Art With Ukraine

Inge Gräber, Heinz-Hermann Jurczek

Den Anstoß zu der Kunstauktion am 24. April, deren Erlös an humanitäre Hilfsprojekte in die Ukraine gehen sollte, gab der bei uns im Bundesfreiwilligendienst arbeitende Dmytro Goranchenko. Er stammt aus der Ukraine und lebt seit 2014 hier in Berlin. Er, Künstler und Kurator, hat ein weites Netzwerk zu Künstler:innen aus der Ukraine aufgebaut und pflegt rege Kontakte mit ihnen. Er ist daher über die Kriegsgeschehen ständig auf dem Laufenden. Nicht zuletzt waren seine Eltern und weitere Familienangehörige noch bis März in der Ukraine, die jetzt jedoch wohlbehalten mit seiner Hilfe aus dem Kriegsgebiet nach Berlin gekommen sind. Wir, das Team GISELA, waren und sind weiterhin von den Kriegsgeschehnissen emotional stark betroffen. Mit der Kunstauktion wollten wir unsere Unterstützung zum Ausdruck bringen.

Die Auktion sollte an einem Tag stattfinden. Eine längere Ausstellung mit den zu versteigernden Werken durchzuführen, war uns nicht möglich, da die Termine für das reguläre Ausstellungsprogramm feststanden. Das heißt, diese Auktion konnten wir nur zwischen zwei laufenden Ausstellungen „einschieben“. Daraus resultierte, dass wir wenig Zeit für die Vorbereitung zur Verfügung hatten. Auch waren wir mit den formalen Bedingungen konfrontiert und hatten damit keine Erfahrung, wie man eine Auktion organisiert (zum Beispiel das Ausstellen von Spendenquittungen, Handhabe der Quittungen gegenüber den Künstlerinnen und Künstlern, gesetzliches Reglement, etc.). Gleichzeitig mussten wir den Kooperationspartner ­Ukraine-Hilfe Berlin e. V. für uns gewinnen, um die Spendenauktion durchführen zu können. Hintergrund ist, dass der Kulturring aufgrund seiner Satzung als Verein keine Spendeneinnahmen abwickeln kann.
Zur Vorbereitung gehörte das Verfassen eines Open Calls, in dem die Künstler:innen zur Teilnahme aufgefordert wurden. Aufgrund des kurzfristigen Auktionstermins war den Künstlerinnen und Künstlern die Möglichkeit gegeben, auch noch eine Stunde vor Auktionsbeginn Arbeiten einzureichen. Zur Öffentlichkeitsarbeit gehörten das Erstellen einer Pressemitteilung, eines Plakats und das Drucken einer Postkarte. Es wurden Handzettel in der Umgebung verteilt. Die regionale Presse wurde informiert und wir kontaktierten radioeins vom rbb.

Wir waren positiv überrascht, dass eine Vielzahl international agierender Künstler:innen qualitätsvolle Werke einreichten. Auch Hobbyisten wurden von uns nicht abgewiesen. Bei der Abgabe der Werke spürten wir positive Resonanzen auf unsere Spendenaktion. Die amerikanische Künstlerin M. Angelari oder auch der japanische Künstler Ryo Nakamura und der russische Künstler Lexander Prokogh riefen uns zu, sie hätten schon darauf gewartet, Werke in einer Auktion zugunsten der Ukraine spenden zu können, darunter ein großformatiges Bild von 3 x 2 Metern.

Teilnehmer:innen waren: Marguerite Angelari, Lexander Prokogh, Ruth Biller, Stefan Hoch, Marini Coloretti, Dagmar Bahlo, Ksenia Lapina, Alexandra Nebel, Klaus Decker, Ingrid Muhn, Libby Page, Multi Moni, Anastasiya Maksymiw, Teresa Casanueva, Maria Otterbein, Ryo Nakamura, Harry Molkenthin, Alexander Wagner, Dagmar Binder, Elke H. Fischer, Yulia Kazakowa, Frédéric Krauke, Cornelia Es Said, Udo Gläser, Regina Stender, Susanne Tank, Georg Bothe, Michael Winde, Stefan Friedemann und viele andere.

Aufgrund der großen Anzahl von Werken wurden alle drei Räume der GISELA bespielt. Wir bildeten Werkgruppen nach Themen und Techniken. Unter großem Zeitdruck hieß es nun, entsprechend der Hängung, die Liste mit Werkangaben und den Mindestgeboten zu erstellen. Diese Liste wurde vor der Veranstaltung schrittweise ergänzt und aktualisiert. Eine Vorbesichtigung fand bereits am Freitag vor der Auktion statt, die auch wahrgenommen wurde. Als Auktionator konnte Frank Alexander Kunz gewonnen werden. Am eigentlichen Auktionstag, Sonntag 16 Uhr, drängten schon viele Besucher auf Einlass. Da auch zahlreiche Künstler:innen immer noch Bilder ablieferten, herrschte zeitweise völlige Unruhe. Wir behielten allerdings den Überblick. Mit dem offiziellen Auktionsbeginn kehrte eine konzentrierte Stimmung ein. F. A. Kunz leitete die Veranstaltung souverän, humorvoll, und bewies seine Qualitäten als Entertainer. Wir, Inge Gräber und Heinz-Hermann Jurczek (coronabedingt fiel leider Dmytro Goncharenko aus) begleiteten die Auktion abwechselnd mit unseren Kommentaren zu den einzelnen vorgestellten Arbeiten und den jeweiligen Künstler:innen. Die Stimmung hob an, als direkt die zuerst zum Gebot vorgestellten Werke verkauft wurden. Interessiert wanderte das Publikum nach der Pause in den zweiten Ausstellungsraum. Gelegentlich kommentierten anwesende Künstler:innen ihre Werke selbst. Wir schafften es auch noch, Getränke zu reichen, neben der sorgfältigen Entgegennahme von Geldbeträgen. Die Auktion zog sich bis ­circa 19:30 Uhr hin. Zum Abschluss bot die Musikerin Moe Nagasi ein stimmungsvolles Musikstück auf der Violine.
Am nächsten Tag hieß es für uns, die Ausstellung zügig abzubauen, da bereits der nächste Künstler am Nachmittag mit seinem Ausstellungsaufbau beginnen wollte.

In der darauf folgenden Woche haben wir die nicht verkauften Werke für eine Präsentation im Internet aufbereitet. Die Auktion ging dann noch online erfolgreich weiter. Wir sorgten für eine schnelle Übergabe der eingenommenen Spendengelder an die Ukraine-Hilfe Berlin.

Die teilnehmenden Künstler:innen zeigten sich neugierig, wie die Veranstaltung verlief. Das Feedback war durchweg positiv. Wir als Organisatoren hätten uns jedoch eine größere tatkräftigere Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen und des Vorstandes des Kulturrings gewünscht.