren in der Runde. Der Bundesfreiwilligendienst brachte sie ins Studio. Sie schaffte danach gleich zwei Ziele: den Wiedereinstieg in ihren Beruf als Lehrerin und das Malen in der Gruppe.
Eine Malgruppe und ihre tausend Bilder
Ingo KnechtelSie sagt mir, mit ihren Bildern gestalte sie ihre Wohnung. Einhellig erzählen alle, sie malen nicht nur für sich, sondern auch für die Familie, für Freunde. Klaus Gruner berichtet, dass einige seiner Werke zur Kunstmeile Weitlingkiez ein breiteres Publikum fanden. Und da ist dann noch Gretchen Dutschke-Klotz. Seit drei Jahren ist die Theologin und Witwe von Rudi Dutschke dabei. Über die Webseite des Kulturrings stieß sie auf die Gruppe. Ihre Erzählungen begeistern die Teilnehmer, ihre Bilder sind in ihrer Eigentums-Wohnanlage in Friedrichshain zu sehen. Erika Krausnick ist sehr glücklich in der Runde, aber macht sich auch Sorgen. Defekte Beleuchtung und auch die Aufteilung der Räume belasten die Gemüter. Einige haben gerade das Gefühl, dass der Gemeinsinn im Hause neu gestärkt werden kann. Am 4. Juli gibt es ein großes ZusammenFest im Studio. Eine gute Gelegenheit dazu, meine ich. „Die Gruppe wünscht sich mehr Akzeptanz“, sagt Krausnick, und ich füge hinzu „und verdient unser aller Wertschätzung“. Ganz nebenbei ist die Rede von über tausend Bildern, die hier entstanden sind. Abschließend will Erika Krausnick noch etwas sagen: „Es ist ein Privileg, im Studio zu malen. Die Sängerin von Silbermond drückt mein Gefühl in einem Lied gut aus: ‚Gib mir 'n kleines bisschen Sicherheit, in einer Welt, in der nichts sicher scheint. Gib mir in dieser schnellen Zeit, irgendwas das bleibt‘.“

