oder die Übergabe der Verschlagwortung von Polizeiakten an das Landesarchiv Berlin – beides sind spröde Überschriften für einen Artikel, der eigentlich von harmonischer Zusammenarbeit, Achtung auf Augenhöhe und in der Hauptsache von gegenseitiger Dankbarkeit berichten soll. Und dennoch bringen beide Titel das Ereignis auf den Punkt.
Der lange geplante Termin am 08. April 2019 in den weitläufigen Räumen der Fotogalerie Friedrichshain wurde initiiert von der stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden des Kulturrings Astrid Lehmann, um die langjährigen Partner, wie das Landesarchiv Berlin, vertreten durch den Referatsleiter Dr. Martin Luchterhandt, den Geschäftsführer des Kulturrings Armin Hottmann und den Leiter der AG Rosa Winkel Andreas Pretzel wieder einmal an einen Tisch zu bringen, mit dem Ziel, ausgiebig über Vergangenes, Gegenwärtiges und die Zukunft der Zusammenarbeit Betreffendes in einer lockeren Atmosphäre zu sprechen.
Die Eingeladenen ließen sich nicht lange bitten, und eine Moderation des Treffens war kaum erforderlich. Die schon zum Anfang aufkommenden Erinnerungen an das damalige erste, vorsichtige Abtasten in der Anfangszeit in den Jahren 1997/98, das mit Arbeiten, wie der Sichtung und ersten Erfassungen eines riesigen Bestandes an Justizakten der Berliner Gerichte aus den Jahren 1933 bis 1945 begann, waren immer noch präsent. Schon damals bestand das Hauptinteresse der AG Rosa Winkel an der Recherche zu Verfolgungsschicksalen homosexueller Männer, die erst durch diese immense Vorarbeit ermöglicht wurde. Das Landesarchiv Berlin war zu diesem Zeitpunkt sehr dankbar, dass es nicht kommerziell Interessierte gab, die sich dieser noch unüberschaubaren Aufgabe bedingungslos stellen wollten. Die Wiedervereinigung beider deutscher Staaten machte gerade in Berlin die Verschmelzung von zwei großen Archiven (Ost/West) dringend notwendig. Zudem wurden in diesem Zeitraum auch mehrere städtische Aktenbestände geöffnet, die bis dahin noch unter besonderem Verschluss standen. Die notwendige Aufarbeitung und archivarische Bearbeitung war alleine durch das Landesarchiv Berlin in kurzer Zeit nicht realisierbar. Die ersten Ergebnisse der damaligen Aktiven, wie zum Beispiel Dr. Carola Gerlach (†), Gabriele Roßbach (†), Astrid Lehmann und Andreas Pretzel überzeugten, und der Beginn einer auf Leistung, Vertrauen und Achtung basierenden Zusammenarbeit war auf den Weg gebracht.
Ergebnis einer guten Zusammenarbeit

In den vergangenen zwei Jahrzehnten gab es dann immer wieder Herausforderungen, denen sich die AG Rosa Winkel gerne mit der Unterstützung von Mitarbeitern und Ehrenamtlichen des Kulturrings stellte. Heute forscht das Team zu einem weit größeren Thema: den LSBTI-Verfolgten (Lesben/Schwule/Bi-, Trans- und Intersexuelle) in der NS-Zeit. Diese Thematik konnte in der Zwischenzeit ebenfalls mit tatkräftiger Unterstützung des Landesarchivs und punktuell durch die Berliner Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung in einem temporär geförderten Mikroprojekt zum Abschluss gebracht werden. Ihre Ergebnisse werden in diesem Jahr in Form einer Ausstellung ab dem 22. August 2019 in der Fotogalerie Friedrichshain zu sehen sein.
Nunmehr ist durch die partnerschaftliche Kooperation in der Zwischenzeit eine über 11.000 Datensätze umfassende Zusammenstellung mit detaillierten Angaben zu den im Nationalsozialismus Verfolgten entstanden, die zur Zeit auf die Übergabe an das Landesarchiv vorbereitet wird, um dann der allgemeinen, wissenschaftlichen Geschichtsforschung zur Verfügung zu stehen. Für Juli 2019 wurde bereits ein erweitertes Fachgespräch mit IT- und Datenbankexperten des Landesarchivs und Mitarbeitern des Rosa-Winkel-Projekts vereinbart. Andreas Pretzel, Bernd Grünheid und Gabriele Hellmchen aus dem Team der AG-Rosa Winkel werden daran teilnehmen.
Zum Abschluss des Termins in der Fotogalerie Friedrichshain nahm Dr. Martin Luchterhandt mit ausgesprochener Dankbarkeit das Ergebnis einer 18-monatigen Recherchearbeit des Rosa-Winkel-Teams entgegen. Dieses Ergebnis, auf einer CD-Rom verewigt und übergeben von Kulturring-Geschäftsführer Armin Hottmann, enthält umfassende Korrekturen und Zusatzinformationen zu dem fast 1.000 Akten umfassenden Bestand „Polizeiliche Ermittlungsakten – allgemein“ innerhalb der Datenbank AUGIAS des Landesarchivs, die nun Dank der Zuarbeit in die archiveigene Datenbank eingepflegt werden können.
Dies alles zeigt anschaulich, wie eine gegenseitige kompromissbereite und respektvolle Zusammenarbeit die Zutaten für einen gemeinsamen Erfolg der beteiligten Partner liefert. Alle waren sich einig, dass dies im Interesse der Archivierung, Aufarbeitung und Forschung ein sehr guter Ausgangspunkt für die Zukunft ist.
