Projekt: Kreuzberg.Mauer.Friedrichshain

Karola Walter

Wer hätte je gedacht, dass diese Mauer eines Tages fällt, trennte sie doch nicht nur eine Stadt und ein Volk, sondern vor allem die zwei größten, bis an die Zähne bewaffneten Militärblöcke der Nachkriegszeit. Die Generation, die mit dem Kalten Krieg groß geworden war, glaubte bestimmt eher daran, dass sich eines Tages die Sonne um die Erde dreht, als dass es irgendwann ein Berlin ohne Mauer geben würde. Und nun ist es schon mehr als dreißig Jahre her, dass sie nicht mehr existiert. Die wenigen verbliebenen Fragmente aus Stein erinnern und mahnen. Ebenso die Fragmente in den Köpfen derer, die die Jahre vor und nach dem Mauerfall erlebt haben. Damit diese Erinnerungen nicht in Vergessenheit geraten, widmet sich ein Projekt des Kulturrings den Zeitzeugen, insbesondere denen aus Friedrichshain-Kreuzberg. Seit 2019 schrei­ben wir deren Geschichten nieder, die sie uns freundlicherweise erzählt haben. Aber auch unsere eigenen, denn wir haben selbst den Wandel entlang der Spree während der letzten dreißig Jahre erlebt. So einzigartig jeder Mensch ist, so einzigartig sind auch seine Wertungen, sein Blick auf die Geschichte und das Erleben des Neuen. So klingen manche Schilderungen kurios, manche melancholisch und andere zornig. Das ist es, was dieses Projekt so spannend macht.

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