Kulturklimawandel

Armin Hottmann

Hier geht es nicht um Kohlen­dioxid, sondern um den Klimawandel in der Kultur­förderung seit der Zeit des Corona-Lockdowns. Es geht darum, wie sich die Parameter in der Kultur­förderung verschieben und unter welchen Voraussetzungen Mittel vergeben werden. Welche Rolle hat öffentliche Förderung in einer Zeit der Rezession und der knapper werdenden Mittel? 

Der Etat der Kulturverwaltung des Senats von Berlin beträgt für 2026 rund 981 Millionen Euro. Aus diesem Topf werden nicht nur die großen Häuser, wie Opern und Theater, gefördert, sondern auch kleinere Einrichtungen in den Bezirken. Sie haben eine wichtige gesellschaftliche Funktion als Kultur-, Lern- und Begegnungsstätten. 

Der Kulturring, der aktuell vierzehn Einrichtungen in neun ­Bezirken betreibt, ist seit seiner Gründung im Jahr 1994 auf öffent­liche Förderung angewiesen. Die Kulturförderung ist für uns vor allem in den Ostbezirken Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg und Treptow-Köpenick von großer Bedeutung. Hier betreiben wir sechs gut besuchte Orte, oft mit kostenfreiem Zugang zur Kunst und mit Angeboten für Kreatives und kulturelle Unterhaltung der Teilnehmer und Besucher. Auch Bildung kommt nicht zu kurz, wie man an den vielen Workshops zu Druck-, Video-, Fototechnik und anderen Themen sieht. 

Sorge macht uns der Wandel der Kulturpolitik im Bezirk Lichtenberg. Seit über zwanzig Jahren arbeiten wir gemeinsam mit dem Fachbereich Kunst und Kultur des Bezirksamtes erfolgreich zusammen. Zum Beispiel für Kunstprojekte im Studio Bildende Kunst, dem Freien Kunstraum GISELA (ehemals Galerie Ost-Art) und natürlich der Langen Nacht der Bilder, die jährlich im September stattfindet. Laut Bezirksamt ist es für Projektträger, die in den vergangenen Jahren Zuwendungen erhielten unwahrscheinlich, 2026 zum Kreis der Geförderten zu gehören. ­Bisherige Nachfragen zur neuen Ausrichtung der Förderpolitik liefen bisher ins Leere. Wird es kälter? 

Wir freuen uns über den Aufbruch im Studio Bildende Kunst. Lesen Sie den Bericht über Anna Jetter und Aphroditi Tsakiridou auf Seite 10. Ebenso freuen wir uns, dass das landeseigene Berliner Immobilienmanagement den Wunsch hat, dass wir als Kulturring das Studio in der Villa Skupin weiterhin betreiben, und zusagte, die dringend nötige neue Heizung im Frühling zu installieren. Um das Haus, seine Veranstaltungen und Angebote halten zu können, ist öffentliche Förderung weiterhin notwendig. Wenn es kalt wird, muss man heizen. Und wenn sich das kulturelle Klima wandelt, dann muss man sprechen, zusammenhalten und die Inseln von Begegnung, Workshops, Musik, Fotografie, Literatur und Kunst stärken und fördern. Der Kulturring steht bereit, bei uns ist es warm.