Kulturnews

Pandemie und neue Chancen

Fragen zur Krise

Über viele Jahre ist der Kulturring inzwischen mit Partnern in den verschiedensten Ländern in Kontakt, sei es im Zusammenhang mit Ausstellungen, mit Konzerten, mit gemeinsamen Projekten in der Medienpädagogik, um hier nur einiges zu nennen. Daraus sind häufig Freundschaften enstanden, aus denen sich wieder neue Vorhaben und Kontakte ergeben haben. Deshalb war es uns ein Anliegen, gerade in den Zeiten der weltweiten Corona-Krise nachzufragen, wie es ihnen ergangen ist und wie sie diese für uns alle einmalige Situation ganz persönlich erlebt haben. Dazu haben wir ihnen die folgenden Fragen gestellt, ohne sie aber darauf festzulegen.

Wie fühlen Sie sich ganz persönlich in der gegenwärtigen Situation angesichts der Corona-Krise?

Wie hat sie Ihr alltägliches Leben verändert?

Gelingt es Ihnen angesichts weit verbreiteter Sorgen, auch kreativ zu sein? Glauben Sie, dass uns diese Krise zurückwirft oder nach einer Talfahrt auch zu neuen Chancen führt? Können Sie etwas dazu beitragen? Sind im Kopf neue Ideen für Projekte entstanden?

Haben Sie in Ihrem Umfeld solidarisches Handeln gespürt?

Kann es uns trotz nationaler Einschränkungen und fehlender persönlicher Kontakte gelingen, global zusammenzuhalten und uns auch in Zukunft in gemeinsamen Projekten auszutauschen?

Wollen Sie dazu Vorschläge machen?

Aser Seifu (Addis Abeba, Äthiopien)

Aser leitet die Medienschule „MY MEDIA ADDIS“, die mit Hilfe des heutigen Kulturring-Geschäftsführers Armin Hottmann in den vergangenen Jahren aufgebaut wurde.

Als vom ersten Corona-Fall in den Nachrichten berichtet wurde, war ich gerade mit meiner Freundin zusammen beim Essen. Ich glaube, es war am Freitag, dem 13. März, so gegen 15.30 Uhr. Ich musste an dem Tag noch eine Klasse an der Abendschule unterrichten, ich war verwirrt, wusste nicht, wie ich mit der Situation umgehen sollte. Als Afrikaner, besonders als Äthiopier, habe ich erstmal fest daran geglaubt, dass die Krankheit nicht nach Afrika, schon gar nicht nach Äthiopien kommt. Man kennt die Erzählungen, nicht nur von religiösen Menschen, sie ziehen sich von der Grundschule bis zu höheren Bildungsstufen, wir wachsen auf mit Geschichten über Pandemien. Das beschäftigt mich sehr, vieles geht mir durch den Kopf, manches ist schmerzhaft. Meine Gedanken kommen an ihre Grenzen, sind nicht erkennbar. Das frustriert mich emotional und auch, was die Arbeit betrifft. Drei emotionale Phasen habe ich durchlaufen, die erste den gesamten März hindurch. Ich begann, mir Fragen zu stellen, zu lernen, alles mögliche über historische Sachen zu lesen. Ich wollte Klarheit in mein Durcheinander bringen. Ich versuchte, mit Leuten zu reden, war ziemlich deprimiert. Ich wollte zu Entschlüssen kommen, sagte mir aber, es ist besser erst einmal bis Ende März abzuwarten. Zu einer Sache habe ich mich aber doch durchgerungen: Da ich allein lebe, beschloss ich, zu meinen Eltern zu ziehen, die mit ihren beiden Töchtern leben. Viele Tage habe ich in meinem Zimmer verbracht, ich habe sie nur gesehen, um mein Essen in mein Zimmer zu holen. Sie waren darüber gar nicht glücklich. Ich begriff aber bald, dass ich nicht allein dieses Problem habe. Ich begann, mich mit meiner Familie, mit Freunden auszutauschen. Das war der Anfang vom Ende meiner Depression. Dann kam der April. Die ganze Zeit im März hielt ich mich im Haus meiner Familie auf, war niemals draußen. Nun bin ich in der Umgebung unseres Hauses wieder spazieren gegangen. Ich habe jetzt verstanden, dass – was auch immer passiert – wir uns in der gleichen Situation befinden. Ob gut oder schlecht, kein Einzelner verliert oder gewinnt. Ich hörte auf, nur über „Mich“ nachzudenken, ich begann als „Familie“ zu denken. Emotional ging es mir wieder gut, ich beschäftigte mich mit den Dingen des alltäglichen Lebens, sah mir Filme an, las, redete, spürte ein wenig Freiheit. Dann kam der Mai: zurück zur Normalität, langsames Anpassen. Als Lehrer an einem College wurde ich ins Büro bestellt und erhielt die Aufgabe, online zu unterrichten. Wir begannen damit. Das Gute dabei ist, dass ich von Zuhause in die Schule laufen musste, allein oder mit einem nebenan wohnenden Kollegen, da ich kein Auto habe. Ich fühle die Einschränkungen, beginne aber, sie im Innern zu akzeptieren und auf bessere Zeiten zu hoffen. Ich fühle, als wenn ich auf einen Bus warte, der nicht kommt, wann ich es will, sondern der seinen eigenen Fahrplan hat.

