Müll – eine unliebsame Begleiterscheinung, wo immer der Mensch auftaucht. Stetig wachsende Müllberge sind eine der großen Malaisen der Zeit. Schon jetzt gibt es mehr von der Industrie hergestellte Dinge als Biomasse auf der Erde. Sich auftürmende Abfälle an Land und Treibplastik in den Ozeanen sind die Kehrseite des Konsums. Das gewohnheitsmäßige „Weg damit!“ macht das Entsorgte zum Entwerteten. Dabei fallen rasendem Konsumgüterverbrauch und Wegwerfwahn potenzielle Schätze zum Opfer.
Die Idee, in dem von der Gesellschaft verachteten Unrat einen Wert zu erkennen, verschafft scheinbar nutzlosen Dingen eine qualitative Dimension. Mehr dazu im Interview mit dem Upcycling-Künstlertrio Andrea Bonfini, Paola Kubes und Fabrizio Frau.
Woran hat sich Ihre Begeisterung für Upcycling-Kunst erstmalig entzündet?
Paola Kubes: Recyceln und Wiederverwenden sind für mich echte Inspirationsquellen. Ich genieße den ganzen Ablauf, vom Finden des Materials über das Entwickeln einer Idee bis zum fertigen Bau oder der handwerklichen Umsetzung. Wiederverwendung sollte eigentlich die ethische Grundlage jedes Designprojekts sein. Es gibt mehr als genug Materialien, die überproduziert wurden oder eine viel längere Lebensdauer hätten, als unser Konsumverhalten ihnen erlaubt. Warum sie also nicht sinnvoll nutzen?
Haben Dinge, die andere aussortiert und in die Tonne gekickt haben, eine Aura?
Fabrizio Frau: Ja, definitiv! Man muss nur einen anderen Blickwinkel einnehmen und es über den Tellerrand des Mülls hinaus betrachten.
Welches Fundstück hat Sie so beeindruckt, dass Sie gesagt haben: Das ist es! Dem will ich unbedingt ein zweites Leben geben!
Fabrizio Frau: Das passiert mir ständig! Aber es gab eine lustige Situation, in der ich auf der Straße zwei Plakate mit Rahmen gefunden habe, die ursprünglich Werbung für einen Zirkus waren. Ich habe sie sofort mitgenommen und in mein Atelier gebracht, wo ich sie in zwei Gemälde für die Kollektivausstellung „Organic Geometric“ mit Andrea und Paola verwandelt habe.


