ViduKids - Kindergartenkinder produzieren mathematische Videos

Oliver Thiel

Mathematik im Kindergarten? Gibt es das? Für viele ist es unverständlich, dass sich bereits Kindergartenkinder mit sowas abstrak­tem und schwierigem wie Mathematik beschäftigen können und sollen. Doch Mathematik ist schon seit etwa zwei Jahrzehnten in den frühpädagogischen Bildungs­plänen der Länder enthalten. Die Herausforderung besteht darin, Mathematik anschaulich, ver­ständlich und relevant zu vermitteln. Dabei hilft das EU-Projekt ­ViduKids, an dem vier Partner aus verschiedenen europäischen Ländern und der Kulturring beteilig sind.

Heutzutage kommen Kinder schon früh mit der digitalen Welt und dem Medium Video in Kontakt. Video kann ein sehr motivierendes Werkzeug sein. Zudem helfen bewegte Bilder, mathematische Konzepte wie Raum, Zahlen und Formen zu veranschaulichen und mit der realen Welt zu verknüpfen. Die Grundidee von ViduKids lautet, Kinder  gestalten den Prozess der Videoproduktion aktiv mit. Dadurch visualisieren sie die mathematischen Inhalte und dringen auf kreative Weise tiefer in die Materie ein.

Schon die Kleinsten im Kindergarten erforschen räumliche Beziehungen, Formen, Reihenfolgen und Mengen. Eine Kamera hilft ihnen dabei, ihre Entdeckungen festzuhalten und mit anderen zu teilen. Im Projekt ViduKids haben wir drei verschiedene Arten von Aktivitäten entwickelt.

1. Die Einfachste ist ein Entdecker­auftrag. Die Kinder suchen auf dem Gelände des Kindergartens oder auf einem Ausflug nach geometrischen Formen, zum Beispiel nach Dingen, die rund sind. Oder sie nehmen Fotos auf, die zeigen, wie ein Turm aus ­Klötzen immer höher wird. Mithilfe einer App werden die einzelnen Fotos zu einer Videosequenz, wie ein Daumenkino, zusammengesetzt. Dadurch sehen die Kinder einen Turm, der wie von Geisterhand in die Höhe wächst: lebendig gewordene Addition.

2. Wenn die Kids etwas mehr Erfahrung im Umgang mit der Kamera gesammelt haben, beginnen sie eigene oder bekannte Geschichten als Animationsvideos zu erzählen. In vielen Märchen spielen mathematische Ideen eine Rolle (z. B.  groß und klein, drei Bären, sieben Zwerge, hinter den Bergen). Zudem machen die Kinder bei der Videoproduktion auch mathematische Erfahrungen. Aufkommende Fragen aus der Praxis sind zum Beispiel: Wie passt alles, was ich zeigen will, ins Bild? Was geschieht, wenn ich die Anzahl der Bilder pro Sekunde ­ändere?

3. Bei der anspruchsvollsten Aktivität werden die Kinder spielerisch mit einem mathematischen Problem konfrontiert. Zum Beispiel sollten sie zwanzig Münzen gerecht an vier oder fünf Puppen verteilen. Die Lösung  dokumentieren sie mit der Kamera.

Ein pädagogischer Vorteil von Video ist, dass die Kinder sich mehrmals auf neue und motivierende Weise mit dem gleichen Inhalt beschäftigen: beim Vorbereiten der Aufnahmen, dem Filmen, Vertonen und schließlich beim Anschauen der Videos.

Die Kombination von Videoproduktion und Mathematik ist ein neuer und spannender Ansatz für die Arbeit im Kindergarten. Im PDF-Booklet, das vom Projektteam entwickelt wurde, wird dieser aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet und erklärt aus Sicht der Frühpädagogik Mathematik-, Kunstdidaktik und Medienpädagogik.

Wenn Sie mehr über das Projekt erfahren oder das Booklet herunterladen möchten, besuchen Sie die Homepage: https://vidukids.eu