Schweres auf leichte Art – die Kinderoper mahnt spielerisch zum Schutz des Meeres

Dagmar Steinborn

Tief unten im Meer in 10.939 Metern liegt die Stadt Tija, mit ihren Felsen, Höhlen, den wunderschönen Korallen und mit all ihren Bewohnern. Ihnen ging es gut, bis die Menschen immer mehr Müll ins Meer warfen. Der bedroht die intakte Unterwasserwelt. Doch wie kann man das verhindern? Davon handelt die neueste Produktion des Kinderopernhauses Marzahn-Hellersdorf. Im „Geheimnis des Meeres“ spielen, singen, tanzen und zaubern die Kinder auf der großen Bühne des Kulturforums Hellersdorf. Gemeinsam mit dem künstlerisch-pädagogischen Team des Kinderopernhauses und der Hans-Werner-Henze-Musikschule haben die Schülerinnen und Schüler die facettenreichen Charaktere ihrer Rollen mitgestaltet und musikalisch-rhythmisches Material in Improvisationen entwickelt – und das mit viel Kreativität und Spielfreude. Immer wieder wurde geändert, verworfen, neu überlegt und dann, als das Stück „stand“, monatelang geprobt, jeden Mittwoch. Am 18. Juni war es dann soweit: Der Tag der Premiere! Die Zuschauer tauchten ein in die Geschichte der Unterwasserstadt Tija zu Klängen von Georg Friedrich Händel und Franz Schubert. Die Aufführung war ein Riesenerfolg und für alle Beteiligten ein unvergessliches Erlebnis! Sogar der Intendant der Staatsoper Unter den Linden, Matthias Schulz, übersandte ein Grußwort.

Die Mitglieder des Ensembles sind zwischen neun und dreizehn Jahren alt. Fritzi, 10 Jahre, schlüpft in die Rolle eines Meermenschen. Sie erzählt: „Mir macht das Theaterspielen großen Spaß, hier habe ich auch tolle Freunde gefunden.“ Die Schülerin der 4. Klasse hat noch weitere Interessen, z.B.  Querflöte spielen, Sport treiben und mit den Pfadfindern auf Tour gehen. Später möchte sie vielleicht Musiklehrerin werden oder als Astronautin zur ISS, der Internationalen Weltraumstation, fliegen.

Julius stellt im Stück den Riesenoktopus dar. Auch er ist 10 Jahre alt und besucht die 4. Klasse. Bei der Verteilung der Rollen war ihm wichtig, nur kurze Sätze sprechen zu müssen, denn: „Da muss ich mir nicht so viel merken!“, meint er lachend. „Ich finde es toll, andere Kinder kennen zu lernen und zusammen mit ihnen auf der Bühne zu stehen. Mir macht einfach alles Spaß. Besonders gespannt bin ich auf mein Kostüm!“ verrät er bei einer Probe. Es stellt sich heraus, dass die Kostümbildnerin seinen Geschmack getroffen hat – der junge Schauspieler ist sehr zufrieden. Er möchte gerne weitermachen, denn es zieht ihn auf die Bretter, die die Welt bedeuten.

Regina Lux-Hahn von der Staatsoper Unter den Linden hat das Kinderopernhaus Berlin vor zwölf Jahren gegründet. Zunächst in Berlin-Lichtenberg etabliert, existieren heute in mehreren Bezirken regionale Kinderopernhäuser, die jährliche Musiktheaterproduktionen realisieren. An elf Berliner Grundschulen gibt es  Kinderopern-AGs, davon zwei im Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Hier können interessierte Mädchen und Jungen mitmachen und dabei herausfinden, ob ihnen das Theaterspielen Spaß macht. Neben der Freude an der gemeinsamen „Arbeit“, lernen die Kinder vieles für ihr Leben, entdecken neue Seiten an sich und lernen andere Kinder kennen. Sie kommen mit Musik und Literatur in Kontakt, werden kreativer und entwickeln so ihre eigene Persönlichkeit. 2020 wurde das Kinderopernhaus Berlin für seine erfolgreiche Bildungsarbeit mit dem renommierten OPUS KLASSIK ausgezeichnet.

Das Kinderopernhaus Marzahn-Hellersdorf wurde 2018 gegründet. „Im Walde von Toulouse“ war die erste Inszenierung. Damals war der Kooperationspartner das Freizeitforum Marzahn. Wegen der Coronapandemie konnte erst wieder im Schuljahr 2021/22 mit der Erarbeitung einer zweiten Inszenierung begonnen werden. Nun sind alle stolz darauf, diese Produktion der Öffentlichkeit präsentieren zu können. Jetzt ist die Jugendkunstschule „Lin Jaldati“, die ins frisch sanierte Kulturforum Hellersdorf gezogen ist, neuer Kooperationspartner. Alle hoffen darauf, nicht wieder eine Zwangspause einlegen zu müssen. Auch im kommenden Schuljahr 2022/23 werden noch Kinder gesucht, die sich für das Projekt des Kinderopernhauses interessieren. Die Proben beginnen im September, Spielstätte ist für Marzahn-Hellersdorf das Kulturforum in der Carola-Neher-Straße 1 in Hellersdorf.

Alle Informationen findet man unter: www.kinderopernhaus-berlin.de

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