Kulturnews

Leserzuschrift

In schöner Unregelmäßigkeit las ich bisher mit unterschiedlichem Interesse die Ausgaben der KulturNews des Kulturring in Berlin e. V., und seit Mai 2020 lese ich diese kleinen duftenden, auch grafisch-optisch ansprechenden Hefte sogar mit einiger haptischer Hingabe! Vielen Dank! Doch nun zum Eigentlichen: Ich weiß nicht, ob es angesichts der deutlich niedrigeren Auflage für die Mai/Juni-Ausgabe (zumindest im Vergleich zu der Auflage der März/April-Ausgabe) noch eine zweite oder vielleicht vereinzelte „Nachdrucke“ geben wird – aber sollte es so sein, hätte ich zwei Verbesserungsvorschläge zu machen, denn auf Seite 32 der Mai/Juni-Ausgabe stellte ich zwei nicht unerhebliche Fehler fest. Nämlich:
1. Am 17.11.1929 gab es keine Reichstagswahl (wie irrtümlich behauptet wird). Vermutlich meinten Sie die Wahl zur Berliner Stadtverordentenversammlung, was ja dann doch ein gehöriger Unterschied ist.
2. Die von Ihnen erwähnte „Staatspartei“ gab es bei dieser Wahl von 1929 noch gar nicht, weil sie sich erst 1930 zur Reichstagswahl gründete. Die richtige Bezeichnung im Heft müsste also folglich DDP (Deutsche Demokratische Partei) heißen. Der DDP gehörten damals so großartige Persönlichkeiten wie Hugo Preuß & Theodor Heuss, Thomas Dehler & Max Weber, Adolf Grimme & Walther Rathenau an etc.  Erst im Jahre 1930 schloss sich ein Teil der DDP mit der rechtslastigen, sog. „Volksnationalen Reichsvereinigung“ zur „Staatspartei“ zusammen. Es kann sie also meiner Meinung nach unmöglich schon 1929 in Karlshorst (oder anderswo) gegeben haben.
Thomas Schulz

Antwort der Redaktion
Die reduzierte Auflage war einmalig, da die meisten lokalen Vertriebsstellen auf Grund des Corona-Lockdowns wegfielen. Für Ihr Interesse und Ihre Hinweise bedanken wir uns. Dieser Dank wurde uns auch von unserem Autor des angesprochenen Artikels zur Karlshorst-Geschichte Michael Laschke übermittelt, der zu den von Ihnen festgestellten Fehlern unter anderem Folgendes schreibt:
Herr Schulz liegt mit seinem Hinweis zum 17.11.1929 hinsichtlich Stadtverordnetenwahl statt Reichstagswahl völlig richtig. Wie er selbst schreibt, ist „wahrlich niemand im Eifer des Gefechts fehlerfrei“. Ein peinliches „Verrutschen“ zwischen zwei Tabellenzeilen ist hoffentlich entschuldbar... Sein Hinweis auf die DDP 1929 ist auch nicht falsch, im Kontext des Artikels aber nicht unbedingt notwendig. Die veröffentlichte Wahlstatistik für den 17. Bezirk vergleicht im September 1930 die Stimmen für die „Staatspartei“ mit denen der „Demokraten“. Dem habe ich mich angeschlossen, um nicht noch tiefer in die Parteienspaltungen jener Jahre einsteigen zu müssen. ... Die Grundaussage zum Wählerverhalten in Karlshorst im betrachteten Zeitraum ändert sich dadurch nicht.
Ich hoffe sehr, Herr Schulz kann das auch so sehen und sieht sich bestätigt.

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