Die Dinge, wie ich sie vor Corona tat, sind nicht mehr so. Wie ich esse, wie ich Verkehrsmittel benutze, alles ist neu. Auf die Frage, ob es mir dennoch gelingt, kreativ zu sein, antworte ich „ja“, im gewissen Sinne. In meiner Leitungsfunktion im College habe ich neue Arbeitsweisen und Ideen für die Schule eingebracht. Das alles wurde von der Schule angenommen, und wir machen gerade erste Erfahrungen. So können sich durchaus neue Chancen ergeben, aber gleichzeitig sind auch Rückschritte nicht ausgeschlossen – wir Menschen sind eben nicht gleich. Vieles wird von der Situation im Großen abhängen. Jetzt denke ich aber gerade immer an den unmittelbar nächsten Schritt. Ich möchte, dass meine Schule und speziell mein Programm funktioniert, dass es auf kreative Weise Menschen auf neuen Wegen unterstützt. Neue Ideen habe ich für die Institution, für die ich arbeite, aber natürlich sind da auch persönliche Projekte. Die stelle ich aber wegen der aktuellen Einschränkungen zugunsten der Vorhaben für meine Einrichtung zurück.

Wie ich schon versucht habe zu erklären, ist diese Krankheit nicht etwas unmittelbar Persönliches, es ist eine Sache der Gemeinschaft. Ich habe das Gefühl, dass wir im Job, bei der Religionsausübung, im täglichen Leben anfangen, einander näher zu kommen und besser zusammenzuarbeiten. Das ist zwar noch nicht komplett so, wie es sein sollte, aber ich erkenne schon ein optimistisch stimmendes einheitliches Vorgehen beim Schutz vor der Krankheit und der Überwindung der Situation. Deshalb sollten wir umso mehr global zusammenarbeiten. Ich wundere mich schon, dass wir von der Situation in China so überrascht wurden. Daraus sollten wir lernen, wenn auch nicht jetzt sofort. Zu spät haben wir angefangen zusammenzuwirken und Informationen zu teilen. Das ist der erste Schritt. Wie wir alle wissen, sind die Staatenlenker zu politisch. Wir jedoch, die Menschen, leben miteinander und sollten uns nicht über Dinge, die für die Gesellschaft so wichtig sind, auseinanderbringen lassen. Ich weiß, „nationales Interesse kommt zuerst“. Aber das Leben kommt zuerst – das denke ich jedenfalls.

Zuallererst sollten wir uns im globalen Maßstab auf die Sachfragen konzentrieren. Darüber sollte die Menschheit eindeutige und auf Tatsachen beruhende Informationen austauschen. Sie sollten frei sein von politischen, religiösen oder anderen Einflüssen und sich nur auf persönliche Erfahrungen gründen. Die Fakten sind der Schlüssel für Aktionen, für persönliche, für lokale und landesweite. Ich habe das Schweigen über den ersten Corona-Fall beaobachtet und wie dies eine Menge Verwirrung ausgelöst hat. Als Weltbürger sage ich, die Medien und die Politiker bringen mehr Menschen um als die Krankheit. Sie sind zu spät beim Schaffen eines Problembewusstseins in der Gesellschaft, beim Herausfordern der politischen Führer, und sie sind zu schwach, Hoffnung zu vermitteln, während die Krankheit um sich greift. Da habe ich Extremes gesehen: Ich mache mir wirklich Sorgen darüber, wie man erreichen kann, dass Informationen nicht Vermarktungsgrundsätzen folgen. Manche Medien wollen ihr Land vermarkten, manche ihre Marke, von anderen werden die Medien zu Attacken benutzt. Wie können wir Informationen frei machen, nur solche Informationen vermitteln, die vernünftig, logisch und wissenschaftlich sind?

Doch wie sieht mein Leben gerade aus? Die Regierung versucht, Restriktionen zu erlassen. Aber Einschränkungen sind in unserem Land so gut wie unmöglich. Wir haben kein System, das wichtiger ist als die Bevölkerung. Alle unsere Institutionen sind nicht mit unserer Bevölkerung zu vergleichen. Aber die Regierung versucht ihr Bestes, was wirklich gut und vielversprechend ist. Nur im März durften wir nicht die Schule betreten. Wie immer gibt es gute und schlechte Dinge. Zu den schlechten zählt die Tatsache, dass die meisten Studierenden so frustriert waren, dass sie einfach zu lernen aufhörten. Wenn es also keine Studenten gibt, dann wird es auch das Programm an der Schule nicht mehr geben. Das wird noch zu einer großen Aufgabe: solche Art Programme finden nicht statt, wenn die Wirtschaft zusammenbricht. Eine derartige Auswirkung macht mir Angst. Ende Juni sollten unsere Studierenden des dritten Jahrgangs ihren Abschluss machen ... Zu den guten Dingen gehört, wir haben das Studio geöffnet, gerade mal seit drei Wochen, und es ist soviel zu tun. Das hilft uns, die Finanzen wenigstens für die Gehälter der Lehrer zusammen zu bekommen und so das Programm zu retten.

