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Berlin vor 100 Jahren - Das Ende eines Flugfeldes

Das Bild zeigt die „Hansa“, die zeitweilig in Biesdorf stationiert war. Sie war eigentlich länger als die Luftschiffhalle in Biesdorf, deshalb war sie auch in den Hallen in Johannisthal untergebracht. Für Ausbildungszwecke fuhren die Luftschiffe zwischen Biesdorf und Johannisthal hin und her. Die auszubildenden Luftschiffertrupps, zogen die Luftschiffe in die Halle bzw. holten sie heraus. Foto: Lot 3619-3 (LC-USZ62-15800) National Museum of the U.S. Navy

Friedrichsfelde-Karlshorst war zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch nicht Bestandteil Berlins, sondern eine selbstständige Landgemeinde im Kreis Niederbarnim. Der Ortsteil Karlshorst wurde für Berliner ein beliebter Siedlungsort. Doch mit den vielen Zuzügen wuchsen zwar die Ausgaben der Gemeinde für die Infrastruktur, aber nicht gleichzeitig die Steuereinnahmen. Ein Problem, das bis heute viele Gemeinden beschäftigt. Die Finanzierung der Gemeinde Friedrichsfelde-Karlshorst auf eine solide Basis zu stellen, war nach Ansicht des Gemeinderates in einem Gebiet ohne Industrie nur durch die Ansiedlung einer Garnison des Militärs zu erreichen. Ein bisschen neidisch sah man zu den Nachbargemeinden. Lichtenberg erhielt Stadtrecht und entwickelte sich zum Industriestandort. Biesdorf hatte durch Wilhelm von Siemens einen Luftschiffhafen erhalten. Das Luftschifferbataillon aus Tegel hatte hier Haltemannschaften für die Luftschiffe statio­niert. Die Gemeinde Friedrichsfelde bot deshalb der Militärverwaltung an, neben der Biesdorfer Luftschiffhalle auf dem Gebiet von Friedrichsfelde eine Kaserne und Luftschiffhalle für die Luftschiffer zu errichten. Dies wurde von der Militärverwaltung abgelehnt. 

Mit Beginn des 1. Weltkrieges verschärfte sich in der Gemeinde Friedrichsfelde die finanzielle Situation. Die Abgaben der Rennbahn und die Steuern der Gastwirtschaften blieben aus. Nach der Mobilmachung 1914 wurden auf dem Gelände der Luftschiffhalle in Biesdorf nacheinander die Luftschiff-Trupps 10 und 23 aufgestellt. Für die Ausbildung der Luftschifftrupps standen das Zeppelin-Luftschiff „Hansa“ und die Parseval-Luftschiffe PL 16 (Februar 1915 bis März 1916) und PL 25 (März 1916 bis 2.8.1917) zur Verfügung (siehe Fotos). Neben der Ausbildung von Luftschiffertrupps entwickelte sich auf dem Luftschiff­hafen-Gelände eine weitere Ausbildungsstätte durch das Luftbildkommando, die spätere Inspektion des Lichtbildwesens (Idlicht) mit Sitz in Berlin, Oranienstraße. Parallel zum Luftschiffhafen entstand seit 1915 ein Flugfeld, das zunächst durch eine „Flugabteilung Biesdorf“ der Luftbildabteilung genutzt ­wurde.

Im Frühjahr 1917 wird die Einstellung der Heeres-Luftschifffahrt zum 31. Juli 1917 verkündet. Das war auch das Ende des Luftschiffhafens Biesdorf, doch schon langfristig hatte die zuständige Militärbehörde „Intendantur der Luftstreitkräfte“ den Umbau zu einem Flugfeld ausgearbeitet. Auch die waffen­technischen Versuche wurden eingestellt. Das Flugfeld wurde nun ausschließlich zur Ausbildung von Militärbeobachtern genutzt und zur Entwicklung technischer Geräte der Luftbildfotografie. Die Gemeinde Biesdorf konnte diesen Ausbau vom Luftschiffhafen zum Flugfeld finanziell nicht stemmen. Deshalb wandte sich die Militärverwaltung bereits 1916 an die Gemeinde Friedrichsfelde, die auf eine solche Anfrage schon lange wartete. So entstand das Flugfeld Friedrichsfelde-Karlshorst. Der Schwerpunkt des Flugbetriebes verlagerte sich von Biesdorf nach Karlshorst. In Karlshorst wurden später die Flugabteilung, die Lehrabteilung und die Versuchsabteilung der Inspektion des Lichtbildwesens aufgebaut.
Mit dem Scheitern der Frühjahrsoffensiven von 1918 wurde der deutschen Obersten Heeresleitung klar, dass der Krieg militärisch nicht mehr zu gewinnen war. Seit dem Sommer zeichnete sich sogar eine Niederlage ab. Die Lage an der Westfront war durch das verstärkte Eingreifen US-amerikanischer Truppen immer aussichtsloser geworden. Am 8. August 1918 begann die Schlussoffensive der Alliierten. Der Waffenstillstand von Compiègne wurde am 11. November 1918 zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich sowie Großbritannien geschlossen und beendete die Kampfhandlungen im Ersten Weltkrieg. Die Unterzeichnung des Versailler Vertrages erfolgte am 28. Juni 1919 im Spiegelsaal von Versailles.

