Es war mir zuerst gar nicht aufgefallen. Die Frauen stehen vor einer Zeichnung in der Ausstellung im MAXI-Treff der WG Wuhletal eG in Hellersdorf. Sie ist von Eberhard Hollerbach. Auf ihr sind Regenwolken zu sehen. „Wenn ich das doch so zeichnen könnte“, sagt die eine Frau. Und schon fachsimpelt sie mit dem Künstler. Ich bin mit ihm und Gruppenmitgliedern seines Zeichenkurses zu einem Gespräch verabredet. Da bin ich also schon mittendrin. Ich spüre sofort, wie alle bei der Sache sind und störe eigentlich nur ungern. Der Kurs von Eberhard Hollerbach hat 10 Teilnehmer, sie treffen sich alle zwei Wochen und sind noch nicht so lange aktiv, erst das fünfte Mal. Meinen Wunsch, mit einigen von ihnen ins Gespräch zu kommen, erfüllt mir der Chef im MAXI-Treff Uwe Ehlert ohne Zögern und bereitet alles für eine anregende Diskussionsrunde vor.
Wir sitzen mit drei netten Damen und Eberhard Hollerbach bei Kaffee und Kuchen, und ich möchte zuerst Näheres über die drei Damen wissen. Karin Brasse hat ihr Arbeitsleben beim Zeitungsvertriebsamt der DDR verbracht, künstlerisch war sie bisher nicht aktiv, hat aber immer gern gebastelt. Gerda Arnold war 40 Jahre lang auf Berliner Flughäfen als Sachbearbeiterin tätig, zuletzt bei der Ermittlung vermisster oder verlorener Gepäckstücke. Sie hat bisher nicht gezeichnet, vielleicht ein wenig „gekritzelt“, wie sie sagt. Auch sie hat gern gebastelt. Die Dritte im Bunde ist Beate Glanck. Schon als Kind hat sie gern gezeichnet, auch mit der Feder eine feine Schrift geübt. Motive fand sie häufig in der Natur. Mit ihrer Arbeit als Zahntechnikerin harmonierte das ganz gut. Auf die Frage, warum sie im Kurs sind, kommt einhellig und sofort die Antwort. „Zum einen wollen wir, jetzt da wir Rentnerinnen sind und mehr Zeit haben, mal etwas Neues versuchen. Und zum anderen verstehen wir uns auch als Gruppe sehr gut, haben gut zueinander gefunden und schätzen die Gemeinsamkeit und den Austausch.“ Dazu, finden sie, bieten der Treff ihrer Wohnungsgenossenschaft und die Betreuung durch den Kulturring ein ideales Umfeld. Sie schätzen die Kooperation beider sehr, vor allem, dass es immer möglich ist, auch eigene Ideen und Vorschläge einzubringen. Eberhard Hollerbach ist in Hellersdorf, seinem Heimatbezirk, stark verwurzelt. Mit einer Vielzahl Ausstellungen ist er hier seit 2020 präsent. Erst in den letzten Jahren seines Berufslebens hatte er auf Wunsch der Familie mit der künstlerischen Arbeit intensiver begonnen. Bei seinem ehemaligen Arbeitgeber fand er bis 2019 mit einer Dauerausstellung große Anerkennung. Von seinen Bildern sind über Berlin hinaus auch zahlreiche Auftragsarbeiten im Privatbesitz, in Bremen, Hamburg, Köln, Thüringen, Sachsen, im Schwarzwald und in der Schweiz. Was bringt einen Künstler wie ihn nunmehr dazu, anderen die Kniffe und Techniken des Zeichnens beizubringen? „Es ist die Freude am gemeinsamen Arbeiten. Die Fragen und das Interesse der Teilnehmer regen mich an, mich mit bestimmten Dingen selbst intensiver zu beschäftigen. Auf diese Weise lerne auch ich ständig dazu.“ Die neuen Hobbykünstler schätzen ihren Kursleiter sehr. Sie mögen seine Sachkunde, seine ruhige Art und seine Freundlichkeit, mit der es ihm immer wieder gelingt, sie auch für scheinbar schwierige Zeichenübungen zu motivieren. „Wir wollen ja gemeinsam etwas schaffen.“ Das haben sie sich vorgenommen, jede und jeder einzelne und natürlich auch die Gruppe.