Ulrich Becker, Uday Dhar (New York, USA)

Wir haben uns Anfang der 1990er Jahre in Berlin kennengelernt: Ulrich war als Projektleiter (und Designer der Kultur News) im Kulturring angestellt, Uday arbeitete als Architekt und freischaffender Künstler in Berlin – seine Zeichnungen und Gemälde wurden 1993 im Klub „7 Raben“ in Köpenick und 1994 in der „Galerie Ost-Art“ in Lichtenberg ausgestellt. Seit 1999 wohnen wir zusammen in New York City. Im Jahr 2018 haben wir geheiratet.

Seit Beginn der Corona-Krise hat sich bei uns in beruflicher Hinsicht nicht so sehr viel geändert. Wir waren beide schon seit längerem freischaffend und hatten unsere Arbeitsplätze am heimischen Computer bzw. in einem Atelier im Süden von Manhattan. New York wurde sehr schnell eine der weltweit am schwersten betroffenen Metropole, und wir mussten bald zu Hause bleiben und dürfen bis heute nur zum Einkaufen, zu Arzt- und Apothekenbesuchen sowie für individuelles Fitness-Training an die frische Luft. Da war an eine tägliche U-Bahnfahrt zu Udays Downtown-Atelier nicht mehr zu denken. Unser kleines Esszimmer füllte sich daher mehr und mehr mit Bergen von Zeichnungen (architektonischen und künstlerischen), und an größere Gemälde war vorübergehend nicht zu denken. Das drückte dem Künstler natürlich ein wenig auf’s Gemüt, und manchmal war es schwer für ihn, kreativ zu bleiben. Auch der Fakt, dass alle Galerien geschlossen und Kunstsammler vorübergehend wie vom Erdboden verschwunden waren, schien zunächst katastrophal für die tägliche Überwindung, trotz allem weiterzumachen. Dank des Internets konnte Uday aber trotzdem neue Kontakte knüpfen, vor allem mit Kunstzeitschriften, die seine neuen Zeichnungen kauften und in den Zeitschriften sowie online veröffentlichten.

La migranto
De foj’ al foj’, viruso
migras de best’ al besto
kaj, de hom’ al hom’, same
tra la kvin kontinentoj.

La ramo
De kontinent’ al kontinento
ĉion renversas la viruso,
necesas fera kvaranten’,
ni vivas vivon aliulan,
ekranoj diktas mian vidon
(kaj, dume, jam senbride kuras,
silente, fronte kolizias
kontraŭ rempar’ mia dezir’).

Jorge Camacho

 

Ulrichs berufliche Selbstständigkeit konzentrierte sich seit längerem schon auf drei Gebiete: das Übersetzen aus dem Englischen ins Deutsche, das Grafik-Design (das er seit seiner Arbeit an den Kultur News professionalisiert hat) und auf die verlegerische Arbeit in seinem kleinen Verlag Mondial, in dem er vorwiegend Literatur in und über Esperanto veröffentlicht. Seine Faszination für die internationale Sprache Esperanto hatte bereits Mitte der 1970er Jahre angefangen – er pflegte sie damals im Kulturbund, wo er für wenige Jahre vor und während der ­Wende auch in der Abteilung Esperanto angestellt war. Mit Beginn der Corona-Krise hat sich die Auftragslage für Übersetzungen und Grafik-Design um etwa 40 % verschlechtert, aber dafür konzentriert er sich mehr auf seinen Verlag, der in den letzten Jahrzehnten zu einem der führenden Esperanto-Verlage der Welt geworden ist. Die Kontakte mit Esperantisten aus der ganzen Welt sind es auch, die ihn besonders anspornen, trotz der komplizierten Situation nicht aufzugeben. Leider hat er mehrere seiner älteren Autoren in den letzten zwei Monaten an den Virus verloren: zwei Italiener und einen Engländer. In der bisher letzten Nummer der internationalen Literaturzeitschrift „Beletra Almanako“, die er seit 2007 mit einem Redaktionsteam aus fünf Ländern herausgibt, häufen sich Traueranzeigen, aber auch neue Texte – Prosa und Poesie – die sich kreativ mit dem Leben zu Viruszeiten auseinandersetzen. Um seine finanzielle Einbußen wenigstens teilweise auszugleichen, gibt Ulrich auch online Deutsch-Unterricht für Amerikaner, die auf die Idee gekommen sind, das virusbedingte Zuhause-Sitzen mit dem Erlernen einer ­neuen Sprache auszufüllen.

