Senioren-Ausflüge mit Peter „Zeisig“

Karl Forster

Als gelernter Gas-Wasser-Installateur im Kundendienst kannte er sich in der ganzen (halben) Stadt aus. Jede Straße in Westberlin war er schon gefahren, jede Sehenswürdigkeit hatte er schon gesehen. Als die Firma, bei der Peter Seidler-Zeise beschäftigt war, überraschend schließen musste, stieß „Zeisig“, wie er heute liebevoll von den Kollegen genannt wird, auf den Kulturring in Berlin e.V. Schnell eignete er sich die gleichen Streckenkenntnisse auch vom Ostteil der Stadt an und startete mit einem Projekt, für das er im Herbst 2006 mit dem Freiwilligen-Pass ausgezeichnet wurde.

Eigentlich kam Peter Seidler-Zeise als Fahrer zum Kulturring, über eine Arbeitsbeschaffungs-Maßnahme. Sein neues Fahrzeug aber war kein Pkw, sondern ein Kleinbus, neun Sitze. Transportiert wird alles: Computer und Büroeinrichtung, Bühnentechnik und natürlich die Kollegen zu Veranstaltungen oder zu anderen Einsatzorten. Auch für die Medienpoints des Kulturrings, bei denen man sich kostenlos Bücher und CDs ausleihen oder auch „mitnehmen“ kann, fährt Seidler-Zeise. Denn regelmäßig werden Buchbestände, z.B. bei Wohnungsauflösungen, gespendet, die dann abgeholt werden müssen.

Doch Fahrzeug und Fahrer sollten auch unmittelbar für ein soziokulturelles Projekt eingesetzt werden. Und Bedarf bestand durchaus. Seniorenheime klagen oft, dass manche BewohnerInnen selten Gelegenheit haben, aus dem Haus zu kommen, etwas anderes zu sehen. Und weitere Strecken schaffen viele nicht mehr. Da kam das Angebot des Kulturrings gerade recht. Ein kleiner Ausflug mit dem „Kulturbus“. Eine der ersten Touren war eine Fahrt für ehrenamtliche Mitarbeiter eines Freizeitheims. „Das war so toll“, erzählt Seidler-Zeise, „dass wir eigene Angebote entwickelt haben“. Dazu zählten Stadtrundfahrten durch Berlin, aber auch Fahrten zum Müggelsee, zum Grunewaldturm oder nach Moorlake. Ein kurzer Spaziergang gehört immer dazu, auch wenn viele Teilnehmer auf Gehhilfen angewiesen sind. Sind die Gäste etwas rüstiger, wird auch schon mal ein kleiner Waldspaziergang eingeplant. Der Weg endet meist an einem schönen Café. „Die meisten Fahrten“, so Seidler-Zeise, „finden in den wärmeren Monaten statt“. Aber eine Winterfahrt ist besonders beliebt: Wenn es zur Lichterfahrt über den beleuchteten Ku-damm oder Unter den Linden entlang geht. Und natürlich lässt der Busfahrer seine Gäste nicht ohne Informationen über die Sehenswürdigkeiten.

Peter Seidler-Zeise achtet darauf, dass alle Einrichtungen, die angefahren werden, behindertengerecht ausgerüstet sind. Einmal wöchentlich wird ein solcher Ausflug angeboten, die Wunschliste aus den Seniorenheimen ist groß. Also gibt es auch dieses Jahr wieder viel zu tun.

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