L. Klahn:

SpurenWandler

Im Sommer 2021 startete der Kulturring das Projekt „SpurenWandler“, welches durch das Bundesprogramm „Jugend erinnert“ eine Förderung erhielt.

Durch interaktive GPS-basierte Rallyes im Bereich historisch-politische Bildung sollen junge Menschen zwischen 16 und 27 Jahren für jüngere deutsche Geschichte begeistert werden. Auf den Spuren der einstigen Teilung Berlins bewegen sich die Teilnehmer*innen im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg mit Hilfe der App „Actionbound“ durch den Stadtraum. An verschiedenen Stationen bekommen sie Geschichten von Zeitzeug*innen zu hören und zu lesen, können historische Fotos betrachten oder Aufgaben lösen. Mit der Rallye möchten wir einen Eindruck geben: „Wie war das Leben in Ostberlin, Teil der DDR, damals? Wie lebte es sich mit einer Mauer? Wie war es im Westteil der Stadt? Und was geschah nach dem Mauerfall?“ Ein Teil der Aufgaben sind interaktiv: die jungen Leute machen selber Fotos oder schrei­ben kurze Texte, um ihre Eindrücke bei der Rallye und ihre Gedanken zu den Themen wie beispielsweise Grenzen und Freiheit festzuhalten. Im Jahr 2023 werden dann die ausdrucksstärksten Ergebnisse der Teilnehmer*innen in einer Ausstellung in der Fotogalerie Friedrichshain zu sehen sein.

Was bisher geschah
Das letzte halbe Jahr verbrachte das SpurenWandler-Team damit, die Zeitzeugengeschichten eines weiteren Kulturringprojektes mit dem Titel „Kreuzberg.Mauer.Friedrichshain“ auf deren Relevanz für Anknüpfungspunkte zu den „SpurenWandlern“ zu überprüfen und Interviews mit den Zeitzeug*innen zu führen.

Alle relevanten Geschichten, wichtige histo­rische Orte, öffentliche Gedenkstelen etc. wurden auf einer digitalen Karte verortet und anschließend zu einer ersten Tour-Idee miteinander verbunden. Im Dezember 2021 testeten wir die Pilot-Rallye mit einer Klasse des Dathe-Gymnasiums in Friedrichshain.

Es ging zunächst über die Warschauer ­Brücke zum U-Bahnhof Warschauer Straße, hier gab es vor allem historische Fotos zu sehen, danach in die sogenannte Oberbaum City.

Dort konnten die Schüler*innen etwas über das ehemalige Glühlampenwerk Narva und dessen Jugendclub direkt an der Grenze erfahren. Weiter ging es über die Oberbaumbrücke Richtung May-Ayim-Ufer (ehemals Gröbenufer), wo es um die ehemalige Staatsgrenze der DDR direkt am damaligen Westberliner Ufer ging und die damit einhergehenden Probleme und Schicksale. Die letzte Station stellt die East Side Gallery dar, das größte verbliebene zusammenhängende Stück der Berliner Mauer. Hier sollte es einmal nicht um die bekannten Kunstwerke gehen, sondern die Eindrücke einer ehemaligen Bewohnerin der Wagenburg, welche in den 1990er Jahren hier vorzufinden war.

Im Frühjahr 2022 wird dann die erste SpurenWandler-Rallye veröffentlicht und für jede*n kostenlos zur Verfügung stehen.

Multiplikator*innen Workshops
Für an digitaler Geschichtsvermittlung in­teressierte Personen, wie zum Beispiel Lehrer*innen, Geschichtsstudent*innen, Referent*innen im Bereich historisch-politische Bildung, bot der Kulturring im März 2022 zwei Workshops im Rahmen von „SpurenWandler“ an.

Im ersten Workshop gingen wir auf Spurensuche entlang des ehemaligen Grenzverlaufs vom Engelbecken über Bethaniendamm/Engel­damm zur Schillingbrücke, über Ostbahnhof und East Side Gallery bis Oberbaumbrücke. Dr. Hanno Hochmuth vom Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) und Sonia Hugi, Mitarbeiterin der Website „Chronik der Mauer“ erzählten an verschiedenen Stationen Geschichten aus der Vergangenheit und beantworteten auch die Fragen „Wo genau verlief hier die Mauer? Wie sah sie in erster Generation aus?“ und „Wo gibt es noch Spuren davon zu finden?“ Einige der Geschichten und Hinweise zu diesen Standorten können zeitnah in der App „Die Berliner Mauer“ der Bundeszentrale für politische Bildung nachgelesen werden. Die Tour wird im Laufe dieses Jahres veröffentlicht.

Zeitgleich boten wir vom SpurenWandler-Team parallel einen kleinen Actionbound auf dieser Strecke an, damit sich alle mit einem digitalen Format bekannt machen konnten.

Der zweite Workshop bot ein digitales Informations- und Vernetzungstreffen für die sogenannten Multiplikator*innen zum Thema „digitale Formate“ in der Geschichtsvermittlung. Die Referent*innen der Stiftung Berliner Mauer mit dem Standort East Side Gallery und Checkpoint Charlie erzählten über ihre dortigen Angebote: Cornelia Thiele stellte die Augmented Reality App „Cold War Berlin“ zur Panzerkonfrontation am Checkpoint Charlie 1961 vor, sowie den Audiowalk „Der Mauerbau 1961, eine Spurensuche in Berlins Mitte“. Anna von Arnim präsentierte die mobile Website der East Side Gallery und gab Ausblick auf die kommende neue Ausstellung an dem Standort ab September 2022. Auch stellten wir das SpurenWandler-Projekt und die App „­Actionbound“ vor. Zum Schluss blieb Raum für Fragen und Austausch.
Alles in allem war dies ein guter Start für die Projektvernetzung und ein spannender Überblick über die verschiedensten Formate.