Ein Wintertag mit Eisregen in Berlin. Ein freundlicher Mitarbeiter begrüßt mich vor der Tür, ich möge vorsichtig sein, es ist glatt. Die Leiterin des Medienpoints Astrid Lehmann wartet schon auf mich. Seit 2007 betreut sie die Einrichtung in der Senefelderstraße 13 in Prenzlauer Berg. Ich spüre sofort eine herzliche Atmosphäre. Unter den acht Kolleginnen und Kollegen sind rein ehrenamtlich Tätige und es gibt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bundesfreiwilligendienst und in Arbeitsförderprojekten. Ich möchte mehr über ihre Arbeit erfahren. Neben Astrid Lehmann finden sich Sven Kruschke, Thomas Metschulat und Anita Lilge zum Gespräch zusammen.
Bitte erzählt unseren Lesern etwas über Euch und wie Ihr zum Kulturring gekommen seid.
Sven: Seit Juni 2012 bin ich dabei, das Projekt nannte sich Kulturnetzwerk. Es folgten einige weitere Projekte, auch 18 Monate im Bundesfreiwilligendienst und rein ehrenamtliche Zeit. Von Beruf bin ich Fachinformatiker, konnte aber aus gesundheitlichen Gründen diesen Stressjob nicht mehr ausüben. Da sich das Kulturring-Projekt damals mit den Stolpersteinen im Bezirk befasste, weckte dies mein Interesse, denn ich wollte schon etwas Sinnvolles machen. Auch familiäre Gründe spielten eine Rolle: Ich komme aus einem kommunistisch geprägten Haus. Mein Großvater war ein Gründungsmitglied der KPD. Anverwandte sind im KZ geblieben. So hat sich das historische Interesse ergeben. Und dann bin ich einfach dabei geblieben. Der Kulturring brauchte meine Hilfe, auf meine gesundheitlichen Einschränkungen wurde und wird hier große Rücksicht genommen.
Thomas: Im Mai 2019 bekam ich eine Stelle im Rahmen der Förderung „Teilhabe am Arbeitsmarkt“. Im Jobcenter hatte ich gesagt: „Ich will nicht zu Hause sitzen, ich will was machen.“ Gelesen hab ich schon immer gern und viel, also lag die Arbeit im Medienpoint nahe. Gelernt habe ich Straßenbauer, Tiefbauer. Dieser Bereich schlitterte in die Krise, für mich bedeutete es das Aus. Ich absolvierte eine Umschulung zum Fachinformatiker. Mit einem Kollegen habe ich im Anschluss an einer Grundschule ein komplett neues Bibliothekssystem aufgebaut. Wir haben einen Server aufgesetzt, Cover eingescannt, Texte erfasst, die Seiten gestaltet, alles ehrenamtlich. Eltern spendeten Bücher, die Schüler haben sie einsortiert und die Bibliothek weiter in Ordnung gehalten.
Und wie Ihr seht, bin ich der Arbeit mit Büchern und Bücherspenden treu geblieben.
Anita: Im August 2019 bekam ich im gleichen Förderprogramm wie Thomas eine Stelle. Im Projekt „Frauen in Handwerk und Technik“ haben wir eine Webseite gestaltet, mit deren Hilfe Frauen Ausbildungsplätze für handwerkliche und technische Berufe finden können. Von Beruf bin ich Bauzeichnerin, arbeitete bei einer Tochterfirma der Deutschen Bahn für das Projekt Transrapid. Das Berufsbild veränderte sich aber über die Jahre total, sodass ich nach einer Weiterbildung verschiedene Bürojobs ausübte. Als ich zum Kulturring kam, wusste ich nicht, was mich erwartet. Ich hatte große Zweifel, aber Frau Lehmann machte mir Mut. Und das war gut so. Jetzt will ich auch weiter dabei bleiben.


