Dazu gefällt mir am besten die Aussage von Duchamp: Kunst ist, was der Künstler dazu erklärt. Logischerweise folgt die Frage nach der Künstlerin/dem Künstler. Auch hier gilt: Künstler ist, wer sich dazu erklärt. Ob die Werke ansprechen, ist eine ganz andere Frage. Die hat vielleicht damit zu tun, was Kunst kann. Oder will.
Ich habe mir für dieses Editorial die Texte zu einer Ausstellung genauer angesehen. Was ich unter anderem gefunden habe: vertriebene Gemeinschaften, Geschichte schreiben und umschreiben, Akt des Widerstands, Kontrast, Verbindung, Zerbrechlichkeit, Stärke, flüchtige Momente, unendliche Möglichkeiten, Zukünfte entfalten, Versprechen grenzenloser Freiheit, vielschichtige Umarmung, kollektive Erlebnisse, Veränderung erforschen.
Kunst will betrachtet und bedacht werden. Dazu braucht sie Publikum, das bereit ist, sich auch mit ungewohnten Perspektiven auseinanderzusetzen. Mit unangenehmen Provokationen ebenso, wie mit perfekter Schönheit. Kunst will also die Betrachtenden zu einem offenen Dialog einladen mit dem Werk, vor allem aber auch mit sich selbst. Wirken deshalb Menschen in Kunsträumen oft so friedlich, weil sie sich unvoreingenommen diesem Dialog hingeben? Dem Dialog mit dem Anderen, der so grundlegend ist für eine Demokratie, in der eben auch das Andere seine Berechtigung hat? Kunstschaffende fordern das von uns ein. Sie stellen uns ihre formgewordenen Gedanken zur Verfügung, machen sich damit angreifbar und verletzlich, demonstrieren aber gleichzeitig eine beeindruckende Stärke.
Die Häuser des Kulturrings bieten in einer Situation, die für die meisten Berliner Kunstschaffenden immer bedrohlicher wird, viel Raum für diesen offenen Dialog. Künstler präsentieren ihre Arbeiten, die niedrigschwellig (nur leider nicht immer barrierefrei) für Alle zugänglich sind. In vielfältigen Kursen wird Erfahrung weitergegeben, und immer geht es dabei um Begegnung und Austausch.
Bei der Langen Nacht der Bilder in Lichtenberg wird es wieder zahlreiche Möglichkeiten geben, mit den Künstlern und Künstlerinnen direkt in den Ateliers ins Gespräch zu kommen und sich in die unterschiedlichen Vorstellungswelten mitnehmen zu lassen.
Weil wir gerade bei Vorstellungswelten sind: Schließen Sie doch mal die Augen und stellen sich Berlin ohne Kunst und Kultur vor! Was gehört für Sie in diese Kategorien? Gefällt Ihnen diese Stadt?
Noch sind wir da und vielleicht hin und wieder sogar „a solution for something“. Das wäre schön.