Die Stornierung unserer für Ende Mai geplanten Reise nach Deutschland ist uns eigentlich am schwersten gefallen. Noch nie hatten wir eine Reise so gut vorbereitet wie diese. Ulrichs in Sachsen lebende Mutter wird 88 Jahre alt, und ein Besuch war lange überfällig. Auch ehemalige Kulturring-Kollegen, andere Freunde und Verwandte wollten wir endlich einmal wiedersehen. Flüge, Zugfahrten und Hotels waren gebucht und zum großen Teil schon bezahlt, einschließlich eines Kurzaufenthaltes in der Sächsischen Schweiz, wo wir sogar schon einen Fensterplatz im Restaurant Berghotel Bastei reserviert hatten, um sicherzustellen, dass wir auch wirklich die beste Aussicht haben werden. Seit Beginn der Krise haben wir jeden Tag sämtliche Grafiken und Tabellen angeschaut, die im Internet zu den neuen Coronafällen in Deutschland und den USA veröffentlicht wurden, und die Daumen gedrückt, dass sich die Lage rechtzeitig entspannt. Leider blieb uns nichts anderes übrig, als alles zehn Tage vor der geplanten Reise abzusagen.

Der Gouverneur des Staates New York und der Bürgermeister der Stadt haben angekündigt, dass sich New York City ab dem 8. Juni langsam – in drei Etappen – wieder öffnen wird. Jetzt hoffen wir, dass wenigstens unsere zweite geplante Reise Ende September nach Italien realisierbar bleibt, da wir dort Ulrichs Töchter und deren Partner zu einem einwöchigen gemeinsamen Aufenthalt in Umbrien treffen wollen. Wir bleiben optimistisch!

Tasos Asvestas (Athen, Griechenland)

Tasos ist Ausbilder für Lehrer und arbeitet gegenwärtig an dem von der EU geförderten Projekt des Kulturrings „shifting walls“ als Partner mit.

In der gegenwärtigen Situation der Corona-Krise habe ich auch in meinem eigenen Leben die verschiedenen Etappen der Anpassung durchgemacht, zuerst vom Bekannten ins Unbekannte, wie ein Schock in die Bewegungslosigkeit, man wollte es irgendwie nicht wahrhaben, dann die Phase des Akzeptierens, gefolgt von der nächsten Phase des Ausprobierens neuer Strategien, um mit der veränderten Situation klarzukommen und dabei deren Bedeutung zu begreifen, und letztendlich die Verinnerlichung dieser Erfahrung als Gesamtkonstrukt.

Ganz am Anfang versuchte sich jedes Familienmitglied in unserem Haus auf etwas Positives zu fokusieren, um zum Beispiel die viele freie Zeit für Hobbys zu nutzen (wie Bücher lesen, Netflix anschauen oder auf You Tube frei verfügbare Konzerte, Musicals und Theaterstücke abrufen). Andererseits haben wir uns auch große Sorgen um unsere älteren Familienangehörigen gemacht, die in den verschiedenen Städten weit außerhalb Athens leben. Wir konnten sie nicht besuchen und mit ihnen nur telefonieren oder über Apps wie Viber kommunizieren, was wir ihnen beigebracht hatten. Natürlich sorgten wir uns auch um die Gesundheit der Familie um uns herum, alle blieben wir zur Sicherheit in der Wohnung und achteten darauf, dass nur ich alle nötigen Wege nach draußen erledigte und dass dabei alle Sicherheitsvorkehrungen zur Hygiene und zum Abstand eingehalten wurden. Meine Gefühle waren bestimmt von der Angst um die Gesundheit meiner Familie, der Trauer um die an Covid-19 Verstorbenen und der Frustration darüber, dass ich nicht wie gewohnt arbeiten, auch nicht meinen sportlichen Aktivitäten nachgehen konnte, dass ich nicht reisen und andere Orte besuchen konnte, wie das schon für einen Aufenthalt in Vilnius geplant war, der abgesagt werden musste.

Von März an wurden die Schulen geschlossen, und seitdem werden die Schüler mit Hilfe von Internet-Plattformen und durch Heimlernen weiter unterrichtet. Um die nötigen Informationen bestmöglich zu verbreiten, hat das griechische Bildungsministerium  Arbeitsmaterial an die Schulen als Rundschreiben versandt. Kurz darauf entstand eine Webseite  mathainoumestospiti.gov.gr (was bedeutet: wir bleiben zu Hause, wir lernen zu Hause) mit Unterrichtsmaterial und Richtlinien für Lehrer und Schüler – von der Grundschule bis zur Oberstufe, vom Kindergarten bis zur Universität. Da für die Schulen Flexibilität und Eigenständigkeit gilt, lag es an den Direktoren, ein tägliches Programm für das „Fernlernen“ aufzustellen und dabei eine Kombination aller Methoden umzusetzen. Nach dem Schul-Lockdown musste ich als Ausbilder für Lehrer Online-Meetings und -Kurse (Webinars) organisieren und diese bekannt machen. Ziel war es, die Lehrer zu unterstützen und ihnen den Kontakt mit ihren Schülern und ihre Unterrichtung zu erleichtern, und zwar durch  Plattformen, wie BigBlueButton, Zoom, Webex bzw. E-class, e-me oder edmonto. Diese Zeit war für mich sehr stressig, denn ich musste studenlang online sein. Aber das Ganze brachte sehr viel positive Resonanz, nachdem die Wirkung der Maßnahmen von den Lehrern und Schulkollegien ausgewertet wurde.

