Als Bassist von Interzone hat Ralf Schmidt die großen Bühnen kennengelernt, doch seine neue Reihe „Horcht doch mal rein“, initiiert im Rahmen des Kulturring, setzt ganz bewusst auf das Gegenteil: Nähe statt Distanz, Wohnzimmer statt Konzertsaal. Die Idee dazu war denkbar unspektakulär und entstand, wie Schmidt erzählt, beinahe zufällig. Armin vom Kulturring habe ihn gefragt, ob er nicht etwas „Kleineres, Feineres“ kuratieren wolle, Abende, die ohne großen technischen Aufwand auskommen und dem Publikum unmittelbare Begegnungen mit den Auftretenden ermöglichen.
Was zunächst wie ein Nebenprojekt beginnt, nimmt schnell Fahrt auf. Schmidt schlägt Duo- und Soloabende vor, akustisch, intim, charakterstark, und trifft mit dem Konzept offenbar einen Nerv. Die Termine für das kommende Jahr waren „ratzfatz voll“, wie er es beschreibt. Die Musikerinnen und Musiker seien begeistert, „schon scharf drauf, zu spielen“. Ein Format entsteht, das aus der Szene erwächst und zu ihr zurückwirkt.
Dass Schmidt so viele Künstlerinnen und Künstler kennt, liegt an der Biografie eines Mannes, der nie stehengeblieben ist. Theatermusik in der Tribüne, Tourneen mit deutschen und internationalen Bands, Jahre in England und Australien, ein Erich-Mühsam-Projekt und Filmaufnahmen mit Jim Rakete. Das musikalische Leben des Berliners ist eher ein Geflecht als eine Linie.
Sein Netzwerk entsteht aus diesen Jahrzehnten kontinuierlicher Arbeit. Kontakte, erzählt er, entstehen oft durch Zufälle: vorbeigehen, jemanden treffen, wieder ins Gespräch kommen. Der Kulturring bietet ihm nun mit dem Kulturhaus Baumschulenweg und der Kulturküche Bohnsdorf eine Heimat, ohne ihn in enge Strukturen zu zwängen. „Das ist pflegeleicht“, sagt Schmidt lachend, und meint damit vor allem eines: Es geht um Musik, nicht um Bürokratie.
Apokalyptusbonbon im intimen Raum
Für die Premiere Anfang November wählte Schmidt den Leipziger Liedermacher Ralph Schüller, begleitet von Frank Oberhof & Die Liedertour. Die Formation spielt komplett unverstärkt, eine Entscheidung, die den Charakter der Reihe prägt. Schmidt selbst begleitet, ursprünglich „nur für ein paar Lieder“, doch am Ende sitzt er fast den ganzen Abend mit auf der Bühne. Schüllers Lied „Apokalyptusbonbon“, zugleich Titel seines aktuellen Albums, steht exemplarisch für das, was Schmidt an seiner Auswahl wichtig ist: poetisch, melancholisch, kritisch, aber nie düster um der Düsterkeit willen. „Politik ist immer mit drin“, sagt Schmidt, „aber nicht platt, sondern nachdenklich.“ Und damit trifft das Format auch ein Publikum, das sich nach leisen, ehrlichen Tönen sehnt.

