Die Gärten punkten mit Kultur und Erholung – Besucherzahlen sprechen für sich

Karl Forster

Der Lockdown in den Corona-Jahren 2020 bis 2022 betraf nicht nur den Handel und die Gastronomie, sondern wirkte sich in vielen Bereichen aus. Zeitweilig gab es auch im Freien eine zahlenmäßige Begrenzung bei Menschenansammlungen. Davon betroffen waren primär Kultureinrichtungen, doch in vielen Regionen ebenso  die Zoologischen Gärten. Berlin versuchte zwar  lange gegenzuhalten,  streckenweise waren allerdings auch hier Zoo und Tierpark geschlossen oder standen später nur Gästen offen, die einen tagesaktuellen Test vorweisen konnten.

Eine Alternative boten gerade in dieser Zeit die Parks. Sowohl die öffentlich zugänglichen als auch die von Grün Berlin betriebenen Einrichtungen. Die Pandemiezeit stellte natürlich ebenso für die Gärten der Welt eine Herausforderung dar. Zugleich war sie der Beginn von Innovationen. Zum einen wurde es ermöglicht, dass diese wie auch die anderen Parkanlagen der Grün Berlin GmbH  die gesamte Zeit zugänglich waren. Zum anderen reagierten die Gärten der Welt auf die Situation von Menschen, die beispielsweise in Quarantäne bleiben mussten oder nicht den Weg mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf sich nehmen wollten. Für sie entwickelte man das „Park-TV“. Die Mitarbeiter:innen der Parkverwaltung haben die einzelnen Gärten aufgesucht,  Grußbotschaften aufgenommen, Fakten zu den Gärten erzählt und die Filmbeiträge anschließend Online gestellt, so dass die Gäste in dieser Zeit die Grünanlagen virtuell besuchen konnten. Die Beiträge sind übrigens auch jetzt noch über die Internetseite der Gärten der Welt oder auf YouTube abrufbar. Sie bieten vor allem für Menschen, welche die Gärten noch nicht kennen und sich informieren wollen, eine ideale Vorbereitung auf einen Besuch.

Parkbotschafterin Beate Reuber, selbst viele Jahre Parkchefin der Gärten der Welt, berichtet von den Besucherinnen und Besuchern,  die trotz der Einschränkungen in dieser Zeit kamen. Abstände wurden eingehalten und die Gäste fühlten sich sehr wohl bei ihrem Aufenthalt. Sie konnten, so Reuber, die Jahreszeiten erleben, die unterschiedlichen Eindrücke auf sich wirken lassen und diese sozusagen innerlich mit nach Hause nehmen – eine wertvolle Erfahrung in dieser Zeit. Natürlich, räumt Beate Reuber ein, gebe es in den Gärten auch einige „Gebrauchsspuren“, aber nichts, was sich nicht wiederherstellen ließe. Die Bedeutung der Gärten der Welt in der Pandemie habe sich auch daran gezeigt, dass der Park im Corona-Jahr 2021 über eine Million Besucher verzeichnete. Auch in diesem Jahr seien die Besucherzahlen überaus gut, insbesondere an Veranstaltungstagen wie dem Kirschblütenfest im April oder während der Osterzeit. Kamen pandemiebedingt zuvor in erster Linie viele Besucher:innen aus einzelnen Bezirken, die beispielsweise die günstige Jahreskarte nutzten, erkannten nun viele Menschen aus der gesamten Stadt und dem Umland, dass man Erholung in den Gärten der Welt finden kann, ohne weit zu reisen. Die Parkbotschafterin weist darauf hin, inzwischen gebe es auch wieder eine Dschunke auf dem See im Chinesischen Garten. Das bei der Eröffnung 2000 vorhandene Boot, damals von einer Werft in Königs Wusterhausen gefertigt, musste nach Witterungsschäden 2012 ausgemustert werden. China lieferte ein neues Schiff, das im März zu Wasser gelassen wurde.

Nun stehen im Sommer wieder eine Reihe von Kulturveranstaltungen in Aussicht. So am 2. Juli gleich zwei Open Air-Glanzpunkte: das Konzert „Peter und der Wolf“ von Prokofjew und Beethovens 5. Sinfonie in der Arena mit dem Akademischen Orchester Berlin e.V.  Hierfür wird kein Zusatzeintritt erhoben. Als Besonderheit zu veranschlagen sind die schon traditionellen Highland-Games am 16. und 17. Juli, bei denen schottische Bräuche und skurrile Wettkämpfe im Mittelpunkt stehen. Am 22. Juli zaubern dann Angelo Kelly & Family wieder den "Irish Summer" hinein ins grüne Areal. Für Furore unter den Veranstaltungen dürfte ein bislang nicht dagewesenes Ereignis sorgen: Unter dem Titel „Culture meets Garden“ werden am 13. und 14. August die Botschafter ihre landestypischen Gärten kennenlernen, diese präsentieren und sich bei einem kleinen Empfang austauschen. Zuguterletzt dürften am 27. August unter dem Titel „Viva la musica“ Filmmusik  und ein Feuerwerk in der Arena für einen unvergesslichen Abend sorgen. Die Donau Philharmonie Wien spielt unter der Leitung von Chefdirigent Manfred Müssauer klassische Titel, die zu den musikalischen Meilensteinen des Kinos zählen.

Neu ist in diesem Jahr übrigens ein Audioguide für die Gärten der Welt, den man sich kostenlos im Besucherzentrum ausleihen kann. Er liefert neben kleine Anekdoten auch Hintergrundwissen zu den einzelnen Gärten. Besucher:innen hören auf dieser rund 90-minütigen, etwa 2,5 Kilometer langen Weltreise durch die verschiedenen Themengärten und Gartenkabinette Wissenswertes und Unterhaltsames zur grünen Vielfalt Europas und der exotischen Natur Balis, Japans, Chinas oder Koreas.

 

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