In der Familie war das größte Problem, die ganzen Telefonkonferenzen und Online-Meetings zu koordinieren. Meine Tochter absolvierte ihre Lektionen als Schülerin, meine Frau als Lehrerin und ich als Ausbilder für Lehrer, der auch noch Online-Vorlesungen für Universitäten hielt. Dabei mussten wir mit neuer Software fertigwerden, mit der Bandbreite im Internet kämpfen und alle mobilen Teile und Endgeräte in einem guten Zustand halten. Und dazu ist es wichtig zu erwähnen, dass die richtige Balance zwischen dem Zeitaufwand für Familie und Job gewahrt werden musste, einserseits immer am Ball zu bleiben von Zuhause aus und gleichzeitig meine Tochter als Lernende zu unterstützen.

Alle Hindernisse wollten überwunden, Wege gefunden werden, um zu kreativen Lösungen angesichts des Lockdowns zu kommen. Sehr geholfen hat die Nutzung der Online-Plattform, um meine Lehrer zu erreichen. Zusätzlich zu den Vor-Ort-Terminen werden wir dies auch weiterhin nutzen, vor allem für jene, die nicht anwesend sein können oder die mehr Unterstützung oder Materialien wünschen. Es ist den Teilnehmern gelungen, den Umgang mit verschiedener Software, den unterschiedlichsten Apps zu erlernen und ihre Erfahrungen damit auszutauschen (z. B. padlet, prezi, coggle, quizlet, mindmaps, Kahoot, timetoast, wordle, jigsaw, safeyoutube, Screencast-O-Matic, voki, Word, PowerPoint, learning apps, crossword labs, live worksheets, webex polling). Ich denke, ich kann auch weiter dazu beitragen, denn es gibt eine Vielzahl an Ideen und Projekten, die uns als Team im Interesse unserer Gemeinschaft noch klüger und stärker machen werden.

Ein noch vor uns liegendes schwieriges Problem stellt die große Ungleichheit sinnvoller Lernmöglichkeiten dar, denn nicht alle Lehrer und Schüler besaßen die nötige Ausrüstung, um sich auf eine Online-Lernstrategie umzustellen. Deshalb gab es bei einer Anzahl Schüler, vor allem jenen aus den sog. gefährdeten Gruppen, weiterhin Lernverluste, weil es den Lehrern nicht gelang, sie in deren Umfeld und Infrastruktur zu erreichen. Gründe sind vor allem bei Flüchtlingskindern der mangelnde Internet-Zugang, die schlechte Verbindungsqualität und die fehlenden Geräte. Das Gleiche trifft auf Lernende mit sonderpädagogischem Förderbedarf (S.E.N.) und Roma-Schüler zu, die stärker vom täglichen sozialen Kontakt und der Interaktion mit anderen Lernenden und ihren Lehrern abhängig sind. Für Lernende, die ein individuelles Lernprogramm benötigen und für die sich die Lehrer um eine Unterbringung kümmern mussten, war es besonders schwer. Die Tatsache, dass sämtliche Inhalte für das asynchrone Lernen in griechischer Sprache abgefasst waren, stellte sich für alle, die die Sprache des Gastlandes nicht sprachen, als Riesenhindernis dar, das zu Frustationen führte. Somit muss ich meine Meinung hier unterstreichen, dass die „neue Covid-19-Gesellschaft“ bereit sein sollte, alle Schüler (und ihre Lehrer) auf geeignete Weise zu unterstützen, wenn es zu einem möglichen weiteren Lockdown wegen einer Pandemie kommt.

Ein weiteres entscheidendes Kriterium ist die Qualität des angebotenen Online-Unterrichts und seiner Ziele. Nach den ersten Eindrücken des Online-Unterrichtens und seiner „Glorifizierung“ von E-Lernplattformen durch das Fokusieren auf Tools anstatt auf Methodologie und Ziele, haben eine große Zahl Lehrer und andere Beteiligte mangelndes Interesse der Schüler und/oder der ausführenden Lehrer ins Feld geführt, die stark um die Motivation ihrer Schüler kämpfen mussten. Auch habe ich erkannt, dass sich einige Lehrer für mehr Instruktionen seitens des Ministeriums für Bildung und Religiöse Fragen aussprachen, im Gegesatz zu anderen, die sagten, sie fühlten sich zu dieser Zeit viel freier und kreativer. Auch hat eine große Zahl Lehrer an verschiedenen, in dieser Zeit organisierten Webinars teilgenommen. Und so denke ich, dass jede Organisation und die an der Umsetzung Beteiligten solche Projekte organisieren sollten, die sowohl die Selbstbestimmung der Lehrer und ihrer Schüler, als auch die Förderung selbstregulierter Lernfähigkeiten durch spezifische selbstregulierte Lernmodelle und -strategien berück­sichtigen.