Die Inspektion der Luftstreitkäfte führte auch nach dem Waffenstillstand das Flugfeld weiter. Ein Arbeiter- und Soldatenrat wurde noch im November gewählt. Es ist nicht überliefert, welche Resonanz der Waffenstillstand und die Novemberrevolution in Karlshorst hatten. Zeitzeugen berichten lediglich über den Flugplatz Johannisthal: Am 10. November 1918 um 19 Uhr wurde der Flugplatz Johannisthal vom Arbeiter- und Soldatenrat besetzt und die Wachen abgelöst. Über Karlshorst wird Ähnliches nicht berichtet.

In den Archiven wird das Flugfeld jetzt als Flugplatz Karlshorst bezeichnet. Ob ­diese Fliegerstaffel in die Märzkämpfe 1919 in Lichtenberg eingegriffen hat, ist umstritten. Nachgewiesen ist bisher nur, dass Freikorpssoldaten in diesem Zeitraum auf dem Flugfeld untergebracht waren. Es ist nicht bekannt, ob die hier stationierten Flugzeuge für Bodenkämpfe ausgerüstet waren. Wahrscheinlicher ist, dass die in den Kämpfen in Lichtenberg eingesetzten Flugzeuge vom Militär-Flugplatz Döberitz starteten. Ab Sommer 1919 wurde der Flugplatz von der im März 1919 neu gegründeten Berliner Sicherheitspolizei weiterbetrieben. Ab ­Sommer 1919 erfolgte der Aufbau des Organisationsstabes. Von Seiten des Militärs wurde so der Versuch unternommen, einerseits die Waffenstillstandsbestimmungen einzuhalten und andererseits die Fliegertruppen unter einer neuen Bezeichnung zu retten. Bevorzugt wurden Angehörige der Garde-­Kavallerie Schützendivision aufgenommen. Die neue Bezeichnung war „Polizeifliegerstaffel 1“. Die Polizeiflieger waren ausschließlich ehemalige Militärangehörige. Die Polizeiflieger aus Karlshorst erlangten während des Kapp-Putsches im März 1920 eine traurige Berühmtheit. So berichteten der „Vorwärts“ und die „Freiheit“ über das Hissen der alten Reichskriegsflagge durch Angehörige der Polizeifliegerstaffel auf einem Gebäude des Flughafens Berlin-Karlshorst. Wer die Entstehungsgeschichte der Polizeiflieger aber kennt, ist über diese Solidarität mit den Putschis­ten nicht erstaunt. Die letzte Nachricht über den Flugbetrieb stammt vom 2. April 1920: Der Polizeipräsident von Danzig, der in Karlshorst ins Flugzeug stieg, stürzte kurz nach dem Start ab.

Nach der Ratifizierung des Versailler Vertrages verfügte die „Interalliierte Luftfahrt-Überwachungskommission“ am 22. Juli 1920 die Niederlegung der Fliegerhallen des Flugplatzes Karlshorst. Ein Einspruch der deutschen Regierung und die Versicherung der Aufgabe des Flugplatzes und des dauerhaften Umbaus der Flugzeughallen brachte die Wende. Mit Schreiben der „Interalliierten Luftfahrt-Überwachungskommission“ vom 7. September 1920 wurde informiert, die Flugzeughallen und die Werfthalle zu erhalten. Damit endet die Geschichte des Flugplatzes Karlshorst. Ausgerechnet die Fliegerhallen des Flugplatzes überstanden die wechselvollen Jahre bis heute.

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