Engagement für Koptische Christen

Dr. Werner Baumgart

Dem aufmerksamen Lichtenberger, aber auch den vielen Besuchern, die über den Roedeliusplatz an der dort befindliche Glaubenskirche vorbei gehen, fällt auf, dass vor allem an den Sonntagen ein reges Treiben herrscht und dass es sich hierbei um sehr viele Arabisch sprechende Bürger handelt. Spricht man die freundlichen Menschen an, so erfährt man, dass es sich um Kopten, das heißt um Christen aus Ägypten handelt, die hier feiern, Gottesdienste besuchen und sich intensiv darum bemühen, die Kirche und das Umfeld in Ordnung zu halten. Die Kopten haben 1996 in einem Schenkungsakt vom Bezirksamt Lichtenberg diese große und schöne Kirche auf Erbaurechtsbasis übertragen bekommen und damit ein repräsentatives Gotteshaus für die zum damaligen Zeitpunkt in Berlin lebenden etwa 800 Kopten erhalten. Die Kopten gehören zur christlichen Minderheit Ägyptens; weltweit beläuft sich ihre Zahl auf fast 18 Millionen Gläubige.

Aufgrund der gewaltsamen Auseinandersetzungen im Nahen Osten, besonders in Ägypten, kommen in letzer Zeit immer mehr Kopten nach Berlin und nach Deutschland. Viele von ihnen fühlten sich ihres Lebens nicht mehr sicher und verließen ihre ägyptische Heimat. In Deutschland, in Berlin bitten sie um Hilfe und Unterstützung. Die koptisch-orthodoxe Kirche ist ihr wichtigster Anlaufpunkt. Und die koptische Gemeinde leistet, ihren bescheidenden Möglichkeiten entsprechend, völlig unkompliziert und geräuscharm eine sehr effiziente Hilfe. Engagierte Berlinerinnen und Berliner, wie beispielsweise das Ehepaar Ursula und Siegfried Bardtholdt oder der Autor dieser Zeilen im Rahmen seiner Arbeit im Kulturring und darüber hinaus, tun ihr Möglichstes, um den Kopten bei ihrer schwierigen Arbeit helfend zur Seite zu stehen. Dabei geht es zum Beispiel um die Wohnungssuche und die Vermittelung von Schul- und Hortplätzen für die Kinder.

Leider wissen nur wenige Mitbürger, welchen wichtigen Beitrag die koptische Gemeinde bei der Integration von koptischen Flüchtlingen zur Zeit leistet und wie effizient in der Kirchengemeinde mit diesem allseits heftig diskutierten, konfliktbeladenen Problem umgegangen wird. Dazu entwickelt und pflegt sie im Auftrag und in ausdrücklicher Bevollmächtigung durch das Oberhaupt der Koptisch-Orthodoxen Kirche in Deutschland, Bischof Damian, ein umfangreiches Netzwerk. Sie führt konstruktive, ergebnisorientierte Gespräche mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, der Bürgermeisterin von Lichtenberg, Birgit Monteiro, sowie Mitgliedern des Bundestags und des Berliner Abgeordnetenhauses, wie z.B. Volker Kauder (CDU), Dr. Gesine Lötzsch (Die Linke), Dr. Martin Pätzold (CDU), Katrin Lompscher (Die Linke).Besonders bemüht sie sich darum, die Kopten in die ökumenische Gemeinschaft der Christen in Berlin, insbesondere in die katholischen und evangelischen Kirchengemeinden von Lichtenberg, zu integrieren. Hierbei helfen ökumenische Gottesdienste, Trauer- und Festgottesdienste, an denen die verantwortlichen Bischöfe, Pröpste und Priester aller Religionsgemeinschaften, die Gemeinde-glieder und viele Lichtenberger Bürger teilnehmen.

Als im Februar dieses Jahres auf die Koptische Kirche in Lichtenberg ein Brandanschlag verübt wurde und die verbrecherischen IS-Banden fernab 21 Kopten bestialisch geköpft hatten, gab es eine breite Protestbewegung. Aufrüttelnde Wandzeitungen wurden gestaltet, Pressemitteilungen verfasst, Demonstrationen und Gedenkgottesdienste durchgeführt und Benefizveranstaltungen, auch durch den Kulturring, organisiert. Diese Solidarität war für die Gemeinde sehr wichtig.

Doch ebenso im inzwischen eingekehrten Alltag ist sie von Nöten. Denn es geht auch um den Einsatz der Mitglieder der koptischen Gemeinde für die Reparatur und den Erhalt der Glaubenskirche und ihrer Außenanlagen. Diese konkrete Tätigkeit kann nicht positiv genug bewertet werden. Für die Kopten ist sie eine sehr große Herausforderung. Der allgemeine Bauzustand der Kirche macht große Reparaturen dringend erforderlich, bindet aber auch die Kräfte für die ganz normale tagtägliche Wartung und Pflege des Gebäudes und der Anlagen. Wie auf kürzlich stattgefundenen Veranstaltungen in Hohenschönhausen bekannt wurde, ist es mittlerweile gelungen, Sondermittel in Höhe 250.000 Euro vom Bund und vom Stadtbezirk zu sichern. Und so konnte Ende November mit den Reperaturarbeiten begonnen werden.

Für das große Engagement, für all die erbrachten zahlreichen großen und kleinen handwerklichen und vielen ehrenamtlichen Leistungen gebührt allen Beteiligten Dank und große Anerkennung.

(redaktionell bearbeitet und gekürzt, I.K.)

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