Abschließend sei noch erwähnt, dass die meisten Lehrer und anderen Mitbürger, mit denen ich in dieser Zeit Kontakt aufnehmen konnte, Unterstützung und Mut durch gute Gedanken von ihren Familienmitgliedern und andere Mitbewohnern aus ihrer Nachbarschaft fanden. Ein weiterer Vorschlag wäre also die Nutzung der Medien, um solche positiven Projekte oder Themen zu verbreiten, die zur Förderung der psychologischen Belastbarkeit für Lehrkräfte, aber auch darüber hinaus, beitragen.

Insgesamt spürte ich in dieser Zeit ein Gemeinschaftsgefühl mit anderen Familien in meinem Wohnhaus, als wir unsere freiwillige Unterstützung anboten. Aber auch die Solidarität für die anderen, entfernt lebenden Familienmitglieder, da wir sie nicht besuchen konnten. Auch auf Arbeit spürte ich ein sehr starkes Gemeinschaftsgefühl. Ich unterstützte die Entstehung unserer informellen Online-Bildungs-Community und habe mit anderen Lehrern zusammen Webinars organisiert, um gute Lehr- und Lernmethoden sowie ICT-Kenntnisse und wirksame pädagogische Online-Strategien auszutauschen. Wir haben außerdem freiwillig als Ausbilder und Auszubildende an einer Vielzahl Webinars teilgenommen, um Kenntnisse über Software, Copyright und Allgemeine Datenschutzbestimmungen sowie psychologische Belastbarkeit im Zusammenhang mit dem Covid-19-Lockdown zu lernen oder zu lehren. Ein gutes Beispiel ist auch meine weitere Mitarbeit im „shifting-walls"-Team, um Fortschritte im Projekt zu erzielen. Ein weiteres Beispiel ist meine freiwillige Mitarbeit an einem Unicef-Projekt: „LearnIn – Shaping the culture of education“  (Die Kultur der Bildung gestalten - https://learnin.info). Dadurch sollen Lehrer als Lernende durch qualitativ hochwertige, kulturell relevante Lernmöglichkeiten befähigt und dabei unterstützt werden, für alle Schüler ein aussagekräftiges persönliches und Online-Lernangebot zu schaffen. Schließlich sei noch erwähnt, dass Facebook-Gruppen den Online-Lehrern große Unterstützung zuteil werden ließen und geeignete Informationen über Sicherheitsregeln zu Covid-19 bereitstellten (auch über „fake news“, die es zu beachten galt). Die Nutzung der sozialen Medien zur Information und Unterstützung der Menschen im Sinne eines Gemeinschaftsgefühls kann also eine Idee für zukünftiges Handeln im Sinne neuer Projekte sein.
Meine Erfahrung aus der Teilnahme an verschiedenen Projekten sagt mir, dass wir sinnvolle Wege weiteren gemeinsamen Handelns und globaler Zusammenarbeit in gemeinsamen Projekten finden müssen und dabei – wo und wann immer es möglich ist – auch persönlich erscheinen und zusammenkommen sollten. Gleichzeitig sollten zur Unterstützung, wann immer nötig oder wegen nationaler Einschänkungen geboten, auch Online-Treffen organisiert werden. Ich glaube bei all dem ganz fest, dass Teamarbeit kreativer und effektiver in einer echten Umgebung ist (und online nur für Mitstreiter genutzt wird, die aus unterschiedlichen Gründen an einer Teilnahme verhindert sind).

Zu guter Letzt ist da noch das stolze Erfolgsgefühl eines griechischen Bürgers, dass es ihm für alle Mitglieder der Gemeinschaft in Griechenland und auch Europa gelungen ist, auf eine kluge, vertrauenswürdige und verantwortungsvolle Weise im Lockdown der Corona-Krise zu handeln. Ich glaube, dass diese Tatsache ein neuer Ausgangspunkt dafür sein kann, eine griechische Mitarbeit und Teilnahme an Projekten zu berücksichtigen, auch um zurückliegende, von einigen Medien verbreitete negative Überzeugungen über ihr Gewicht in der Gemeinschaft der EU zu revidieren.

Nina Tsvetkova (Sofia, Bulgarien)

Nina lehrt an der Universität in Sofia und ist Partner im EU-Projekt „shifting walls".

Die Covid-19-Krise hat uns alle befallen – und das ganz plötzlich. Obwohl uns bewusst war, dass die Welt miteiander verbunden ist und ein ernstes Problem an einem Ende unweigerlich Auswirkungen auf den Ort hat, an dem wir leben, wurden die Menschen doch wirklich überrascht, getroffen von Unglaube und Furcht. Die tägliche Routine, die Arbeitsgewohnheiten und die zwischenmenschlichen Beziehungen waren mit einem Mal zerstört. Der Lockdown (wir in Bulgarien sind allmählich wieder herausgekommen) war eine Zeit der Prüfung, und seine Auswirkungen werden noch lange anhalten.

Kreativ sein konnte ich in der Zeit schon. Und zwar meistens darin, Möglichkeiten zu finden, mit meinen Kollegen und Studenten in Kontakt zu bleiben und all meine reguläre Arbeit in den Online-Modus umzumodeln. Diese Erfahrung hat mir in gewissem Sinn gelehrt, dass es irgendwie immer eine Alternative gibt und dass das Digitale einen größeren Raum im Leben eines jeden von uns einnehmen wird. Eine Menge Menschen waren gezwungen, sich ins Virtuelle zu begeben, um zu studieren, zu arbeiten, Sport zu treiben, sich unterhalten zu lassen oder um zu kommunizieren. Diese neuen Methoden des Interagierens werden nicht wieder verschwinden. Ganz im Gegenteil, es ist wichtig, sie kritisch zu bewerten und sie auf eine noch sinnvollere und effektivere Art und Weise in Anwendung zu bringen.

Wie gesagt, wird uns das Digitale auf Dauer erhalten bleiben. Virtuelle Kontakte sind nicht weniger sinnvoll; sich online zu treffen, kann sehr produktiv sein. Indes kann ich nicht voraussagen, was passieren wird. Vielleicht stehen uns noch intensivere Prozesse der Integration und Globalisierung bevor. Oder – was ebenso möglich ist – können wir uns Isolation, Abkapselung und Angst gegenübersehen. Allerdings sollten Teilhabe und Gemeinsinn, den wir gespürt haben, gehegt und gepflegt werden, können sie doch dazu beitragen, die negativen Auswirkungen der Pandemie zu überwinden.

Ich denke, wir brauchen in Zukunft mehr inspirierende Beispiele, mehr positive Nachrichten, verfeinerte Fähigkeiten, um mit „Fake News“ und Manipulation fertig zu werden und gegen Hasstiraden aufzustehen. Wir müssen uns und andere stärker achten und ein stärkeres Gefühl der Empathie entwickeln. Auch was Projekte betrifft, wäre das ein Weg, den wir folgen sollten.

Danila Tkachenko (Russische Förderation)

Mit der Ausstellung „Restricted Areas“ dokumentierte der in Moskau geborene Fotokünstler verlassene militärische Orte und Einrichtungen in seiner Heimat. Mit der spektakulären Schau, die mit dem European Publishers Award for Photography ausgezeichnet wurde, war er im Herbst 2016 zu Gast in der Fotogalerie Friedrichshain.

Ich glaube, dass dies eine Zeit der Veränderungen ist – und das ist für mich als Künstler interessant. Veränderung ermöglicht es immer, die Welt aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und Dinge zu erkennen, die zuvor möglicherweise verborgen waren. Die Pandemie hat meine Lebenspläne auf eine bestmögliche Weise überlappt. Ich bin immer sehr viel gereist, um an neuen Projekten zu arbeiten. Jetzt brauche ich einen ruhigen Ort, um Texte zu schreiben und Nachbearbeitungen zu erledigen. Das ist für mich eine großartige Zeit, an einem Ort inne zu halten, in mich abzutauchen und meine Ideen neu zu denken. Ich glaube, dass alles für unser Bestes getan wird und sich auch neue Perspektiven ergeben werden. Natürlich wird eine neue Situation neue Inhalte und Ideen entstehen lassen, die in Beziehung zu den Grenzen des Einzelnen stehen und ein tieferes Eindringen in eine virtuelle Realität ermöglichen.

Kurz gesagt ist es gerade das Beste, sich zu isolieren und die persönlichen Kontakte zu minimieren, dabei aber miteinander online in Verbindung zu bleiben und zu ko­operieren.

Andreas Kramer (Berlin & Padua, Italien)

Andreas Kramer ist bildender Künstler, lebt und arbeitet in Berlin und normalerweise in Italien, er stellte auch in der Kulturbundgalerie Treptow aus und erstellt zur Zeit mit italienischen und deutschen Künstlern ein gemeinsames Bild in Corona-Zeiten.

Ich war gerade nach Berlin gekommen, genau vor dreißig Jahren, in den Prenzlauer Berg, der damals noch ein ganz anderer Prenzlauer Berg war als dieses gentrifizierte Gelände von heute. Ich war gerade eingezogen in meine neue Wohnung in der Raabestraße, die ich in einer Art (heute unvorstellbarem) Tauschgeschäft gegen meine besetzte Bleibe in der Winsstraße nun ganz offiziell bewohnen durfte. Ich studierte noch an der Hochschule für Kunst und Design in Halle, Burg Giebichenstein, und ein paar Tage später stand eine Kommilitonin, die ebenfalls gerade nach Berlin gekommen war, mit zwei italienischen Touristen an meiner Tür. Die beiden waren auf der Suche nach einer günstigen Unterkunft für ein paar Tage in Berlin. Meine Wohnung war noch fast leer, und Platz für zwei Schlafsäcke gab es allemal. Ich wusste nur zu gut, was es heißt, Urlaub machen zu wollen, ohne viel Geld in der Tasche zu haben. Was ich damals noch nicht ahnte, war, dass von diesem Tag an Italien mich nie wieder loslassen würde. Ein paar Wochen später war ich selbst das erste Mal dort und seitdem immer wieder, so auch eigentlich im März dieses Jahres, nicht zum Urlauben, sondern wie in all den vergangenen Jahren, für eine Reihe von Workshops, die bereits ausgebucht in meinem Kalender standen. Ich war noch Mitte Februar der festen Überzeugung, dass dieses Ding Corona spätestens mit den ersten Strahlen der Märzsonne dahinschmelzen würde, dann kam alles ganz anders.

Ich war natürlich auch zunächst mit mir selbst beschäftigt: was mache ich, wenn ich kein Geld mehr verdiene, welche Anträge muss ich jetzt ausfüllen, welche Zahlungen lassen sich stunden, Finanzamt, KSK, ILB usw. An meinem Rhythmus aber änderte sich in all diesen Wochen ja nicht allzu viel – ich war im Atelier oder zu Hause, zu Hause oder im Atelier, nur eben nicht in Italien. Die Bilder und Berichte von dort wurden aber zunehmend bedrückender, und ich wollte irgendwie helfen, wusste nur nicht wie. Mir erschien es, als ob der Rest Europas wieder einmal Italien im Stich lassen würde, und da wollte ich irgendetwas dagegen setzen, ich wusste nur nicht was. Ich schrieb also erstmal E-Mails an alle meine Kunstfreunde. Mit den meisten hatte ich im Laufe der Jahre nur beruflich zu tun, aber als ich sah, wie viele mir antworteten und wie sehr diese kleine Geste einer simplen E-Mail, in der, wenn ich mich recht entsinne, nicht viel mehr stand als „ich bin mit Euch …“, so viel Resonanz erntete, bekam ich eine Vorstellung davon, was ich tun könnte. Ich habe dann das gemacht, was auch viele andere in dieser Zeit auch gemacht haben – nämlich gelernt, wie Videokonferenzen funktionieren. Ende März habe ich dann damit begonnen, zweimal in der Woche via Zoom mit Italien zu reden und vor allem endlich wieder Blickkontakt aufzunehmen, nicht als Geschäftsmodell, sondern als Gespräch unter Freunden. Das Ganze begann in einer Zeit, in der man dort nur zum Einkaufen oder zu Arztbesuchen das Haus verlassen durfte.

Der Kontakt mit Berlin wurde damit für meine italienischen Künstlerkollegen ein wenig zu einem Tor nach draußen, in die Welt, und für mich natürlich zum Tor nach Italien. Die Isolation, in der wir uns in diesen Tagen alle befanden (in Italien weit mehr als in Berlin), war natürlich immer ein Thema in allen Gesprächen. Im Wort Isolation steckt das Wort isola, die Insel, genauso wie sich hinter dem Wort Quarantäne nicht nur die Zahl 40 sondern auch die Pest in Venedig versteckt. Quarantänen gab es in Venedig mehr als genug, aber Inseln gab und gibt es noch mehr: für die Irren, die Kranken, für das Schießpulver und die Franziskaner, die Armenier und für die Toten natürlich auch. Die Insel, die Sehnsuchtsinsel, die Wohnungsinsel, die Farbinsel, die Hoffnungs­insel, die Langeweileinsel, die Trauminsel, die Stressinsel und Angstinsel wurde dann zu einem gemeinsamen Thema für meine italienischen Freunde, für mich und inzwischen für einige meiner deutschen Künstlerkollegen auch. Seitdem arbeiten wir an einem gemeinsamen Bild, zwanzig mal zwanzig Zentimeter für jeden einzelnen Künstler, und ich weiß noch nicht, wie groß es für alle zusammen werden wird. Wir hoffen, dass wir es dann im Oktober in Padua ausstellen können, wo ich in der Zwischenzeit schon dreimal gewesen sein wollte und nicht konnte. Und ich hoffe, das alles später auch nach Berlin zu bringen, aber ich fürchte natürlich auch, dass in Italien, in Berlin und anderswo die Kultur der Ort sein wird, an dem das große Sparen und Rotstiftschwingen beginnt, wenn das Geld ausgeht. Doch ich glaube wiederum fest daran, dass wir es gemeinsam aufhalten können, weil Kunst eben keine verzichtbare Wellnessveranstaltung für unausgelastete Bildungsbürger ist, sondern ein Lebensmittel, ein Mutmacher und eine Kraftquelle gerade dann, wenn dies Leben bedroht scheint, der Mut eben fehlt und die Kraft zu schwinden droht.

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